Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 27 (8.7.1927)
- Date
- 1927-07-08
- Page
- Seite 430 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103079-9156820--07856-9080592- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
430 Das Jüdische Echo Nr. 27 Krise nicht mitgenommen, wie dies in einem Aufsatz der „Financial Times“ ausdrücklich hervorgehoben wird. Es wird für uns notwendig sein, aus gewissen Erfahrungen Nutzen zu ziehen und uns den Verhältnissen anzupassen. Die Grundlagen des Nationalheims sind unerschüttert. Die Basis des Nationalheims ist das Mandat. Wenn dieses auch nicht in allen Stücken von der Mandatarmacht erfüllt ist, so muß man zugeben, daß der Aufbau des Heims eine schwere Sache ist. Das jüdische Heim muß in einer Weise erbaut werden, daß keinem Araber ein Haar gekrümmt wird. Es hieße, die Grundidee des Zionismus fälschen, wenn wir auf Kosten arabischer Interessen arbeiten wollten. Die Interessen der Juden und der Araber müssen konform sein. Es geht deshalb das Werk nicht mit der Schnelligkeit vorwärts, wie unsere Ungeduld es fordert. Aber die Engländer werden von uns Ungeduld lernen müssen, wie wir von ihnen Geduld lernen. Eines steht fest: Es besteht auf seiten Englands die ehrliche Absicht, das Mandat durchzuführen. Jeder Zionist muß dieses Vertrauen besitzen. Eine große Nation wird ihr gegebenes Wort halten. Zum Schluß setzte sich der Redner mit den Gegnern des Zionismus auseinander und sprach von der großen kulturellen Perspektive des Jüdischen Nationalheims für den gesamten Osten. Morgen sind wir im Zentrum einer erwachenden Welt. Es werden dann auch die jüdischen Gegner überzeugt sein, daß unsere Sache eine gute ist. In Palästina machen die Juden zum erstenmal den Versuch, Verhältnisse zu schaffen, die sich ihnen anpassen, nicht denen sie sich anpassen müssen. Wir beziehen dort nicht die Beletage eines anderen Volkes, sondern legen den Grundstein zu einem eigenen Heim. Darum heischt das kleine Palästina größeres Interesse als z. B. die große jüdische Gemeinde in Neuyork, die fast zwei Millionen Juden vereinigt, eine Zahl, die wir in Palästina auch in vielen Jahrzehnten nicht erreichen werden. Wenn man einmal fragen wird: Was ist der Jude, was kann der Jude, so wird man auf Palästina zeigen, wo er ohne Machtmittel, ja ohne Geld, den Faden weiterzuspinnen sucht, der vor 2000 Jahren abgerissen wurde. Wenn das Deutsche Pro-Palästina-Komitee uns auf unserem schweren Wege begleitet, so werden wir dies nicht vergessen; wir werden uns dessen erinnern, daß die Besten dieses großen Landes mit uns waren. Nehmen Sie den Dank eines Schwerkämpfenden entgegen. (Anhaltender Beifall.) Der Vorsitzende Graf Bernstorff dankte Dr. Weizmann und schloß die Kundgebung mit den Worten: Wir werden weiter arbeiten und kämpfen, niemand zu leide, der Sache zur Freude. Private kaufmännische Kurse Fernruf 23699 j%|ll| Gegründet1879 RUDOLF DUKiK MÜNCHEN Inhaber und Leiter Diplom-Kaufmann R. Bürck. Jeden Monat beginnen neue Kurse. Beste Referenzen. Auskunft und Anmeldung Prinz-Ludwig-Str. Nr. 3/1, neben der Tonhalle Palästina vor der Mandatskommission des Völkerbundes Genf, 28. Juni. (JTA.) Die ständige Mandatskommission des Völkerbundes, die in ihrer jetzigen Session mit der Prüfung der Berichte der Mandatarmächte über die Verwaltung der Mandatsgebiete im Jahre 1926 beschäftigt ist, nahm heute den Bericht der britischen Regierung über das Mandat für Palästina und Transjordanien entgegen. Die mündlichen Erklärungen zu dem Bericht gab der Unterstaatssekretär im britischen Kolonialamt, Sir John Shuckburgh. Er ging ausführlich auf die Schwierigkeiten ein, mit denen die Durchführung des Mandates zu kämpfen hat. Die Lage in Palästina habe sich trotz des Widerstandes eines Teiles der arabischen Bevölkerung in den letzten Jahren bedeutend gebessert, ungeachtet der außergewöhnlich starken Verflechtung der Rassen und religiösen Richtungen in Palästina, und ungeachtet dessen, daß Palästina in religiöser Hinsicht für die verschiedenen Völker und Religionen große Bedeutung hat. Diese Verflechtung bringe es mit sich, daß unbedeutende Zwischenfälle, über die in anderen Ländern schnell zur Tagesordnung übergegangen wird, in Palästina zu umfangreichen Diskussionen und übertriebenen Kommentaren in der Presse führen. Aber auch in dieser Beziehung seien beachtenswerte Fortschritte erzielt worden, und besonders die Hauptbeteiligten, Juden und Araber, kommen einander in gegenseitiger Toleranz näher. Sir John Shuckburgh ging dann zur Schilderung der Verhältnisse in Transjordanien über und stellte fest, daß auf diesem Territorium die Bestimmungen über das Jüdische Nationalheim keine Anwendung finden, obwohl Tr ans jordanien zu dem Palästinamandat gehört. Dort ist das besondere Abkommen zu berücksichtigen, das England im Kriege mit den Arabern getroffen hat. Auch in diesem Teil des Mandatsterritoriums entwickelt sich die Lage in einer befriedigenden Weise. Die Mandatsmacht verfährt hier nach denselben Grundlinien wie im Irak. Die Mitglieder der Mandatskommission richteten an Sir John Shuckburgh verschiedene Fragen, die sich insbesondere auf die jüdische Gemeindeordnung in Palästina, auf die Präge der Zuteilung von Staats- und Brachland für Zwecke der jüdischen Kolonisation, auf die Immigrationsbedingungen und die gegenwärtig in Palästina herrschende Wirtschaftskrise, die eine Verringerung der Einwanderung und eine Vermehrung der Auswanderung zur Folge hat, bezogen. Sir John Shuckburgh beantwortete die Fragen. Genf, 1. Juli. (JTA.) Am Mittwoch, dem 29. Juni, setzte die Mandatskommission des Völkerbundes die Prüfung des Berichtes der britischen Regierung über die Verwaltung Palästinas und Transjordaniens im Jahre 1926 fort. Die Mitglieder der Kommission erbaten sich über verschiedene Punkte ergänzende Aufklärung, die ihnen von dem beglaubigten Vertreter der Mandatsregierung, Sir John Shuckburgh, gegeben wurde. Andere Fragen beantwortete Herr Mills, der Stellvertreter des Chefsekretärs der Palästina-Regierung. Genf, 1. Juli (JTA.) Die Mandatskommission des Völkerbundes hat am 30. Juni die Prüfung der Berichte über die Verwaltung Palästinas im Jahre 1926 beendet. An diesem Tage nahm sie noch den Bericht der Zionistischen Organisation über die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims im Jahre 1926/27 sowie die Petition der jüdisch-