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Das jüdische Echo · 1927-07-08 · 27 (8.7.1927) · p. Seite 437

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
27 (8.7.1927)
Date
1927-07-08
Page
Seite 437 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 437 Hichler, Der Sohn des Moses Mautner. Das Buch will einen Einblick in das jüdische Wien um die Jahrhundertwende geben, indem es die Lebensschicksale eines jungen Mannes aus kleinbürgerlichem Milieu verfolgt. Der bisher unbekannte Verfasser schildert die „gute, alte Zeit“ mit ihren typischen Gestalten, die wir noch aus den Erzählungen unserer Großeltern kennen und die uns aus längst verklungenen Zeiten zu stammen scheinen. Neben der Darstellung der Schul- und Universitätszeit und besonders „der Lehr“ werden auch andere Vorgänge, z. B. die Kämpfe der sozialdemokratischen Bewegung in Budasest geschildert. Dem gezeichneten Milieu * sind Stil und Sprache angepaßt, und deshalb für die der Lokal- und Jargonausdrücke Unkundigen ein Wörterverzeichnis angefügt. Das gut ausgestattete Buch ist bei R. Löwit, Wien, erschienen (Preis broschiert RM. 3.50, geb. RM. 4.50). E. Rudolph Lothar: Zwischen drei Welten. Drei- Masken-Verlag. Eine Reise um das Mittelmeer kann sich literarisch nicht in einer Bildkette des Geschauten erschöpfen. So hat auch der Verfasser dieses Reisebuchs an all den Kunst- und Kulturstätten Rom, Olympia, Delphi, Konstantinopel, Jerusalem, den lebendig-ewigen Geist der Vergangenheit gefühlt und vor uns erstehen lassen. Daneben zeichnet er mit flotten Strichen die heuten Verhältnisse, ein provinzielles Athen, ein nachrevolutionäres Byzanz. Mit voller Anerkennung spricht der Verfasser über die jüdische Siedlungstätigkeit in Palästina. Ungerechtfertigt erscheint uns sein abfälliges Urteil über Kunstsinn und Phantasiebegabung der Juden; in Palästina die Ansätze einer nationalen Kunst zu vermissen und in diesem Umstand die Gefährdung einer bodenständigen Kultur zu erblicken, dürfte, wenn nicht falsch, so doch vollkommen verfrüht sein. — Eine Reihe guter, selbstgefertigter Aufnahmen verleihen dem Buch einen höheren Wert. E. S. Erna Arnhold: Was ich in Palästina sah? Verlag Ferdinand Hirt, Breslau' Auf ihrer Reise besuchte die Verfasserin alle heiligen Stätten Palästinas. Sie erzählt ausführlich vom Leben und Treiben der Araber, streift die Verhältnisse der verschiedenen christlichen Religionsparteien und weist schließlich hin auf die vielfachen Erfolge der jüdischen Kolonisation, die durch die zionistische Einwanderung gezeitigt wurden und die den anfänglichen Widerstand der eingesessenen Bevölkerung besänftigen mußten. Überall verfolgt sie kurz die Geschichte der Bewohner, besonders aber geht sie den an den Ort gebundenen biblischen Ereignissen nach, wie ihr überhaupt die Kenntnis der Bibel notwendig erscheint für das Verständnis Palästinas. Das Buch ist mit einer Reihe guter Aufnahmen ausgestattet. M. L. Im Juniheft der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“ führt Max Wiener seine Besprechung der Schriften der prophetischen Literatur zu Ende. J. Bergmann bringt zu einer Reihe jüdischer Volksbräuche anregende Parallelen aus dem Volksbrauch anderer Völker. E. Bickermann untersucht den Ursprung des Vorwurfs des Ritualmordes. G. Schwarz versucht zu zeigen, daß die König David in den Mund gelegten Ratschläge an seinen Nachfolger ihm zum Teil mit Unrecht zugeschrieben wurden, um für harte Urteile des jungen Salomo eine Rechtfertigung zu finden. Bürgermeister Anklam erzählt mit Unterstützung des Lehrers Wolf die Geschichte der jüdischen Gemeinde Aurich; B. Rosenthal führt in die Anfänge der Karlsruher Gemeindegeschichte ein. — Feuilleton Aus dem Tagebuch eines jüdischen Knaben Von Edmond Fleg* ...Ein Jude sein, gut... Aber wie ist man ein Jude? Um ein Christ zu sein, muß man glauben, daß Jesus in der Hostie ist, daß er Gott ist. Aber was muß man glauben, um ein Jude zu sein? Marietta hat mich das christliche Evangelium lesen lassen. Ich weiß, daß es ein jüdisches Evangelium gibt; man nennt es die Bibel. Papa hat so viele Bücher! Wie wäre es, wenn ich in seiner Bibliothek nachsehen würde? Am Donnertag nachmittag war Papa in seinem Komitee der Liga für Menschenrechte; Mama hatte ihr Quartett. Ich bin in die Bibliothek gegangen und habe gesucht. ... Wie soll ich es unter so vielen Büchern finden? Welche Unzahl Bücher, vom Boden bis zur Decke, an den vier Wänden! Da unten, diese ganz dicken Bände? Große Enzyklopädie ... Handbuch der Wissenschaften ... Allgemeine Geographie ... Nein, auf dieser Seite ist es nicht. Hier vielleicht? * Im Verlag R. Piper & Co., München, ist soeben Edmond Flegs Buch „Der kleine Prophet“ erschienen, von Mimi Zuckerkandl aus dem Französischen übertragen. Mit Erlaubnis des Verlages entnehmen wir dem Bekenntnisbuche, welches der Autor Israel Zangwill gewidmet hat und das den seelischen Zwiespalt eines assimilierten jüdischen Kindes behandelt, einige Abschnitte. Organische Chemie ... Differentialrechnung ... Telegraphie ... Optik ... Kosmographie ... Oder da? Die primitiven Völker... Französische Geschichte ... Englische Geschichte ... Polnische Geschichte ... Chinesische Geschichte ... Keine Geschichte Israels!... Also vielleicht höher oben, rechts? Cicero... Titus Livius ... Plutarch ... Homer ... Oder links? ... Shakespeare, , Balzac, Victor Hugo, Tolstoi, Calderon... Ich habe die große Leiter die vier Wände entlang geschoben; und auf den Fußspitzen stehend, bis zu den letzten Regalen, habe ich die Titel sämtlicher Einbände gelesen. Da gab es Bücher über Berge und Meere, über Feuer und Wasser, über Tiere und Pflanzen, über Kunst und Rechtswissenschaft, über Philosophie und Mythologie, über den Brahmanismus, den Konfuzianismus, den Mohammedanismus und das Christentum, über die Lappländer, über die Indianer, über die Neger!... Über die Juden: nichts. — Und Papa ist ein Jude! * Ich weiß jemand, der es mir erklären könnte. Ein Neuer in der Klasse. Er hat einen komischen Namen: Styrinowsky. Sämtliche Professoren haben ihn seinen Namen buchstabieren lassen, und alle haben ihn gefragt: „Sind sie Russe?“ Jedes-

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