Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1927-08-26 · 34 (26.8.1927) · p. Seite 541

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
34 (26.8.1927)
Date
1927-08-26
Page
Seite 541 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103079-9156827--07953-9080689
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 34 Das Jüdische Echo 541 zu erkennen, und ebenso die Ursachen, die zu dieser Lage der Dinge geführt haben und keine Verschleierungs- und Vertuschungspolitik betreiben. Man braucht sich nicht zu scheuen, die Schwierigkeit der jetzigen Lage unumwunden zuzugeben. Was geschaffen, was erreicht wurde, ist noch groß genug, daß man sich der Fehler, die gemacht worden sind, nicht zu schämen braucht. Schlimm wäre es nur, wenn man aus den Fehlern nichts lernen wollte. Es gab kein Vorbild für die Arbeit, es gab nicht genügend Lehrmeister — anderseits hat das gute jüdische Herz manchmal zu unrationellem Handeln verleitet. Unser produktives Wollen, das uns von den Hilfsorganisationen schied, wurde durch Arbeitslosenhilfe vielfach unmöglich gemacht. Wir werden auch niemals ausschließlich nach rein rationellen Prinzipien handeln können, denn unser Aufbau ist mehr als die Lösung einer rein wirtschaftlichen Frage, es handelt sich um eine nationale Neugeburt mit kulturellen und mit sozialen Aufgaben. Nur dürfen anderseits diese nicht so überwuchern, daß daran die Wirtschaftlichkeit zugrunde geht. Mit Recht weißt Felix Weltsch in einem sehr gut „Der Engpaß“ überschriebenen Leitartikel der „Selbstwehr“ darauf hin: „Es ist im Grunde die alte unangenehme Weisheit, daß auch die Kultur eine gesättigte Menschheit, daher organisierte produktive Arbeit zur Voraussetzung hat; und daß auch Elan und Begeisterung schwinden, wenn der Magen allzusehr knurrt.“ Im selben Artikel sagt er: „Wir haben Schulgeld gezahlt; wir wissen genau, wo die Gefahr steht. Das Terrain ist uns bekannt, indem wir unseren Weg zu suchen haben.“ Hoffen wir, daß der Kongreß diesen Weg auch finden wird. Daß die bevorzugte Stellung der Landwirtschaft im Aufbauwerk beibehalten wird, darüber sind sich wohl alle Richtungen einig. Auseinander gehen die Meinungen indeß schon über die zu bevorzugenden Zweige der Landwirtschaft, über Art und vor allem Formen der Betätigung in ihr. Weiter gehen die Auffassungen auseinander, wie weit die Industrie der Förderung durch unsere organisatorischen Mittel bedarf und durchführbar ist, und wie weit die bisher sehr vermißte Förderung der Privatinitiative zu erfolgen hat, die Heranziehung privaten Kapitals. Das bisherige Werk ist auf seine sachliche Leistungsfähigkeit, seine wirtschaftliche Nationalität und auch auf die richtige persönliche Besetzung seiner Leiter nachzuprüfen. Die Bedeutung der von den aktiv arbeitenden Menschen des Aufbaus geschaffenen Organisationen wird noch einmal zu prüfen sein mit der Frage, wie weit eine Zusammenarbeit der Gesamtorganisation mit ihnen nötig und möglich ist, wie weit ihre Einordnung in unseren Gesamtorganismus erforderlich oder abzulehnen ist, wie weit ihnen Einflußname auf das Gesamtwerk zu gewähren ist. Es wird weiter zu erörtern sein, welche neuen Wege zur Beschaffung von Mitteln für den Aufbau eingeschlagen werden müssen, insbesondere auf dem Kreditwege durch wirkliche Anleihen, durch die künftige laufende Einnahmen nicht gefährdet werden, und wie anderseits die sichere Basis für den Kreditweg geschaffen wird. Man wird wohl auch Zusehen, wie man der sogenannten „Vertrauenskrise“ der Geldgeber, die Sicherheiten für rationelle Verwendung ihres Geldes wünschen, entgegenkommen muß und kann. Auch kulturelle Fragen dürften den Kongreß beschäftigen. So vor allem die Frage des Schulwesens. Zwei Fragen: 1. Werden wir etwa genötigt sein, aus Mangel an Mitteln vielleicht weil wir diese zu wirtschaftlichen Konsolidierungs- und Aufbauzwecken nötig brauchen, das gesamte Schulwerk der palästinischen Regierung auszuliefern? Es scheint eine gewisse Geneigtheit auf dieser Seite zu bestehen, uns das Schulwerk abzunehmen. Es würde alsdann voraussichtlich sehr vereinfacht, reduziert werden, vor allem das bisherige Drei-Parteienwesen darin sicher verschwinden. Und 2.: können wir uns bei weiterer eigener Verwaltung fernerhin den Luxus dieses Drei-Parteienwesens im Schulwerk leisten: 1. allgemeine Schulen, 2. die des Misrachi, 3. die der Arbeiterschaft? Weiter kommt hinzu die Frage des Sanitätswesens, des Verhältnisses zur Hadassah, die durch das neulich erfolgte Abkommen zwischen dieser und der zionistischen Organisation nicht gerade zur Befriedigung des palästinischen Jischuw und insbesondere der Ärzteschaft gelöst worden ist. Inwieweit prinzipielle Fragen, soweit sie nicht durch die schon berührten Probleme nebenher besprochen werden, auf dem Kongreß noch zur Erörterung werden kommen können, läßt sich vorher kaum sagen. Sehr wünschenswert scheint mir, daß auf dem Kongreß einmal die prinzipielle Frage zur Erörterung und Entscheidung käme des Verhältnisses von Diaspora-Zionismus und Palästina-Zionismus, der Frage, was ist wichtiger: Bewegung oder Ziel? und der sich daraus ergebenden Konsequenzen für unsere ganze zionistische Arbeit in der Galuth. Keiner neuen Erörterung bedarf dagegen, wie manche, allerdings L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpreislage: Mk. 180 - bis Mk.250- Kein Anzug über Mk. 280.- V__J

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.