Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 31 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 497 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 497 Demgegenüber stellen wir fest: a) Die politische Lage ist nicht befriedigend. Wir stellen fest, daß keine einzige der im Mandat vorgesehenen Maßnahmen, durch welche die Mandatarmacht die jüdische Kolonisation fördern sollte, bisher zur Ausführung gelangt ist. b) Der Abgang Samuels erleichterte die Aufgaben der zionistischen Politik, jedoch nur unter der Vorausetzung, daß die zionistische Leitung sich dieser Aufgaben bewußt ist. Diese bestehen heute darin, die toten Buchstaben des Mandats zum Leben zu erwecken. Die Kolonisation Palästinas ist eine staatliche Aufgabe und kann ohne Mithilfe des Staates nicht gelöst werden. Diese Mithilfe müßte unter anderem bestehen: in rascher Vermessung des Landes, Steuererleichterung für die jungen Siedlungen, Beseitigung gewisser Paß- und Zollerschwerungen, freundlicher Behandlung der Immigranten, staatlicher Fürsorge für das jüdische Sanitäts- und Unterrichtswesen, staatliche Auskunftserteilung an jüdische Interessenten in Palästina und der Diaspora über alle Wirtschaftslagen, Regelung des Bahn- und Straßenbaus sowie der Verwaltungs-, Militär- und Polizeiangelegenheiten unter dem Gesichtspunkt, daß in Palästina ein jüdisches Gemeinwesen entstehen soll. Diese und andere Maßnahmen würden sich aus einem Kolonisationsplan ergeben, der gemeinsam von der Jewish Agency und der Landesverwaltung aufzustellen wäre. Die Mandatarmacht von der Richtigkeit und Notwendigkeit solchen Verhaltens und solcher Maßnahmen zu überzeugen, ist heute Aufgabe der zionistischen Politik. Wir fordern daher, daß die jetzige Leitung durch eine solche abgelöst wird, die im Sinne unseres Programms eine neue Ära politischer Arbeit einleitet. Wir behaupten, daß dies möglich ist, da die Mandatarmacht uns grundsätzlich wohlgesinnt ist, und in manchen Fällen bereits Entgegenkommen gezeigt hat. Wir protestieren gegen die verhängnisvolle Haltung der Leitung, die, um sich zu behaupten und ihre eigene Unfehlbarkeit zu beweisen, abwechselnd den Sachwalter arabischer oder angeblicher englischer Interessen spielt, weil sie nicht den Mut, die Einsicht und das Verantwortungsgefühl besitzen, Sachwalter der jüdischen Palästinainteressen zu. sein. Wir fordern den Rücktritt dieser Leitung, die völlig versagt hat, die in blinder Selbstzufriedenheit jede Kritik zurückweist und alle Schuld für den mangelnden Erfolg auf das jüdische Volk zu schieben sucht. Möge der Baseler Kongreß des Jahres 1927 eine neue Leitung schaffen, die die zerklüftete und entmutigte Zionistische Organisation wiederum eint und die sich als fähig und entschlossen erweist, die brennenden Fragen unserer Organisation, Wirtschaft und Politik im Geiste des wahren und unverfälschten Zionismus zu lösen! Wahlvorschlag Nr. 4: Zionisten-Revisionisten (angeschlossen der Weltwahlliste der Zionisten- Revisionisten, Kandidaten aus Deutschland: Richard Lichtheim (Berlin), Dr. S. E. Soskin (Tel- Awiw), Dr. Julius Brutzkus (Berlin), Redakteur Isai Klinoff (Berlin), Dr. Ernst Ettisch (Berlin), Dr. Paul Arnsberg (Frankfurt a. M.). Reichsliste * 1. Richard Lichtheim (Berlin), 2. Dr. S. E. Soskin (Tel-Awiw), 3. Dr. Julius Brutzkus (Berlin), 4. Dr. Hans Bloch (Berlin), 5. Dr. Ernst Ettisch (Berlin), 6. Leo Czeskis (Berlin), 7. Dr. Rudi Pick (Berlin), 8. Dr. Leo Jaffe (Berlin), 9. Dr. Emil Kauder (Berlin), 10. Max Baer (Berlin), 11. Dipl.-Ing. Aron Buch (Berlin). Wahlkreis II 1. Richard Lichtheim (Berlin), 2. Dr. E. S. Soskin (Tel-Awiw), 3. Dr. Paul Arnsberg (Frankfurt a. M.), 4. Leo Gold (Beuthen), 5, Dr. Rudi Pick (Berlin), 6. Redakteur Isai Klinoff (Berlin), 7. Moses Marcus (Frankfurt a. M.), 8. Max Baer (Berlin), 9. Dipl.-Ing. Aron Buch (Berlin). Das Wahlprogramm der radikalen Zionisten Die Vereinigung Radikaler Zionisten hat für die Wahlen zum 15. Zionistenkongresse die folgende Plattform angenommen: Die Vereinigung Radikaler Zionisten erblickt ihre vornehmste Aufgabe in dem Kampf für eine Erneuerung der zionistischen Bewegung und ihrer Rückkehr zu dem integralen Programm des Zionismus, das durch die Politik der Leitung in den letzten Jahren immer mehr seines Inhalts entleert worden ist. Aus diesem Grunde bekämpft sie die von der zionistischen Exekutive in den letzten Jahren geführte Politik der Liquidation, die innerjüdisch zu einem Friedensschluß um jeden Preis mit dem antizionistischen Judentum gelangen will, außenpolitisch wesentliche Forderungen aus dem Mandat überhaupt nicht oder ungenügend vertritt und in der Leitung der Kolonisation jedes klare und großzügige Programm vermissen läßt. Daraus ergeben sich für den 15. Kongreß folgende Forderungen, die das Wahlprogramm der Vereinigung Radikaler Zionisten bilden. 1. Abkehr von der bisherigen Agency - P o 1 i t i k und an ihrer Stelle Aufnahme von Verhandlungen zur Herbeiführung wirtschaftlicher und finanzieller Kooperation in Palästina mit nichtzionistischen Kreisen; Erweiterung des innerjüdischen Tätigkeitsgebietes der leitenden zionistischen Instanzen durch Schaffung von Ressorts für jüdische Gegenwartspolitik, Hebraisierung des Volkes und zielbewußte Jugendarbeit; Neubelebung der zionistischen Organisation, die zur Voraussetzung hat die Erweckung des Machtwillens der Zionisten und die Wiederaufnahme kämpferischer Auseinandersetzung mit dem antizionistischen Judentum. 2. Aktivierung der zionistischen Außenpolitik auf der Basis des unbedingten Festhaltens an dem Endziel einer jüdischen Majorität in Palästina und der Forderung an die Mandatsregierung nach einer aktiven Unterstützung unseres Kolonisationswerkes. Ausbau der politischen Exekutive, die mit mehreren vollverantwortlichen Mitgliedern besetzt sein muß, und Vergrößerung des politischen Apparates in England, Palästina und allen wichtigen politischen Zentren; Inangriffnahme der Vorarbeiten zur Verwirklichung einer jüdischen Nationalanleihe für Palästina. 3. Ausarbeitung eines klaren Kolonisationsprogramms für Palästina, bei wrel-