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Das jüdische Echo · 1927-07-08 · 27 (8.7.1927) · p. Seite 429

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
27 (8.7.1927)
Date
1927-07-08
Page
Seite 429 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 429 Ein Werk wie dieses, ein Werk des Aufbaues und des Rechts, hebt mit einem Schlage alle Unterschiede auf. Jeder, der sich ihm aus der Ferne anschließt, empfängt ebenso viel, wie er gibt. Er wird der Verpflichtete derer, die er verpflichtet. Wo gibt es ein besseres Mittel, um Bande zu knüpfen von Mensch zu Mensch, von Land zu Land! Ich freue mich herzlich, daß diese Bande sich ankniipfenzwischenDeutschlandund Frankreich. ... Ich glaube, daß das neue jüdisch-nationale Heim in überraschender Weise eine Verwirklichung der nationalen Idee bieten wird, unerwartet, elastisch, subtil, schon infolge der Herkunft ihrer Bekenner durchdrungen von unendlich verschiedenen Tendenzen, die sich ergänzen werden; ferner durch sein politisches Regime, seine politische Lage, seine direkte Verbundenheit mit internationalen, ja interkontinentalen Vereinbarungen, von einer Geschmeidigkeit und einem Nutzen, den man noch gar nicht abzuschätzen vermag. Die Universität von Jerusalem, zwischen Orient und Occident stehend, wird sein leuchtendes Symbol sein! Gibt es einen besseren Gegenstand, bei welchem wir uns begegnen könnten? ... Unsere Aufgabe ist dieselbe, unsere Werkzeuge sind dieselben.“ Prof. Sellin hielt sodann dem verstorbenen berühmten Alttestamentler Prof. Hugo Gressmann, Direktor des Institutum Judaicum an der Berliner Universität, der eines der tätigsten Mitglieder des Pro-Palästina-Komitees war, einen tiefempfundenen Nachruf und schilderte, wie dieser große Gelehrte den Weg zur jüdischen Wissenschaft gefunden hat. Darauf nahm der Preußische Kultusminister Prof. D. Dr. Becker das Wort. Er sagte nach einer Begrüßung Dr. Weizmanns: Die Arbeit, der sich Herr Prof. Dr. Weizmann widmet, kann man von den verschiedensten Gesichtspunkten aus würdigen. Wir haben sie würdigen gehört von der Fragestellung des Völkerbundes aus, wir haben sie von der Seite des Orientalisten würdigen gehört. Auch ich bin von Hause aus Orientalist, und mir liegt in erster Reihe die kulturelle Seite am Herzen. Von früher Jugend auf hat mich die gewaltige ethische und religiöse Leistung des jüdischen Volkes beschäftigt. Die ganze Zielsetzung meines Lebens war bestimmt von den Erlebnissen, die ich beim Studium des Alten Testamentes empfing. Dann weiter hat mich immer das wunderbare Schicksal des jüdischen Volkes und des Judentums beschäftigt, so daß es mich auf das tiefste betroffen und innerlich bewegt hat, als ich Zeuge des gewaltigen neuen geistigen Regens werden konnte, das in der großen Bewegung zum Ausdrück kommt, die uns heute hier zusammengefunden hat; eine Bewegung, die so stark und von so gewaltigem Glauben getragen ist, daß sie sogar eine Sprache, die man als tot geglaubt, wieder zu einer lebendigen Sprache umgeschaffen hat. All das ist geschehen und möglich gewesen, ohne daß sich die geistigen Leiter und Träger des Unternehmens von den nationalen Kulturgemeinschaften lösten, in denen sie wurzelten. Sie taten das alles aus Ehrfurcht vor der großen Vergangenheit der jüdischen Idee. Wirtschaftlich, sozial, charitativ und kulturell ist die Aufgabe gewesen, die man in Angriff genommen hat, wahrlich, ich kann nur den größten Respekt vor dieser Leistung aussprechen. Gewiß, ich weiß, daß Meinungsverschiedenheiten bestehen, Meinungsverschiedenheiten besonders in jüdischen Kreisen. Aber wir leben in einem Land, wo man frei seine Meinung bekennen kann, wo Toleranz besteht, eine Toleranz, die selbstverständlicherweise nur aufgebaut sein kann auf dem Glauben an die Anständigkeit des andern. Im politischen Leben, im Leben der Welt ist es nun einmal so, daß Spannungen bestehen zwischen Idee und Praxis, Spannungen zwischen Idealismus und Politik. Aber wir wollen uns doch alle darin zusammenfinden, daß niemand den andern verdächtigen oder verketzern darf, weil er eine andere Meinung hat. Es handelt sich um ein Werk und um eine Idee, zu der jüdische Kräfte der ganzen Welt sich zusammengefunden haben. Möge auch die Palästinaarbeit zu ihrem Teil der Zusammenarbeit der Völker dienen und damit dem gegenwärtigen Verstehen. Der nächste Redner, Rabbiner Dr. Baeck, Präsident des Rabbinerverbandes und Großpräsident des deutschen U.O.B.B., beklagte, daß dem Eifer in der gegenseitigen Bekämpfung nicht gleich ist der Eifer, einander zu helfen. Er sprach von der Schöpferkraft der großen Idee. Wenn der menschliche Gedanke sich mit der Erde vermählt, dann ist die Erde größer geworden. Helft, so schloß er, die Erde erweitern. Die Schriftführerin des Pro-Palästina-Komitees, Frau Kardorff-Oheimb, sagte, sie kam aus innerem Bedürfnis zu dieser Bewegung. Sie begründete eingehend, warum sie und viele ihrer Rasse und Abkunft, sich diesem Werk zur Verfügung stellen und nannte es eine phantastische Dummheit, die Juden nicht in die Reihe der Nationen aufzunehmen. Die Rednerin würdigte sodann die Persönlichkeit Dr. Weizmanns und stellte fest, daß er einen großen Teil seiner wissenschaftlichen Erziehung in Deutschland genossen hat. Sie appellierte an die deutschen Frauen, die wissen, daß sechs Millionen Deutsche von ihrer Heimat getrennt sind, für den Aufbau Palästinas als Heimat der Juden einzutreten. Durch sehr starken, langandauernden Applaus begrüßt, begann nun Dr. Weizmann seine großangelegte Rede über die Ziele des Zionismus. Es sei ihm eine besondere Freude, sagte er, an einer Veranstaltung des Deutschen Pro-Palästina-Komitees, dem so viele illustre Persönlichkeiten angehören, teilzunehmen. Deutschsprechende Männer waren es, die die moderne zionistische Bewegung schufen. Aus Deutschland kam eine auserlesene Jugend nach Palästina. Die Beziehungen zwischen Deutschland und dem modernen Palästina sind so mannigfaltige und viele, daß Sie alle genau über die Entwicklung orientiert sind. Sie wissen, daß wir nach einer Krise in Palästina schwer mitgenommen sind. Die Ursache war eine plötzliche starke Immigration infolge der Verhältnisse in Osteuropa. Es ist eine Frage der Zeit und schwerer Leiden, diese Krise zu lösen. Es bestehen Möglichkeiten, die Krise in nächster Zeit zu lindern: Ruthenbergs Elektrifizierungswerk, die Anleihe der Palästina- Regierung, die zu einem großen Teil für Bauten, besonders für Hafenanlage, verwendet wird, werden viele jetzt Arbeitslose beschäftigen. Hauptsächlich aber kommt die Einwanderung von Privatkapital in Betracht. Es ist darum die Aufgabe der leitenden zionistischen Kreise, solches Privatkapital heranzuziehen. Die Landwirtschaft und ein Teil der Industrie wurden von der

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