Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 27 (8.7.1927)
- Date
- 1927-07-08
- Page
- Seite 435 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Literarische Beilage Das Jüdische Buch in Palästina Von Dr. M. Robinson. Das geistige Zentrum des neuen jüdischen Lebens in Palästina ist ohne Zweifel die große Nationalbibliothek in Jerusalem. Sie ist das „Nationalheim“ des jüdischen Buches, das seit Tausenden von Jahren heimatlos im Exil herumgewandert ist und Verfolgungen erlitten hat zusammen mit dem Juden, seinem Schöpfer und Träger. Jedes Schiff, das Gesellschaften jüdischer Touristen und Chaluzim zu den Küsten Palästinas bringt, bringt auch Kisten mit jüdischen Büchern aus allen Teilen der Diaspora mit, die Schutz und Achtung im jüdischen Heimatland suchen. Ganze Gebäude in Jerusalem sind buchstäblich vollgestopft mit jüdischen, in allen zivilisierten Sprachen der Welt geschriebenen Büchern, und der geistige Strom ist in ständigem Steigen begriffen. Der Kern der Nationalbibliothek, der vor dem Weltkrieg von Dr. Joseph Chasanowitsch aus Bialystock geschaffen wurde, ist heute zu einer großen Schatzkammer des jüdischen Gedankens für alle Zeiten geworden. Hier findet man alles, was der jüdische Genius geschaffen hat, in Freuden sowohl wie in Kummer, seitdem die Juden ein Volk wurden und anfingen, selbst zu denken. Die Nationalbibliothek will sich jedoch nicht auf jüdisches Wissen beschränken, sondern will in ihrem Endziel und Interesse universal werden. Außer ihrem Grundstock jüdischer Bücher sammelt sie auch das Schönste aus der Literatur anderer zivilisierter Völker. Daher wird unsere zentrale Bibliothek eine reiche Schatzkammer der Weltkultur, ein Springquell des Geistes der neuen jüdischen Gemeinschaft in Palästina werden. Intellektuelle Kreise in der ganzen Welt haben die jüdische Nationalbibliothek offiziell anerkannt, ebenso wie sie die Errichtung des jüdischen Nationalheims anerkannt haben. Universitätsprofessoren, Schriftsteller und Philanthropen, Juden und Nichtjuden, bilden überall Komitees mit dem Zweck, Bücher und Gelder zu sammeln, sei es in England, Spanien, Polen, der Schweiz oder in Nord- und Südamerika. Estland sandte eiserne Gestelle für die Bücher, die Regierungen von England, Frankreich und Preußen haben große Büchersammlungen gespendet. Von besonderem Interesse ist der durch Professor Magrini (Italien) geschaffene Fonds, um eine besondere Abteilung für italienische Judaica einzurichten. Auch Deutschland ist mit Italien in Konkurrenz getreten und will eine ähnliche Abteilung in deutscher Sprache schaffen. Es scheint, daß die Intellektuellen der ganzen Welt sich bemühen, für ihre Sünden gegenüber dem jüdischen Buch in all den Jahrhunderten Buße zu tun, in denen sie es verfolgt und verstümmelt, verbrannt und vernichtet haben. Unter denen, die beim Aufbau des großen geistigen Zentrums mithelfen, befinden sich au,ch viele wohlhabende Juden. Geschäftige Gelehrte und energische Sammler, die fast ihr ganzes Leben damit verbracht haben, literarische Schöpfungen, die sich auf jeden Zweig menschlichen Denkens beziehen, zusammenzutragen, stellen oftmals ihre Schätze der Bibliothek zur Verfügung, nicht nur in ihren Testamenten, sondern manchmal schon zu Lebzeiten. Die Bibliothek besitzt gegenwärtig Antiquitäten, seltene und wenig bekannte Bücher, die von passionierten Bücherliebhabern während eines Zeitraums von vielen Jahren gesammelt worden sind. Man findet hier Bücher über jeden Gegenstand und in jeder Sprache. Werke über Kunst und die intellektuelle Nahrung der Nationen der Welt. Ein Herr Daoud aus London spendete kürzlich 1000 sehr seltene Manuskripte, die in Arabisch und Persisch geschrieben sind und sich mit Bibelforschung und orientalischer Philologie beschäftigen. Eine andere bedeutende Sammlung japanischer Bilder und Kunstwerke wurden testamentarisch von einer Dame der Bibliothek vermacht. Unsere Nationalbibliothek wird rasch ein Weltzentrum für Kunst und Literatur, und es wird eine Zeit kommen, wo Gelehrte und Forscher aus allen Ländern der Welt kommen werden, um aus der geistigen Quelle auf dem Zionsberge zu trinken. Die Bibliothek besitzt jetzt 130 000 Bände und wird bereits als größte jüdische Bibliothek der Welt angesehen. Es gibt Abteilungen für jüdische wissenschaftliche Literatur, arabische Literatur, Medizin, Mathematik und sogar eine für Esperanto. Im vorigen Jahr wurden von 45 000 Personen Bücher aus der Bibliothek entliehen. Der Lesesaal ist stets mit allen Arten von Leuten angefüllt, vom Zeitungskorrespondenten bis zum katholischen Priester, von Gelehrten, Studenten und den Lesern leichter Lektüre. 70 000 Personen besuchten im vorigen Jahre die Nachschlagräume, abgesehen von vielen Tausend Touristen und den nur neugierigen Besuchern. Die allgemeine Anerkennung, die man der Nationalbibliothek zollt, hat sie zu internationalem Ruhm gebracht. Auf einem Weltkongreß von Bibliothekaren, der kürzlich in Prag stattfand, wurde sie von Dr. Hugo Bergmann, ihrem Oberbibliothekar, vertreten, und dieser wurde zum Ehrenvorsitzenden des Kongresses gewählt. Hier wurde zum erstenmal vor einer Konferenz von Bibliothekaren eine Rede in hebräischer Sprache gehalten. Dr. Bergmann führte dem Kongreß ein neues System des Katalogisierens von „Judaica“ vor, das sowohl für ihn wie für die jüdische Heimstätte eine große Auszeichnung bedeutet. Die Nationalbibliothek steht auch in enger Verbindung mit den großen Bibliotheken in Leipzig und Kairo und war kürzlich auf der Konvention der amerikanischen Bibliotheks-Gesellschaft in Washington vertreten. Das Einzige, was der Bibliothek noch fehlt, ist ein passendes Gebäude. Ein solches wird jetzt neben der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg errichtet. Die Bibliothek liefert den Studenten und Fakultäten der Universität das erforderliche Nachschlagematerial. Der verstorbene David Wolffsohn hat einen Fonds zur Errichtung Deutsche INeuwäscherei ©. ui.h.H. FELIX BBANDWER * MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 2/o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 237OS Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kraren, Manschetten, Vorhemden und Oberhamden. Lieferzeit ca. 8Tage