Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 34 (26.8.1927)
- Date
- 1927-08-26
- Page
- Seite 545 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 Das Jüdische Echo 545 Zürich, 19. August. (JTA.) In der heutigen Vormittagssitzung protestierte Wolfsohn (New York) gegen die Exzesse, die sich in den letzten Tagen wieder unter dem neuen Regime Bratianus in Rumänien ereignet haben und forderte, daß die rumänische Regierung endlich ihr Versprechen, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen, erfülle. Richter Hartman, der Vizepräsident des amerikanischen jüdischen Kongresses, berichtet, daß der Kongreß beim Staatssekretär der Vereinigten Staaten Schritte unternommen habe, daß dieser bei der rumänischen Regierung energische Vorstellungen erhebe. Ein Schreiben des am Erscheinen verhinderten ersten Präsidenten des amerikanischen jüdischen Kongresses, Julian Mack, worin dieser die Konferenz begrüßt und die Schaffung eines starken einheitlichen Zentralorgans ebenfalls als Voraussetzung für einen erfolgreichen Kampf fordert, wurde mit großem Beifall entgegengenommen. Zürich, 20. August. (JTA.) In der Nachmittagssitzung vom Freitag, dem 19. August, entspann sich nach Annahme verschiedener, die nationale Autonomie betreffender Resolutionen eine lebhafte Diskussion über die Frage, ob Hebräisch oder Jiddisch als die Hauptunterrichtssprache in den jüdischen Schulen zu gelten habe. Der Antrag Hellmann, daß nur Jiddisch oder Hebräisch als Unterrichtssprache gelten sollen, wurde abgelehnt. Daraufhin verließen Volkisten (die für Jiddisch eintraten) unter Protest die Konferenz. Hierauf unterbreitete Abg. Dr. Reich die Vorschläge der Organisationskommission, die mit geringfügigen Änderungen angenommen wurden. Die wichtigsten Beschlüsse betreffen die Verlegung des Sitzes der jüdischen Minderheitskonferenz von Paris nach Genf und Schaffung eines „Council“, bestehend aus fünfunddreißig Mitgliedern mit Kooptionsrecht. Die neue Organisation tritt an die Stelle des bisherigen Pariser Komitees der jüdischen Delegationen. Als erster Präsident des „Council“ wurde N. S o k o 1 o w , Präsident der Zionistischen Weltexekutive, gewählt; zu Vizepräsidenten u. a. Oberrabbiner Dr. C h a j c s aus Wien und Sejmdeputierter G r ü ii b a u m. Der Genfer Nationalitätenkongreß Die jüdische Minderheit Österreichs nicht zugelassen Genf, 22. August. (Schw. Dep.-Ag.) Der Hauptausschuß des dritten europäischen Nationalitätenkongresses hielt gestern eine mehrstündige Beratung ab, die bis nach Mitternacht dauerte. Der Ausschuß, dem je ein Vertreter der bisher im Kongreß vertretenen nationalen Minderheiten angehört, beschloß nach einer eingehenden Diskussion, dieses Jahr keine neuen Gruppen zur Beteiligung zuzulassen und die Aufnahme weiterer Minderheiten aufzuschieben. Das sind Grundsätze, die im Statut der Organisation ausgearbeitet und bestimmt festgelegt sind. Es sind damit die Litauer und Friesen Deutschlands, die Juden österreichs und die Mazedonier Bulgariens und Jugoslawiens, die um ihre Beteiligung nachgesucht hatten, von den diesjährigen Beratungen ausgeschlossen. Infolge der Schwierigkeiten, die durch diesen Beschluß entstanden sind, konnte die für heute zehn Uhr vormittags angesetzte Eröffnungssitzung des Kongresses nicht zeitgerecht beginnen. Die Eröffnung fand dann in später Nachmittagsstunde statt. An dem Kongreß sind fünfunddreißig verschiedene Minderheitsgruppen aus allen Teilen Europas beteiligt, die zusammen eine Bevölkerung von über vierzig Millionen vertreten. In seiner Eröffnungsrede wies der Präsident der Konferenz, Dr. W i 1 f a n (slowenischer Abgeordneter im italienischen Parlament), auf die wachsende Bedeutung der Bewegung der nationalen Minderheiten hin. Als Hauptberatungsgegenständc der diesjährigen Arbeiten erwähnte er: Die Gefährdung des europäischen Friedens durch nationale Unduldsamkeit, innen- und zwischenstaatliche Zusammenarbeit der Nationalitäten, das Sprachenproblem, die Frage der Nationalitätcnkunde sowie die Aufstellung von Statuten des Verbandes der nationalen Minderheiten. Dr. Wilfan teilte mit, daß bei Aufstellung dieser Statuten neue Gruppen nicht aufgenommen werden konnten. Zum Schluß seiner mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede erklärte der Präsident, daß die Lösung des Minderheitsproblems für die Erhaltung und Festigung des europäischen Friedens von größter Bedeutung sei. Hierauf ergriffen die übrigen Mitglieder des leitenden Ausschusses das Wort. Der Kongreß ernannte sodann vier Kommissionen, die sich mit der Zusammenarbeit der Minderheiten, mit der Sprachenfrage, der Organisation des Verbandes und mit der Ausarbeitung der Statuten befassen. Schließlich wurde Professor Dr. Kartschinski (russische Gruppe) in den leitenden Ausschuß gewählt. Dr. Ammende (Reval) amtiert als Generalsekretär des Kongresses, der drei Tage dauern wird. Die zweite Vollsitzung des Kongresses beschäftigte sich mit der Frage des Verhältnisses von „Staatssouveränität und Minderheitsrecht“, über welches Thema Professor Sasersohn (jüdischer Vertreter Lettlands) Bericht erstattete. Aus der jüdischen Welt Tagung der deutschen Agudas Jisroel Berlin, 17. August. (JTA.) Am Sonntag, dem 14. August 1927 fand der diesjährige Delegiertentag des deutschen Gruppenverbandes der „Agudas Jisroel“ in Berlin statt. Die Tagung war trotz der Sommerferienzeit gut besucht. Sechzig Delegate von Ortsgruppen waren vertreten. Den Vormittag nahmen Sonderbesprechungen der Delegierten und eine Palästinakonferenz ein. Die eigentliche Tagung wurde am Nachmittag von Gottfried Goldschmidt (Halberstadt) eröffnet. 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