Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 33 (19.8.1927)
- Date
- 1927-08-19
- Page
- Seite 524 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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524 Nr. 33 Das Jüdische Echo Die Juden in der deutschen Hoch-Finanz Die „Verjudung“ ein Märchen In der soeben erschienenen Nummer 3 der vom Philo-Verlag in Berlin herausgegebenen Zweimonatschrift „Der Morgen“, stellt Hans Priester Betrachtungen über die Teilnahme der deutschen Juden am Geldmarkt an und kommt zu dem Resultat, daß man bei den maßgebenden Instituten von einem jüdischen Einfluß nicht sprechen kann. Die Aktienbanken werden von den Aktionären beherrscht; Hauptaktionäre sind Industrie und Handel. Geht man nach der Zugehörigkeit der Direktoren der einzelnen Banken und zieht daraus Schlüsse auf die „Verjudung“ der betreffenden Bank, so wird man mit Staunen feststellen, daß der Grad der „Verjudung“ außerordentlich gering ist. Bei der Deutschen Bank sind von acht Direktoren drei jüdischer Abstammung, bei der Disconto-Gesellschaft von den neun Geschäftsinhabern drei, und bei der Berliner Handelsgesellschaft von fünf Geschäftsinhabern drei, bei der Commerzbank von acht Direktoren zwei, bei Delbrück-Schickler von acht Inhabern einer, bei Bleichröder von sechs Inhabern keiner, bei der Mitteldeutschen Kreditbank von zwei Direktoren einer, bei Mendelssohn von sieben Inhabern drei, bei der Reichskredit- Gesellschaft von sieben Direktoren fünf, bei der Verkehrskreditbank von drei Direktoren einer, bei der Reichsbank und der Seehandlung sowie der Rentenbank-Kreditanstalt, der Girozentrale und der Preußenkasse keiner. Der Verfasser schließt: „Von einem Überwiegen des jüdischen Einflusses bei den am Geldmarkt maßgebenden Banken kann also wohl nicht gesprochen werden ... Die tatsächlichen Verhältnisse geben aber ein ganz anderes Bild. Der jüdische Einfluß, wenn man so sagen soll, ist äußerst gering. Jüdische Gelddisponenten finden wir nur bei der Reichskredit-Gesellschaft, der Commerzbank, wo ebenfalls zwei Disponenten, bei der Berliner Handelsgesellschaft, wo gleichfalls zwei Gelddisponenten sind, bei Bleichröder, der Mitteldeutschen Kreditbank und der Verkehrskreditbank, wo ebenfalls zwei Disponenten tätig sind. Bei den übrigen Instituten sind die Gelddisponenten „arischer“ Abstammung. Die beiden in Berlin tätigen Wechselmakler sind gleichfalls Nichtjuden. Der jüdische Einfluß auf dem deutschen Geldmarkt ist nur gering und steht in keinem Vergleich zu dem Einfluß der Nichtjuden. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, daß es eine Zeit gab, wo der deutsche Geldmarkt sehr stark unter jüdischem Einfluß stand. Das war zur Zeit der Stabilisierung, als Jakob Michael im Gegensatz zu der Auffassung der gesamten übrigen Bankiers an die Stabilisierung glaubte und in sehr großem Umfange am Geldmarkt Ausleihung vornahm. Die Mittel dazu verschaffte er sich, indem er sich zum Teil von seinen Sachwerten trennte und sie in Papiermark umwandelte und diese Gelder zur Ausleihung brachte. Diese Zeit dauerte aber nur relativ kurz. Heute spielt Jakob Michael auf dem Geldmarkt so gut wie gar keine Rolle. Deutsche Neuwäscherei G.m.b.H. FELIX BRANDNEft MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kraren, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Taee Der Bundestag des Jung-Jüdischen Wanderbundes 5687/1927 Der Bundestag des Jung-Jüdischen-Wanderbundes fand in diesem Jahre in Vöhl, Bezirk Kassel statt. Die äußeren Bedingungen für die Abhaltung des Bundestages waren sehr günstig. Die dortige Gemeinde stellte dem J. J. W. B. die neuerbaute Jugendherberge mit anschließendem Turnsaal zur Verfügung; außerdem waren Plätze für die Spiele in genügender Zahl vorhanden. Eröffnet wurde der Bundestag am 31. Juli abends mit einer Feier bei der hauptsächlich neue hebräische Lieder gesungen wurden. Im Mittelpunkt dieser Feier stand das Referat von Georg Lubinski, in dem er die gegenwärtige Situation des Bundes beleuchtete. Der nächste Tag wurde durch ein Referat von Mordechai Schattner über die gegenwärtige Lage Palästinas eingeleitet. Daraufhin zogen die Jüngeren auf den Sportplatz zum Spiel, während sich die Älteren in drei verschiedenen Arbeitsgemeinschaften über Fragen des Bundes unterhielten. Die Themen der Arbeitsgemeinschaften waren folgende: Die Jungführer befaßten sich mit den Problemen der Jüngerenerziehung. Die Palästina-Arbeitsgemeinschaft besprach die wirtschaftliche und politische Lage in Palästina und die Vorbereitung der Mitglieder des Bundes auf Palästina. Die Älteren-Arbeitsgemeinschaft unterhielt sich über die politische Stellung des Bundes im jüdischen und öffentlichen Leben. Am Abend erstatteten die einzelnen Führer der Arbeitsgemeinschaften vor dem gesamten Bundestag Bericht. Man beschäftigte sich an diesem Abend noch mit Fragen der weiteren Bundesarbeit, wobei besonders die Frage der Erziehungsformen und ihre Beziehung zum zionistisch-sozialistischen Inhalt des Bundes hervorzuheben ist; die Schaffung einer Jüngerenzeitschrift und der Plan eines Führerlagers im Winter 1927/1928. Der letzte Tag war den sportlichen Wettkämpfen und Spielen gewidmet. Nachmittags wurde der Film „Unsere Jugend in Erez Israel“, der vom Keren Hajessod zur Verfügung gestellt wurde, vorgeführt. Der Film löste helle Begeisterung aus, die sich noch steigerte, als Mitglieder des Jung- Jüdischen Wanderbundes bei ihrer Arbeit in Erez Israel im Film sichtbar wurden. Der Abend brachte eine Aufführung von „Jaacobs Traum“. Nach dieser Aufführung versammelte sich der gesamte Bundestag am Steinbruch, dem Orte der Schlußfeier. Ein großes Feuer beendete diesen Abend. Der Bundestag hat in seinem sachlichen Teil und in der Stimmung, die alle beherrschte, gezeigt, daß der J. J. W. B. sich in einer Periode der Erweiterung und der inneren Stärkung befindet. In die neue Bundesleitung wurden gewählt: Georg Lubinski, Mordechai Schattner und Alfred van der Walde. Sodom und Gomorra in Ziffern Von Dr. W o 1 f g a n g von W eis 1 . allernächster Zeit, voraussichtlich spätestens m den ersten Oktobertagen, wird die endgültige Entscheidung des Kolonialministeriums in London über die Vergebung der Konzession zur Ausbeutung der Mineralschätze des Toten Meeres fallen.