Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 33 (19.8.1927)
- Date
- 1927-08-19
- Page
- Seite 525 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 525 Sie wird bestimmt einen neuen Abschnitt in der Landwirtschaft des nahen Ostens einleiten, sehr wahrscheinlich aber eine neue Epoche in der Kali- Industrie der ganzen Welt. Denn das Tote Meer hat die reichsten Kalilager der bekannten Erde — seine Erschließung kann unübersehbare Folgen nach sich ziehen. Was alles an der biblischen Stätte ruht, die Gottes Zorn einst in Pech und Schwefel verbrannte und deren Lasterhöhlen Sodom und Gomorha laut Aussagen des Augenzeugen Lot in den Fluten des Toten Meeres ertränkt wurden, läßt sich annähernd abschätzen. Das Pech der Bibel hat sich in Asphalt verwandelt und ruht auf dem Boden des bis 400 Meter tiefen Meeres. Der Schwefel wird von der modernen Wissenschaft als Erdgas angesprochen, und Standard Oil sowie Shell interessieren sich beide sehr, sehr lebhaft für das Vorhandensein von Petroleum an der einst fluchbeladenen Stätte. Aber — selbst wenn weder Petroleum noch Asphalt in nennenswerten Mengen bei den Versuchen zur Ausbeutung des Toten Meeres gewonnen werden sollten: die Salze, von denen man weiß, daß sie in keiner konzentrierten Lösung von 1:3 im Wasser des Bahr Lut, des Meeres des Lot, schwimmen, repräsentieren einen Schatz, demgegenüber die Diamantenfelder Südafrikas oder die Goldbergwerke des Ural an Geldwert verschwinden. Denn schließlich, Diamanten und Gold sind weniger verlangt, als... Dünger. Der ganze Weltbedarf an Kalisalzen kann auf Jahrhunderte hinaus vom Toten Meer gedeckt werden, sagen die Geologen und Ghemiker, die seit sieben Jahren das Tote Meer erforschen. Menge und Wert der Salze, die im Meerwasser des Binnensees zwischen Judäa und Ostjordanland gelöst sind, schätzt man auf: Pottasche 1 300 Mill. To., für 280 000 Mill. M.; Brom 853 Mill. To., für 100 000 Mill. M.; Natriumchlorid 11 900 Mill. To., für 200 Mill. M.; Gips 81 Mill. To., für 280 Mill. M.: Magnesiumchlorid 22 000 Mill. To., für 340 000 Mill. M. Soweit die englischen Angaben, Schätzungen, Hoffnungen... Tatsächlich ist diese Berechnung nur bis zu einem gewissen Grade praktisch verwertbar. Man kam zu diesen Ziffern, indem man die über 900 Quadratkilometer große Wasserfläche des Toten Meeres mit der Meerestiefe multiplizierte, daraus annähernd die Millionen Tonnen Wasser berechnete, die im Toten Meer liegen, und schließlich auf Grund der Durchschnittswerte der chemischen Analysen des Meerwassers ausrechnete, wieviel Millionen Tonnen der verschiedenen Salze in ihm erhalten seien. Eine andere Frage ist es, in welchem Tempo und mit welchen Kosten die chemisch reine Gewinnung der verschiedenen Salze aus diesem Meerwasser erfolgen kann. Die Auffassung, die man vor kurzem in englischen Zeitungen las, als ob nichts anderes zu tun wäre, als Meerwasser von der tatsächlich glühenden Hitze des Toten Meerbeckens zum Verdunsten bringen zu lassen, um dann die kostbaren Salze einfach von der Erde zu kratzen ist ein bißchen kindlich. Die Sonnenstrahlung wird vielleicht zum Betrieb von Sonnenmaschinen verwendet, eine gewisse Ersparnis an Heizstoffen Kohle oder Öl bedeuten, obwohl bis heute gar keine größeren Versuche zum Betrieb derartiger Sonnenmaschinen gemacht wurden — aber ein einfaches Ausdunsten von Meerwasser genügt nicht, um für die Industrie verwertbare Salze zu gewinnen. Es sind hierzu Fabriken nötig, die auf chemischem Wege die Salze scheiden und jedes einzelne gesondert gewinnen: mit einem Wort: Palästina muß eine chemische Industrie schaffen, ehe die Salzlager des Toten Meeres praktisch verwendet werden können. Es scheint trotzdem sicher, daß England versuchen wird, mit Hilfe des Toten Meeres das deutsch-französische Kalimonopol zu brechen, nachdem alle früheren derartigen Versuche gescheitert sind. Ob aber die rosigen Hoffnungen der offenbar inspirierten „Sunday Times“ und ihrer Genossen in Erfüllung gehen werden, ist eine andere Frage. Gewiß wird das Tote Meer imstande sein, Palästinas und Transjordaniens Landwirtschaft mit Düngemittel zum „Selbstkostenpreis“ zu versorgen, wie die Konzession verlangt — aber zur Sprengung des deutsch-französischen Kalimonopols ist doch noch ein weiter Weg. Jahre werden vergehen, ehe die Bahnlinien gebaut sind, die nötig sind, um das Kali an die Häfen des Mittelmeers und des Roten Meers heranzubringen, Jahre, ehe die chemischen Industrien in Palästina in Gang gebracht und die ersten Erfahrungen gesammelt sind. Und die deutsche Kali-Industrie hat ihre Betriebs- und Produktionsmittel abgeschrieben, während in Palästina erst ungeheure Summen angelegt werden müssen. L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpr eisla ge: Mk. 180 - bis Mk. 250- Kein Anzug über Mk. 280- V_-/