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Das jüdische Echo · 1927-07-29 · 30 (29.7.1927) · p. Seite 477

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
30 (29.7.1927)
Date
1927-07-29
Page
Seite 477 (sequence 5)
Language
German
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Blätterfürdie jüdische Frau 1927 München, 29. Juli Nr. 8 Die palästinensischen Aufgaben ausländischer Frauen Von Helene Hanna Thon In einem früheren Aufsatz war die Rede gewesen von der Aufgabe, welche die palästinensische Frau in der Gemeinschaft zu erfüllen hat. Es ist notwendig, sich auch einmal mit der Frage zu befassen, welches die Aufgaben der Frauen des Auslandes gegenüber dem Aufbau Palästinas sind. Es gab eine Zeit, in der es genügte, daß einzelne Frauen oder Gruppen, zu denen sich Frauen zusammenschlossen, sich irgendein Institut aussuchten, das in Palästina auf ihre Verantwortung hin errichtet werden sollte und für das sie nur Mittel aufbrachten, geeignete Kräfte suchten und gewisse Personen in Palästina zur Kontrolle veranlaßten. Vor — sagen wir 10 oder 15 Jahren — war eine andere Art des Arbeitens auch noch gar nicht möglich. Die aus nationalen Motiven nach Palästina gewanderte Bevölkerung war noch klein und hatte noch keine Möglichkeit gehabt, irgendwie zu einer einheitlichen Gesellschaft mit einem System der Kräfteverteilung zu verschmelzen. Besonders war damals die Zahl der wirklich verantwortlichen, das gesamte Aufbauwerk überblickenden Frauen in Palästina noch so klein, daß die Frauen im Auslande froh sein mußten, wenn sie überhaupt eine geeignete „Vertrauensdame“ in Palästina fanden. Die Vertrauensdame war damals das unentbehrliche Bindeglied zwischen dem geplanten Institut und der Frauengruppe im Auslande, die es zu schaffen gedachte. Auf ihren Rat hin wählte man die Arbeit aus, resp. teilte ihr die im Auslande getroffene Wahl mit; auf ihren Rat hin unternahm man die notwendigen Schritte zur Ausführung der Arbeit. Eine solche Arbeit, wenn durch sie auch gelegentlich wirklich wichtige Institute entstanden, ragte natürlich in nichts über den Charakter einfacher Wohltätigkeitsarbeit hinaus. Die einzige Organisation, welche diese Praxis verließ, weil sie sofort mit weitem Blick den Gang der Entwicklung voraussah, war die amerikanische „Hadassah“. Bei der Stärke und Wucht, mit der sie an die Organisierung der amerikanischen Frauen heranging, konnte sie es sich bald leisten, sich mit der Landesorganisation zu einem gemeinsamen Werk in Palästina zu verbinden, ohne in Gefahr zu stehen, von der Männerorganisation verschluckt zu werden. Dank ihrer Stärke konnte sie sich auch bald in Palästina eine Aufgabe wählen, die so umfassend war, daß sie mit der Tätigkeit anderer Frauenorganisationen gar nicht verglichen werden kann und sich nach ganz anderen Gesichtspunkten als denen reiner Frauenarbeit vollzieht. Inzwischen haben sich die Zeiten gewandelt, die . Gesellschaft in Palästina hat sich zu einer wirklichen Bevölkerung vergrößert, umfaßt Menschen der verschiedensten Gesellschaftsklassen und Bildungsgrade und hat bereits eine Fülle gerade derjenigen Kräfte aufgezogen, die im Auslande jahrelang in nationaler Palästinaarbeit tätig waren. Wenn diese Bevölkerung auch noch weit davon entfernt ist, einen wirklichen Volkscharakter ausgebildet zu haben, so hat sie doch immerhin schon die Kraft, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen, das Ziel einer Erfüllung dieser Bedürfnisse zu verfolgen und wenigstens den Beginn zu einer eigenen Organisierung in der Verfolgung dieses Zieles zu machen. Wenn Menschen des Auslandes unter dem Aufbau Palästinas mehr verstehen als die Anlegung von Siedlungen und die Entwicklung von Städten mit der Hilfe von ausländischem Kapital, wenn sie darunter verstehen: die Heranziehung einer neuen, autonomen jüdischen Gemeinschaft, — so müssen sie alles tun, um die Anfänge zur Selbstorganisation hier liebevoll zu studieren, zu ermutigen und zu stützen. Man kann sagen, daß diese Achtung vor dem inneren Werden Palästinas in der zionistischen Öffentlichkeit und ihrem Rahmen, der Zionistischen Organisation in hohem Maße vorhanden ist. Unmöglich sich einen zionistischen Kongreß vorzustellen, auf dem nicht alle Arbeitspläne aufs genaueste mit den Vertretern der palästinischen Bevölkerung durchberaten worden wären, unmöglich heutzutage ein Kongreß, auf dem — wie in den ersten Kindertagen des Zionismus — nur Juden aus den verschiedenen anderen Ländern nicht aber aus Palästina über das in Palästina zu Schaffende beraten: Vom ersten Augenblick an, in dem man in der Zionistischen Organisation vom Programm der rein politischen zionistischen Arbeit zu dem der praktischen Palästinaarbeit übergegangen ist, hat man im Auslande nichts zu bestimmen gewagt, was ganz ohne den Willen oder gar gegen den Willen der palästinischen Gesamtheit gegangen wäre. Nationale Frauenarbeit für Palästina sollte eigentlich jede Entwicklung mitmachen, welche der gesamte Palästinaaufbau durchmacht. Auch nationale Frauenarbeit für Palästina sollte allmählich von der Schaffung im Lande zu einem bestimmten System des Palästinaaufbaus übergehen. Nationale Frauenarbeit in Palästina sollte gleichfalls die Strömungen im Lande, den Grad der Entwicklung und Konsolidierung sorgfältig messen und' sich jeweils nach der erreichten Höhe der Selbständigkeit palästinischer Frauen richten. Was sehen wir statt dessen? Kaum eine einzige Frauengruppe des Auslandes hat bisher ernsthaft den Versuch gemacht, den palästinischen Willen kennenzulernen und zu befragen. Alle Frauenorganisationen, die im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gegründet wurden, haben genau dasselbe getan, was man vor 15 Jahren notgedrungen tun mußte: eine Gruppe von Frauen des Auslandes hat sich aus eigener Machtvollkommenheit zusammengeschlossen, hat sich aus eigener Machtvollkommenheit — bestenfalls nach Beratung mit dieser oder jener Bekannten in Palästina — ihr Programm gewählt und hat dann irgendeine Frau oder einige Frauen dort zu ihren Vertrauensdamen ernannt. Bei dieser Arbeitsweise, die bei der Aufstellung ihrer Pläne niemals die palästinischen Frauen nach ihren Wünschen und Meinungen fragt, konnte die groteske

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