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Das jüdische Echo · 1927-08-05 · 31 (5.8.1927) · p. Seite 501

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
31 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 501 (sequence 13)
Language
German
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Das Jüdische Echo 501 ■ II iifi in tu j IM Feuilleton 11 II 1 lllllll ||| | Zum neunten Hv Als Gott sich dazu entschließen mußte, seinen heiligen Tempel zu Jerusalem von rohen Horden zerstören zu lassen, berief er die himmlischen Heerscharen und gebot ihnen: „Tröstet mich nicht, wenn ich weine um Israel, dessen Sündenmaß voll ist und das ich hinausschicken muß in die Verbannung. Ost und West, Süd und Nord habe ich zu mir befohlen und ihrem Schutze mein verstoßenes Volk anvertraut. Es soll wohnen in ihren Gemarkungen, ein Fremdling, aber einer, der die Heimat unentwegt im trauernden Herzen mit sich trägt. Arm an irdischen Schätzen, aber mit dem Reichtum seiner Thora schicke ich es unter die Völker, damit es sühne seine Missetaten durch den Geist des reinen Gottesglaubens, der in tiefster Seele auch dem letzten Sohne Israels eigen ist. Und nun gehe ich zur Erde, Seraphim, um meinem Volke einen Weggenossen für die schwere Wanderung ins Galuth zu suchen. Und Gott ging zur Erde; sinnend schritt er an dem Grabe seines Gesandten Moses vorbei zu den Grüften von Abraham, Isaak und Jakob. Aber er weckte sie nicht aus dem Schlafe— sie hatten das Volk geführt von Aufstieg zu Aufstieg. Jetzt, wo es tiefe Niederungen durchwandern sollte, brauchte es andere Führung. In Bethlehem, vor Rachels Grab blieb der Ewige stehen und pochte an die Pforte der Gruft. Da kam Rachel heraus ans Licht, aber ihre Augen waren so trübe vom Weinen um ihre Kinder, daß kein Sonnenstrahl sie erhellen konnte. Und ihr Schmerz vereinigte sich mit dem Kummer Gottes und floß im breiten Strome heiliger Trauer durch den Weltenraum. Und Gott begrenzte die tiefe Stille des Schmerzes. „Rachel, du treue Mutter Israels, erhebe dich und begleite deine Kinder in die Schrecken der Verbannung. Deine weichen Mutterhände werden ihr hartes Lager zum Daunenbette wandeln; durch das Dunkel ihrer Tage wird dein Mutterauge leuchten und so dunkel ist kein Schicksal, daß dieser Glanz es nicht erhellte. Die Worte aus deinem Munde, so zart und fein sie klingen, wird jedes deiner Kinder vernehmen, wo immer es auch wandle und sich daran aufrichten, wenn die Last der Unfreiheit es zu Boden drückt. Geh mit deinen Kindern Rachel!“ Rachel erhob sich aus ihrer Gruft und die Glorie, die ihr Haupt umstrahlte, war ein Abglanz von dem Strahlenglanze der göttlichen Majestät. „Vater, du hast mir Israel geschenkt und du ließest mich meine Kinder erziehen im Samte üppig grünender Wälder, in der buntgestickten Seide herrlicher Blumenwiesen. Wie in Spitzen aus Marmor gingen sie in ihren schneeweißen Häusern und auf den weichen Kissen des Wohllebens ruhten sie. Und nun soll ich, die Mutter, sie auf den dornigen Pfaden göttlicher Strafe begleiten? Zu schwach bin ich, Herr, als daß ich draußen in der Welt ihnen Stütze sein könnte. Laß mich hier bleiben in meinem Grabe und Wacht halten an der verflossenen Herrlichkeit meiner Kinder. Die verödeten Gemächer, die verdorrten Wiesen, den abgeholzten Wald laß mich behüten, auf daß ich sie umkleide mit dem Immergrün der Erinnerung. Mit ausgebreiteten Armen laß mich meiner Kinder harren und wenn du sie wieder heimkehren lassen wirst in ihr Land, dann will ich alle Schätze meines Mutterherzens vor ihnen ausbreiten und sie werden ihr Land wieder sehen, wie es war; in alter Pracht wird es den Heimkehrenden erblühen. Aber auf dem Wege in die Fremde kannst du nur ihr Führer sein, Ewiger, kein Engel, kein Seraph, kein Sohn der Erde. Nur du selbst, strafender, zürnender Vater mußt deine Kinder an der Hand nehmen, du selbst mußt ihnen das Geleite geben, damit du nicht verloren gehest in ihren irrenden Seelen. Und du selbst wirst sie einst, wenn die Zeit gekommen sein wird, zurückführen in meine Mutterarme. Bring meinen Kindern meinen Mutterkuß als Zehrung für den langen bangen Weg.“ Ihre zitternden Lippen berührten den Saum des göttlichen Gewandes und in diesem Augenblick empfingen alle Kinder Israels den heiligen Kuß der Zionsehnsucht, der heute noch auf ihren Gesichtern steht und ihre Züge wundersam verklärt. Der Ewige aber sprach zu Rachel: „Ich höre deine Worte, du Leidensreiche, weine nicht. Ich selbst werde deine Kinder durch das Dunkel der Jahrtausende führen und nur zwei meiner Himmelsboten nehme ich mit auf die Wanderung. Die verklärende Erinnerung und die siegverheißende Hoffnung. Kehre zurück in dein Grab Rachel. Nie sollen es die Schollen des Vergessens decken. Die Steine des Gedenkens, die deine Kinder ehrfurchtsvoll auf deine Ruhestätte legen, eh sie Abschied nehmen von ihrer Heimat, werde ich in Rosen verwandeln am Tage unserer Wiederkehr. Mit dem frischen Grün neusprießenden Lebens werde ich die Trümmerhaufen der Zerstörung umhüllen, die verdorrten Wiesen werden sich wieder in die leuchtende Pracht der Blumen kleiden und Vogelgesang wird aus den verjüngten Wäldern tönen. Aber jetzt Rachel, da ich so schweres Gericht halten muß über deine Kinder, laß mich hier an deinem Grabe weinen. Und kein Trostgesang der Himmlischen trockne meine Tränen. Die Erde des gelobten Landes sauge meine Zähren auf und bewahre sie in ihrem Innern. Und wenn deine Kinder wiederkehren, Rachel, werden meine Tränen diese Erde befruchten und das Land wieder zu einem Gan-Eden machen.“ Und Gottes Tränen flössen über die Erde von Erez Israel, und ihr Mutterschoß empfing in heiligem Erschauern den göttlichen Segen. Still reift in der Erde des gelobten Landes Israels glückliche Zukunft heran. JeHes Sehnen eines jüdischen Herzens, nach seiner alten Heimat gibt dem Zukunftskeime Nahrung und wenn alle jüdischen Herzen Zionssehnsucht nähren werden, dann ist die Zeit der Verbannung um und der Herr wird Rachels Kinder sammeln und zurückführen ins Haus der Mutter. In die Heimat, die ihrer harrt mit den offenen Armen ihrer Meeresbuchten mit den blinkenden Augen ihrer Seen, mit dem frohen Willkommgruß: „Schalom“. Minna Freund-Barsi. Deutsche Neuwäsch«» rei 6c. m.h.H. FELIX BRAXDNER * MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 21 o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr* 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage

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