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Das jüdische Echo · 1927-08-05 · 31 (5.8.1927) · p. Seite 495

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
31 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 495 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 495 Äus dem Wahlaufruf des Misrachi Der XV. Zionistenkongreß wird am 30. August d. J. in Basel eröffnet. Auf ihm wird Richtung und Ausmaß der Palästina-Aufbauarbeit und der allgemeinen zionistischen Tätigkeit für die kommenden zwei Jahre festgelegt. Nie hat die Zionistische Organisation eine so ernste Krise durchgemacht wie seit dem letzten Wiener Kongreß, nie insbesondere hat Erez-Israel, seit der Aufbau des Landes im Mittelpunkte der zionistischen Tätigkeit steht, eine so ernste Erschütterung durchgemacht. Hier ist nicht der Ort, Schuld, Versagen und tragisches Geschick, für das keine zionistische Instanz verantwortlich gemacht werden kann, auseinanderzuhalten. Uns liegt jede Demagogie fern, und wir werden die Leitung keinesfalls für Dinge verantwortlich machen, die außerhalb ihres Machtbereiches liegen. Jedenfalls ist sie an der Entwicklung der Dinge in Polen seit 1925 gänzlich unschuldig. Die Leitung kann auch nicht zur Verantwortung dafür gezogen werden, daß das jüdische Volk, insbesondere außerhalb der zionistischen Reihen, sich vielfach den Pflichten gegenüber dem Aufbauwerk entzieht. Ist schon in Zeiten relativen Gelingens die Mitarbeit der jüdischen Gesamtheit in moralischer und finanzieller Beziehung unentbehrlich, so wird man gewiß sie jetzt fordern müssen, um die akute Notlage, die insbesondere in der großen Arbeitslosigkeit sich ausdrückt, aber auch durch den stockenden Fortschritt bezeichnet wird, zu überwinden. Der Jude des Galuth muß die Krise in Palästina als ein nationales Unglück, das auch seine Person in Mitleidenschaft zieht, empfinden, dann wird er seine Pflicht zu erfüllen wissen. Wir müssen aber auch die Fehler, die wir begangen haben, ausmerzen. Von den sachlichen Fehlern des Aufbaus und den politischen Unzulänglichkeiten abgesehen, erblicken wir in Mängeln geistiger, kultureller, sittlicher und religiöser Art Ursachen des Niederganges. Wäre die ganze Judenheit in Einheit und ehrlichen Willens an das Aufbauwerk unseres Landes herangetreten, wäre der Geist, der die nationale Bewegung unseres Volkes leitet, der Quelle allen jüdischen Denkens, der großen religiösen Tradition näher geblieben, niemals hätte die Krise im Aufbau unseres Landes solches Ausmaß angenommen. Uber die wirtschaftliche Seite des Aufbaus bestehen gegenwärtig zwischen den Forderungen des Misrachi und denen einer Reihe anderer Parteien keine wesentlichen Differenzen. Unser Programm hat Raum für Förderer verschiedener Wirtschaftsformen, solange sie im Einklang stehen mit den Normen, die unser Gesetz uns angibt. Ist doch der Misrachi in wirtschaftlicher Hinsicht ein zionistischer Mikrokosmos. Wir wünschen, daß der Aufbau nach sicheren wirtschaftlichen Grundsätzen, frei von doktrinären Theorien, frei von utopischen Plänen und unbegründeten Experimenten gestaltet wird. Man darf sagen, daß ein großer Teil der Versuche, das palästinische Wirtschaftsleben auf einer neuen Grundlage aufzubauen, die soziales Unrecht ausschließt, die jedem Ansiedler gleiche Möglichkeiten schafft und den Boden in den Besitz der Gesamtheit des Volkes gibt, als geglückt anzusehen ist, obgleich deren wirtschaftlicher Erfolg heute noch nicht in trockenen Zahlen ausgedrückt werden kann. Wir fordern, daß sich jetzt der soziale und wirtschaftliche Aufbau auch bewußt dem Geist anlehnt, und sich orientiert an den Ideen, die das jüdische Gesetz lehrt, daß dem Überwuchern fremder Elemente und Formen und der kritiklosen Übernahme aller möglichen politischen Lehren ein Ziel gesetzt, daß aus der jüdischen Einstellung zu sozialem Aufbau Konsequenzen gezogen werden, die auf die jüdische Struktur des individuellen Lebens rückwirken. Wir fordern einen Aufbau, der allen Juden die Möglichkeit gibt, an allen Orten des Landes zu leben, d. h. daß überall auch dem traditionstreuen Juden und seinen kulturellen und geistigen Anforderungen an das Leben Rechnung getragen wird. ' Die bei uns organisierte Arbeiterpartei Hapoel Hamisrachi hat gezeigt, daß die Grundsätze unserer Lehre auch heute noch zu vereinbaren sind mit den Postulaten, die der Aufbau in Erez- Israel stellt und die insbesondere für die ihn verwirklichenden Menschen gelten. Die Erfolge unserer Arbeiter weisen den Weg zur Gestaltung eines reinen jüdischen Lebens im jüdischen Lande. Die Bedeutung unseres Schul- und Erziehungswerks ist ständig im Wachsen begriffen, es findet heute auch bereits Anerkennung bei uns früher prinzipiell entgegenstehenden Kreisen und übt seinen Einfluß im ganzen Lande zur Stärkung des Thorageistes aus, da es zeigt, welch lebenstüchtige Menschen dies System hervorbringt. In dieser Richtung mit allen Kräften fortzufahren, ist eine der Hauptaufgaben des Misrachi. Die Zeit der Experimente muß vorbei sein, die harte Wirklichkeit fordert dies gebieterisch. Parteiprestige darf nicht mehr mitsprechen bei irgendwelchen Forderungen. Die Linke muß das Gute, auch wenn es baalebatisch ist, die Rechte muß das Gute, auch wenn es sozialistisch ist, anerkennen und mit durchführen: Zwei Forderungen haben wir an den XV. Kongreß: Aufbau in Übereinstimmung mit der jüdischen Überlieferung. Aufbau auf Grund wirtschaftlich erprobter Methoden. Wer diese Gedanken unterstützen will, übe sein Kongreßwahlrecht aus zugunsten der Misrachiliste! Wahlvorschlag Nr. 3: Misrachi (angeschlossen der Weltwahlliste des Misrachi, Kandidaten aus Deutschland: Prof. Dr. Adolf Fraenkel (Marburg), Dr. Simon Schereschewsky (Berlin). . . Reichsliste 1. Lazarus Barth (Berlin), 2. Dr. Israel Rabin (Breslau). Wahlkreis II 1. Rabbiner Dr. Jacob Hoffmann (Frankfurt a. M.), 2. Dr. Israel Rabin (Breslau), 3. Prof. Dr. Adolf Fraenkel (Marburg), 4. Jacob Schnelling (Köln), 5. Dr. Isaak Bamberger (Nürnberg), 6. J. B. Sachs (Leipzig), 7. Justizrat Dr. Emil Fränkel (München), 8. Benno Kohn (Frankfurt a. M.). I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostllmstlckereien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22 975

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