Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 31 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 500 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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500 Nr 31 Das Jüdische Echo Panikstimmung. Schaden ist weiter nicht entstanden. — Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß dieses leichte Nachbeben ganz bedeutungslos war und fast gar keinen Schaden verursacht hat. Eine Synagoge und viele Häuser müssen abgetragen werden. — Arabischer Dank an Juden. — Traurige Lage der Samaritaner Jerusalem, 20. Juli. (JTA.) Die Synagoge „Schnei Luchot“ in der Altstadt von Jerusalem ist durch das Erdbeben so schwer baufällig geworden, daß sie aus Gründen der öffentlichen Sicherheit abgetragen werden mußte. An der Hebräischen Universität, die bekanntlich einen Schaden von LE 10 000 erlitt, sind die Ausbesserungsarbeiten bereits begonnen worden. Viele von Juden bewohnte Privathäuser der Altstadt mußten wegen Baufälligkeit abgetragen werden. „Falastin“, das offizielle Organ der palästinischarabischen Exekutive, übt scharfe Kritik an arabischen Führern und Institutionen wegen ihrer passiven Haltung bei der Hilfsarbeit für die Erdbeben-Opfer und spricht ihre höchste Achtung den Juden aus, die mit großen Geldsummen und mit persönlicher opfervoller Arbeit den Notleidenden zu Hilfe kommen, dabei aber — wie die Spende von Nathan Straus zum Ausdruck bringt — keinen Unterschied zwischen Religion und Rasse machen. Die Gesellschaft „Brith Schalom“, die für eine Annäherung zwischen Juden und Arabern tätig ist, hat an die Bürgermeister aller vom Erdbeben betroffenen Orte Beileidskundgebungen gesandt. Das Wohnviertel der Samaritaner in Nablus wurde vollständig zerstört. Die Samaritaner, die in Zelten wohnen, sehen dem kommenden Winter mit schwerster Sorge entgegen. Der Aufbau der 50 Häuser für die insgesamt 50 Familien würde 10 000 Pfund kosten; weitere 10 000 Pfund werden für den Erwerb von Boden u. a. m. benötigt. Eine Spende der Warschauer jüdischen Gemeinde Warschau, 27. Juli. (JTA.) Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Warschaus beschloß, für das Hilfswerk zugunsten der Geschädigten der Erdbeben-Katastrophe in Palästina 25 000 Zloty zu spenden. Die Repräsentanten der jüdisch-sozialistischen Partei „Bund“ enthielten sich der Stimme. Kleine Nachrichten Der über Deutschland hinaus bekannte Professor Dr. Carl Neuberg, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biochemie, beging am Freitag, dem 29. Juli, seinen 50. Geburtstag. Professor Neuberg ist Hauptvorstandsmitglied des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. UeberkingerSprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München Tel 20542 Ledererstr. 12 Am 5. August begeht der Direktor des Central- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Ludwig Holländer, seinen 50. Geburtstag. Dem am 2. Juli verstorbenen Kunst- und Literaturhistoriker Julius Elias wurde eine hohe Ehre zuteil. Gerhard Hauptmann, Artur Schnitzler, Max Liebermann, Max Slevogt, Käthe Kollwitz, Jean Renoir, Pierre Renoir, Rodo Pissaro, Ambroise Vollard, Tristan Bernard, Lugne- Poe, Sigurd Ibsen und Björn Björnson veröffentlichen in fast allen führenden europäischen Zeitungen einen ehrenden Nachruf. Am Sonntag, dem 24. Juli, wurde das neue Jugendheim der jüdischen Jugendverbände in Seesen eingeweiht. Im Rahmen des gegenwärtig in Danzig tagenden 19. Esperanto-Weltkongresses versammelten sich auch jüdische Esperantisten aus Polen, Frankreich und Deutschland. Es wurde u. a. die Bildung eines Verbandes jüdischer Esperantisten beschlossen. Der Schottländische Ständige Ausschuß des Unterhauses hat in seiner letzten Sitzung die Vorschriften über Betäubung der Tiere vor dem Schlachten angenommen, die nun für Schottland Gesetz geworden sind. Auf Antrag von Colonel Moore wurde eine Klausel angefügt, derzufolge die Vorschriften auf jene Tiere keine Anwendung finden, die nach jüdischem Ritus von Schächtern, die vom Oberrabbiner beglaubigt sind, geschächtet werden. Der berühmte englisch-jüdische Maler Solomon J. Solomon ist heute im Alter von 66 Jahren einem Herzschlag erlegen. In englischen Kunstkreisen hat die Trauerbotschaft einen tiefen Eindruck gemacht; die Presse widmet dem heimgegangenen großen Künstler eingehende Würdigungen. Einige transjordanische Scheiks haben bei der Palästina-Regierung Protest eingelegt gegen den angeblichen Beschluß Großbritanniens, das Gebiet von Hama in der Nähe von Samakh in Transjordanien Palästina einzuverleiben. In Palästina wurden eine Reihe weiterer Kommunistenausweisungen vorgenommen. Das polnische Generalkonsulat bittet uns um Veröffentlichung folgender Bekanntmachung: Am 18. Juli des Jahres tritt das polnisch-deutsche Abkommen in Kraft, auf Grund dessen sämtlichen Arbeitslosen polnischer Staatsangehörigkeit, die in Deutschland ständigen Wohnsitz haben, ein Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung in derselben Höhe und unter denselben Bedingungen wie den Reichsdeutschen zusteht. Die zur Zeit Arbeitslosen müssen sich zwecks Inanspruchnahme der Unterstützung spätestens innerhalb eines Monats vom Tage der Verkündigung dieses Übereinkommens im Reichsgesetzblatt, bei den zuständigen Behörden melden. Dieses Abkommen betrifft auch die geistigen Arbeiter, die sogenannten Kopfarbeiter. Hingegen sind von den Landarbeitern nur diejenigen unterstützungsberechtigt, die im Besitze eines sogenannten „Befreiungsscheines“ sind und die Erwerbslosenunterstützungsbeiträge abführen.