Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 29 (22.7.1927)
- Date
- 1927-07-22
- Page
- Seite 465 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Das Jüdische Echo 465 2. Dr. Alfred Klee (Berlin), 3. Rechtsanwalt Max Jacobsohn (Breslau), 4. Dr. Meinhold Nußbaum (Nürnberg). Gottesdienst durch Rundfunk Eine interessante Eingabe Frankfurter Kreise an den Landesverband Frankfurt a. M., 15. Juli. (JTA.) Aus hiesigen jüdischen Kreisen ist an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden ein Antrag geleitet worden, die Frage zu prüfen, ob und inwieweit die Einrichtung des Rundfunks benutzt werden könne, um kleinen jüdischen Gemeinden, insbesondere den Landgemeinden und zerstreuten einzelnen jüdischen Familien in kleinen Orten, jüdische, insbesondere religiöse jüdische Anregung zu übermitteln durch Verbreitung von Vorträgen, Predigten, gottesdienstlichen Übungen, kantoralen Gesängen usw. Die Anregung wird in der nächsten Sitzung der Dezernentenkonferenz des Landesverbandes zur Sprache kommen. Die Würzburger Tagung der deutschen Studentenschaft — Der jüdischen Kriegsopfer wird nicht gedacht Würzburg, 17. Juli. (JTA.) Am 16. Juli traten die Vertreter der in der Deutschen Studentenschaft organisierten deutschen Studenten zum 10. Male zu einem Studententag zusammen. Die besondere Bedeutung der diesjährigen Tagung liegt darin, daß hier über die Zukunft der Deutschen Studentenschaft die endgültige Entscheidung fallen muß, ob sie rassevölkischer Kampfverein oder großdeutscher Kulturverband sein will. In der Eröffnungssitzung, die nachmittags in der Aula der Universität stattgefunden hat, sprach der junge Münchener Rechtsanwalt Dr. Edgar Jung als Auftakt zur Diskussion „Student und Staat“ über „Die geistige Wende“. Am 17. Juli, dem 2. Verhandlungstag, sprach der Würzburger Rektor Professor Dr. Schieck. Er ermahnte die Studenten zur Ruhe und Mäßigung, zur Bereitschaft von Verhandlungen und Verständigung. Es schloß sich die Weihe des Gefallenen-Gedenksteins der Deut-' sehen Studentenschaft an. Es marschierten 4000 Chargierte mit ihren Fahnen. Verschiedene Ansprachen wurden gehalten. Der Würzburger Bischof sprach für die katholische Kirche, ein evangelischer Dekan für die evangelische Kirche. Der jüdischen Studenten, die auch zahlreich im Kriege gefallen sind, wurde nicht gedacht. Die Kränze waren ausschließlich mit schwarz-weiß-roten Farbenschleifen geschmückt. Hinter den Kulissen werden die Bemühungen um eine Lösung des Studentenrechtskonflikts fortgesetzt. Tragischer Tod eines jungen Neustädter Juden — Von einem Hakenkreuzler über Bord geworfen Memel, 18. Juli. (JTA.) Auf dem Wasserwege zwischen Tilsit und Memel kam es auf dem Dampferverdeck zwischen einem Hakenkreuzler ,und dem 25jährigen aus Neustadt stammenden Juden Berkowitsch zu einem Streit, indem Berkowitsch eine antisemitische Beschimpfung zurückwies. Der Hakenkreuzler ergriff Berkowitsch und schleuderte ihn über Bord. Alle Versuche, dem Unglücklichen vom Schiffe aus Rettung zu bringen, mißlangen; Berkowitsch versank nach kurzer Zeit in den Fluten. Auf dem Schiff herrschte ungeheuere Empörung gegen den Mörder, der bei der Ankunft des Dampfers in Memel der dortigen Polizei übergeben wurde. Unter der Judenschaft Memels hat der Tod des jungen Jiiden, der zu Memeler Verwandten reiste, Trauer hervorgerufen. Antisemitische Hetze in Verbindung mit den Wiener Ereignissen Wien, 19. Juli. (JTA.) Die Ereignisse der letzten Tage in Wien haben auch jüdische Opfer gefordert. In Verbindung mit dem Freispruch der Hakenkreuzler, die in Schattendorf sozialdemokratische Arbeiter überfielen, einen töteten und mehrere verletzten, haben sich schwere Kämpfe zwischen der demonstrierenden Arbeiterschaft und der Polizei entsponnen, die nach den neuesten Mitteilungen 82 Tote und mehrere hundert Verwundete kosteten. Auf der Liste der Toten und Verwundeten stellt man etwa 3 Prozent jüdischer Namen fest. Es handelt sich vorwiegend um solche Juden, die zufällig von Geschoben getroffen worden sind. Es steht fest, daß bei der Demolierung des Reichspostgebäudes und des sogenannten „Antisemiten-Hofes“, wo sich die antisemitischen Verlagsdruckereien befinden, keinerlei Juden in Aktion traten, sondern daß das Zerstörungswerk von der erregten christlichen Arbeiterschaft vollführt wurde. Trotzdem zeigen sich jetzt die antisemitischen Agitatoren bemüht, der Bevölkerung einzureden, daß alles das „Werk der Juden“ gewesen sei. München, 19. Juli. (JTA.) Der „Völkische Beobachter“ läßt sich in einer Korrespondenz aus Wien berichten, daß der Arbeiteraufstand seitens der Juden von langer Hand vorbereitet war. Der Korrespondent schreibt u. a.: „Der in der Redaktion der „Arbeiterzeitung“ sitzende jüdische Generalstab hat die bolschewistische Revolution seit Jahren vorbereitet, und wäre diese gewiß auch gelungen, wenn der Wiener Arbeiter selbst revolutionär wäre, was er nicht ist.“ Zwei jüdische Abgeordnete und fünf jüdische Senatoren in Rumänien Bukarest, 18. Juli. (JTA.) In die rumänische Kammer werden nur zwei Juden, die auf der liberalen Liste gewählten Dr. Filderman und Dr. Straucher, einziehen. Die jüdischen Kandidaten auf den Listen der Nationalzaranisten und des Minoritätenblocks wurden nicht gewählt. In den Senat ziehen fünf Juden ein. In Belce (Beßarabien) wurde das Präsidiumsmitglied der Union rumänischer Juden, der Journalist Horia Karp, in Ardial (Transsylvanien) der Kandidat der Union Dr. Jacobi, in Czernowitz der frühere Bürgermeister Dr. Weißenberger, in Orhei (Beßarabien) der Präsident der Bukarester Jüdischen Gemeinde Eli Berkovici gewählt. Alle diese waren Kandidaten der Liberalen Partei. Der fünfte jüdische Senator ist der Landesrabbiner Dr. Niemi- Ueberkinger Sprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München Tel 20542 Ledererstr. 12