Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 31 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 496 (sequence 8)
- Language
- German
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496 Das Jüdische Echo Nr. 31 Programm der Revisionisten (Auszug) I. Betreffend die innerjüdische Politik des Zionismus. Die Leitung der Zionistischen Weltorganisation und ihre Anhängerschaft in Deutschland behauptet, daß die von ihr betriebene Politik der sogenannten „Erweiterung der Jewish Agency“ notwendig und nützlich gewesen sei, daß wichtige Erfolge erzielt worden seien und daß diese Politik der Zionistischen Organisation keinen Abbruch getan, sondern dieselbe gekräftigt habe. Demgegenüber stellen wir fest, a) daß die sogenannte „Erweiterung der Jewish Agency“ weder im § 4 des Mandats vorgesehen noch von den umworbenen jüdischen Kreisen und ebensowenig von der englischen Regierung jemals verlangt worden ist; b) daß diese Politik vor vier Jahren von dem Präsidenten der Zionistischen Organisation und seiner deutschen Gefolgschaft damit begründet wurde, daß die sofortige Beschaffung großer Geldmittel erforderlich sei, wobei der Anschein erweckt wurde, als ob die Durchführung dieser Politik nur vom guten Willen des zionistischen Kongresses abhinge; c) daß diese Politik bis heute völlig resultatlos geblieben ist, daß die Erweiterung der Agency nicht zustande gekommen ist und daß trotz der angeblichen Bereitschaft gewisser jüdischer Kreise keinerlei Mittel von diesen zur Verfügung gestellt wurden; d) daß die von der zionistischen Leitung — nicht von der Marshall-Gruppe — veranlaßte Entsendung einer sogenannten Expertenkommission offenbar dazu bestimmt ist, den vollständigen Mißerfolg der offiziellen Politik zu verschleiern und die Angelegenheit weiter zu verschleppen; e) daß diese Politik, wenn sie durchführbar wäre, schwere Gefahren in sich birgt, da sie die Zionistische Weltorganisation ihrer wichtigsten Aus unserer Abteilung Damenstrümpfe namnnctl’limnf Seidenflor, Doppelsohle und UulutSuMlIIllllll Hochferse, die solide Qualir tät, schwarz und farbig . . Ia Waschseide, allerfeinste klare Seide, in den neuesten Farben ........ DflinßDSlrBinDlpÄ%“H25 Damenslrumpl modernsten Farbtönen Tramaseide, ein extra feines Qewebe von bester Qualität hll in sämtlichen Modetönen .Ü«ÜU das Edelste in Waschseide, erstklassige Qualität in vielen Pastelftönen . . KREU-UCKO THEATINERSTRASSE 16 Funktion beraubt und damit den Verfall dieser Organisation herbeiführen müßte. f) daß diese Politik, völlig planlos und leichtfertig begonnen, seit vier Jahren die Zionistische Organisation erschüttert, ihr Ansehen geschädigt, kein Resultat erbracht und in Amerika zu einer schweren moralischen Niederlage des Zionismus geführt hat. Wir fordern daher; a) die Liquidierung dieser undurchdachten, gefährlichen Politik, b) die Aufstellung neuer, den tatsächlichen Verhältnissen im Judentum entsprechender Pläne, welche die Mitwirkung aller jüdischen Kreise am Aufbau Palästinas gemäß dem wirklichen Text des § 4 des Mandats und entsprechend den Wünschen aller Zionisten ermöglichen. Diese Mitwirkung soll sich vor allem auf das wirtschaftliche Gebiet erstrecken. II. Betreffend die Wirtschaftspolitik des Zionismus. Die Leitung behauptet, daß sie an dem mangelnden Erfolg unserer wirtschaftlichen Arbeit höchstens insoweit schuld sei, als sie während der vierten Alijah zu viele Einwanderer ins Land gelassen habe. Demgegenüber stellen wir fest, daß die vierte Alijah nur in sehr beschränktem Maße für die Erklärung der jetzigen Krise verantwortlich gemacht werden kann. Wir fordern, daß eine neue Leitung ein völlig anderes Wirtschaftssystem durchführt und betonen dabei, a) daß es sich nicht um einen Kampf gegen die Arbeiterschaft handelt. Soweit die Siedlungen und Unternehmungen der Arbeiterschaft reformbedürftig sind, muß die Reform in der vorsichtigsten und schonendsten Weise durchgeführt werden. b) daß das neue Wirtschaftssystem von dem Gedanken durchdrungen sein muß, daß Palästina nicht durch Geldsammlungen, sondern nur durch tätige Mitarbeit des jüdischen Volkes aufgebaut werden kann. Der Nationalfonds und der Keren Hajessod sind für manche Seiten der Arbeit von größter Bedeutung, der Aufbau Palästinas aber erfordert sowohl in der Industrie wie in der Landwirtschaft die Initiative von privaten und gemischt-wirtschaftlichen Gesellschaften und Unternehmungen, von einzelnen Personen und Gruppen, die auf ihre Verantwortung und ihr Risiko in Palästina arbeiten. Aufgabe der zionistischen Wirtschaftspolitik ist es, dieser Privatinitiative den Weg zu ebnen, und zwar durch die Schaffung von politischen und wirtschaftlichen Bedingungen, von Kreditinstituten und Auskunftsstellen, Organisierung des Absatzes und Beteiligung an Land- und Erschließungsgesellschaften, um das tätige Interesse weiter jüdischer Kreise mit Palästina zu verknüpfen. III. Auf dem Gebiete der äußeren Politik. Die Leitung behauptet, daß die politische Lage sehr befriedigend sei, daß alles von ihrer Seite geschehe, was politisch geschehen könne, daß bei den jetzigen politischen Bedingungen die Nationale Heimstätte in Palästina errichtet werden könne, wenn das jüdische Volk genügend Geld hergäbe und daß die Opposition kein politisches Verantwortungsgefühl besitze.