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Das jüdische Echo · 1927-08-26 · 34 (26.8.1927) · p. Seite 544

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
34 (26.8.1927)
Date
1927-08-26
Page
Seite 544 (sequence 8)
Language
German
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544 Das Jüdische Echo Nr. 34 heit zugekehrten, und einen die Arbeit der Zukunft und die künftige Politik bestimmenden. Zu der gelegentlich vorgeschlagenen Reform, die Generaldebatte ganz entfallen zu lassen, konnte sich die Exekutive nicht entschließen, doch ist eine wichtige Neuerung darin zu erblicken, daß schon am ersten Arbeitstage die Kommissionen eingesetzt werden und der zweite Arbeitstag gänzlich den Kommissionsberatungen gewidmet ist. Die wichtigste Neuerung aber besteht darin, daß die Generaldebatte nicht mit einem sogenannten Vertrauensvotum oder Decharge beendet wird, sondern daß an Stelle dieses sehr unglückseligen parlamentarischen Aktes die Wahl der neuen Exekutive treten soll. Sofern in diese neue Exekutive auch Mitglieder der abtretenden gewählt werden, kann diese Wahl wohl als vollwertiger Ersatz des Vertrauensvotums nach innen und nach außen gelten; man entgeht so der peinlichen Notwendigkeit, Formulierungen für die Decharge- Resolution zu suchen und mit allerlei Spitzfindigkeiten den Text für diesen oder jenen Teil der Kongreßmajorität akzeptabel zu machen. Ist die neue Exekutive — wünschenswert nach vorheriger Darlegung ihres Programmes — gewählt, dann kann der Kongreß viel sicherer und positiver arbeiten, kann die sachlichen Fragen in Ruhe behandeln, ohne die Klippe der Personalfragen fürchten zu müssen. Der zweite Teil der Tagesordnung sieht dann eine Reihe wichtiger Referate vor, die jedoch den Charakter von Vorträgen haben, an die sich, wie es scheint, keine Diskussion anschließen soll. Die Diskussionen werden vielmehr, soweit sie nicht in den Kommissionen beendet werden können, im Anschluß an die Berichte der Kommissionen stattfinden.“ Die jüdische Rechtsschutzkonferenz Zürich, 17. August. (JTA.) Die vom Komitee der jüdischen Delegation in Paris und vom Amerikanisch-Jüdischen Kongreß einberufene Konferenz zum Schutze der Rechte der jüdischen Minderheiten in den verschiedenen Ländern Europas wurde heute in Zürich in Anwesenheit von mehr als sechzig Teilnehmern aus den europäischen Ländern, den Vereinigten Staaten und aus Palästina feierlich eröffnet. Der Präsident des Komitees der jüdischen Delegationen, Leo Motzkin, begrüßte sehr warm die Erschienenen und unterstrich die historische Bedeutung dieser Tagung, deren Aufgabe es sei, einheitliche Richtlinien im Kampfe für den Schutz der jüdischen Minderheitsrechte aufzustellen. Nach Motzkin sprachen der Präsident des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses, Dr. Stephen S. Wise, der Vertreter der jüdischen Völkerbundsl>eutsche IXenwäsch^rei G.m.ft.H. FELIX KRAXI)\EK . MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23705 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden «nd Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Taee MODELLHAUS SOPHIE OELDENBERGER HAUS FÜR FEINSTE DAMENMODEN MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 40 TELEPHON 27168 liga in Palästina, Mossinson, der Vertreter der jüdischen Völkerbundsliga in Österreich, Oberrabbiner Professor Chajes, der Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation, Louis Lipsky. , Zu Präsidenten wurden Nahum bokolow, Leo Motzkin und Dr. Stephen S. Wise, zu Vizepräsidenten M. M. Ussischkin, Professor Chajes, Richter Hugo Pam, Max Steuer, Sejmdeputierter H. Farbstein, Richter Gustav Hartman und Professor S. Dübnow gewählt. In der Nachmittagssitzung hielt Professor Simon Dubnow seinen Vortrag über „Alter und neuer Kampf um die jüdische Emanzipation“. Früher galt der Kampf ausschließlich der Erlangung von bürgerlichen Rechten, die Nationalität wurde verleugnet; die russische demokratische Revolution des Jahres 1917 brachte die Magna Charta der nationalen Rechte. Jetzt freilich sind die Millionen Juden in Rußland ebenso rechtlos wie die übrige Bevölkerung. Die Anerkennung der jüdischen Minderheitsrechte in den Friedensverträgen bildet die letzte Form der Emanzipation. Neben dem parlamentarischen Kampf, fuhr Professor Dubnow fort, ist eine internationale Aktion notwendig. Die westeuropäische Assimilation lehnte die Konferenz ab, weil sie das Wort „Jüdisches Volk“ fürchtete. Die jüdischen Massen ihrerseits aber lehnen das Ansinnen ab, sie zu einer religiösen Gruppe zu stempeln. Er, Dubnow, sei überzeugt, daß die alte Assimilationspolitik bankrott machen und daß der nationale Gedanke siegen wird. Die junge Generation wird national sein. Dubnow glaubt fest an die Zukunft des Völkerbundes und hält darum die Schaffung einer Zentralinstanz für jüdische politische Aktionen für notwendig. Leo Motzkin hielt dann einen Vortrag über europäische Minderheitenpolitik. Zürich, 18. August. (JTA.) Der zweite Tag der Konferenz zum Schutze der Rechte der jüdischen Minderheiten begann mit einem Referat Dr. Zewi Abersons, des Genfer Vertreters des Komitees der jüdischen Delegationen, über das Selbstbestimmungsrecht der Minderheitsnationen. Während das Palästina-Mandat die jüdische Staatsidee verwirklicht, ist es in den Ländern der Diaspora notwendig, die jüdischen Minderheiten zu schützen und auf die Verwirklichung der internationalen Verträge hinzuarbeiten. Diese Verträge verwirklichen nur die Minderheitsforderungen der nationalen Minderheiten, es wird notwendig sein, eine Erweiterung dieser Rechte anzustreben. Gegenwärtig aber muß die Aktion auf der Basis der geltenden Rechte geführt werden. Professor W i s c h n i a k hielt dann einen Vortrag über die bei dem Völkerbund bei Behandlung der Petitionen der nationalen Minderheiten geübte Prozedur und gab seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß diese Prozedur sehr reformbedürftig sei. Dr. Margulies (Tschechoslowakei) referierte über die Zusammenarbeit mit den anderen Minderheitsnationen und den internationalen pazifistischen Organisationen und hob die besondere nationale Bedeutung einer solchen Zusammenarbeit hervor, die sich darin ausdrückt, daß diese Kreise das jüdische Volk anerkennen. Er referierte auch über die Rolle der Juden auf den Minderheitskongressen. Man trat darauf in die Generaldebatte ein, die sich bis in den späten Abend hinein erstreckte.

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