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Das jüdische Echo · 1927-07-08 · 27 (8.7.1927) · p. Seite 438

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
27 (8.7.1927)
Date
1927-07-08
Page
Seite 438 (sequence 14)
Language
German
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438 Das Jüdische Echo Nr. 27 mal antwortete er mit Stolz: „Nein. Ich bin Jude aus Palästina.“ Der muße es wissen. Aber ich wage nicht, ihn auszufragen. Ich schäme mich. — Warum? Man singt hebräisch! Man betet hebräisch! Das Hebräische existiert noch! Und ich habe es nicht gewußt! Gestern, bei Onkel Jakobs Hochzeit, die große Synagoge ... Oh, sie sieht Nötre-Dame nicht ähnlich ... Wie hell ist es da drinnen!... Keine Bilder, keine Figuren!... Kein Halbdunkel, in das man flüchten kann... Und diese vielen geraden Bankreihen!... Die Herren behalten ihre Hüte auf!... Und niemand kniet!... Wir sind paarweise eingetreten. Welche Menge rechts und links! Gibt es denn so viele Juden in Paris? Und was für schöne Stimmen haben zur Orgel und zum Cello gesungen! Ich hatte die ganz kleine Schwester der kleinen Kahn am Arm: ich war Brautführer. Alle Leute haben uns angeschaut. Im Hintergrund, auf den Stufen, Lichter und Blumen: ein großer, roter Baldachin mit weißen Federbüschen. Und unter dem Baldachin, dieser Pfarrer mit einem Schal auf den Schultern!... „Das ist der Rabbiner,“ sagt die kleine Schwester, „er wird sie einsegnen.“ Wir sitzen. Der Rabbiner spricht. Was mag er sagen? Ich verstehe nichts. Jetzt wird gesammelt, ich sammle auch... Die Juden denken also auch an die Armen?... Da ist der Onkel Jakob mit seiner hübschen Frau. Sie trägt ein schönes weißes Tuch. Sie trinken aus einem Becher. Sie brechen das Glas; es klirrt. Warum? „Das ist in der Religion so,“ sagt die kleine Schwester. „Du kennst sie, diese Religion?“ „Ich muß! Es ist wegen Großpapa!... Wie er Papa und Mama quälen kann: das Fette und das Magere! Und der Schinken und der Versöhnungstag! Und wenn man am Samstag raucht! Und die Brith-Mila! Und Simons Bar-Mizwah! ...“ — „Wie? Was?“ — „Ja, die Bar-Mizwah, die erste Kommunion...“ Sie haben eine erste Kommunion! * Als ich Mama mitgeteilt habe, daß ich meine Bar-Mizwah machen will, habe ich ihr das Wort übersetzen müssen. Und als ich es übersetzt hatte, war sie nicht wenig erstaunt!... „Wo hast du das wieder her, mein Kind!... Dein Vater wird nicht erfreut sein!“ „Bitte ihn für mich, Mama, willst du? Ich traue mich nicht.“ Bei Tisch hat Mama davon gesprochen, als ob es ein Spaß wäre. Aber ich glaube, daß ihre Stimme dabei ein wenig gezittert hat. „Weißt du, was unser Kind sich seit Jakobs Trauung eingeredet hat?“ — „Er will Rabbiner werden? — „Noch nicht. Aber er will seine... wie sprichst du dieses Wort aus, Claude? — vorbereiten.“ „Bar-Mizwah.“ — „Was ist das?“ — „Die erste Kommunion der Israeliten.“ — „Das ist neu! Du, der du Pfadfinder werden wolltest! Das wäre mir lieber gewesen. Du könntest mich aber auf jeden Fall erst fragen!“ — „Das tue ich ja eben, Papa.“ Ich habe gefühlt,'daß ich errötete. Mein Kinn zitterte. Ich werde doch um alles in der Welt nicht weinen — in meinem Alter!... „Siehst du, liebe Freundin, dahin führen die Konzessionen. Dein Bruder hat es für gut befunden, unsere Überzeugungen zu verleugnen. Man schleppt dieses Kind in eine Synagoge. Zwei Takte Musik, drei Worte Hebräisch: und es verfällt dem Mystizismus!... Nun, wir wollen diese Neigung nicht unterdrücken: wir würden sie dadurch nur verstärken.“ — „Dann sagst du also ja, Papa?“ — Sein strenger Blick wird mit einem Male freundlich. Ich finde das gewisse Lächeln um seine Mundwinkel wieder: „Ja, ich habe ja gesagt, mein Sohn! Du wirst einen Religionslehrer brauchen? Gut. Ich werde dem Großpapa Kahn schreiben. Er wird uns seinen besten Bloch schicken. Du bist intelligent, ich bin beruhigt. Die Sehnsucht nach dem Ghetto wird dir schon vergehen.“ Gemeinden-u. Vereins-Echo Zionistische Ortsgruppe München. In der Münchener Zionistischen Ortsgruppe München sprach am Montag, dem 4. d. M., Herr Kurt Blumenfeld, der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in fast dreistündigen Darlegungen über „Kongreß und Palästina“. Der Vortrag, mit dem der Wahlkampf zum Kongreß eingeleitet wurde, berührte fast alle akuten Probleme der Zionistischen Bewegung und gab vor allem eine ausführliche Schilderung unb Erklärung der Krise in Palästina. Kurt Blumenfeld verteidigte die Politik Weizmanns in bezug auf Agency, Araberfrage und der Stellung zur Mandatarmacht: er entwickelte das Programm des sogenannten „linken Zentrums“ und forderte für die Palästinawirtschaft Konsolidierung und Stabilisierung. Er wandte sich; gegen den Illusionismus, von dem sich der Revisionismus Jabotinskyscher Prägung tragen läßt, und gegen die sinnlose Kritik der radikalen Zionisten, die immer noch gegen die vom XIV. Kongreß beschlossene Agencypolitik opponieren. Kurt Blumenfeld zeigte, daß die zionistische Bewegung sich gegen die Gleichsetzung von Zionismus und Palästinawirtschaft wehren müsse, die zu ihrer Banalisierung führe; der Zionismus müsse sich bei aller realistischen Erkenntnis auf seine geistigen Grundlagen besinnen. Die Ausführungen Blumenfelds fanden den Beifall der sehr interessierten Zuhörerschaft. Jüdischer Gesangverein München. Sonntag, den 10. d. M„ Treffpunkt aller Aktiven vormittags halb 9 Uhr am Haupteingang des Starnberger Bahnhofs zur Fahrt nach; Steinebach. Gesamtausschuß der Ostjuden. Berichtigung zum Ausweis in Nummer 25. Es muß heißen: Familie B. Zinn gratuliert herzlich zur Bar-Mizwah M. Engelhard und zur Verlobung Kornhauser-Lieber (uni. verspätet) M. 2.—. Sehr großes, elegantes Zimmer als BÜRO oder WOHN-SCHLAFZIMMER mit Bad, jetzt oder später zu vermieten. Neben der Technischen Hochschule, Theresienstraße 39 o links. Statt Karten OSKÄR LÄUFER DORÄ LÄUFER geb. Pollak Vermählte München Erhardstraße 28/o Wir laden alle Bekannte und Freunde für Samstag, den 16. Juli zum ein.

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