Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 27 (8.7.1927)
- Date
- 1927-07-08
- Page
- Seite 431 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 431 aschkenasischen Gemeinde Jerusalems über die Frage der jüdischen Gemeindeordnung entgegen. Wie es in der offiziellen Mitteilung heißt, wird die Kommission ihre Bemerkungen zu den Berichten und Petitionen dem Völkerbundsrate unterbreiten. Wie der Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur erfährt, hat Frau Wickseil, die Vertreterin Hollands in der Mandatskommission, die die Berichterstattung über die Petition der aschkenasischen Gemeinde Jerusalems (Agudas Jisroel) inne hat, vorgeschlagen, die Erörterung über diese Petition so lange zu verschieben, bis die neue jüdische Gemeindeordnung in Palästina in Kraft getreten ist. Bekanntlich ist der Text der Gemeindeordnung bisher noch nicht veröffentlicht worden. Die Mandatskommission des Völkerbundes mit der Ernennung eines deutschen Mitglieds einverstanden Genf, 5. Juli. (JTA.) Die Mandatskommission des Völkerbundes hat zu Händen des Völkerbundsrates die Erklärung abgegeben, daß sie keine Einsprüche gegen die Ernennung eines weiteren Mitgliedes der Mandatskommission erhebe, und daß sie auch nichts dagegen habe, daß dieses Mitglied reichsdeutscher Nationalität sei. Diese Ansichtsäußerung der Kommission wird in Völkerbundskreisen im allgemeinen mit Genugtuung aufgenommen. Der Völkerbundsrat wird vorsichtlich in der kommenden Septembersession ein deutsches Mitglied ernennen. Für den Posten eines deutschen Mitglieds der Mandatskommission kommt der gewesene Kolonial-Gouverneur und jetziges volksparteiliches Reichstagsmitglied Dr. Heinrich Schnee in Betracht. Äus dem bayerischen Verband Am Sonntag, dem 3. Juli, fand in Nürnberg eine gemeinsame Sitzung des Rats und des Ständigen Ausschusses unter Zuziehung der Mitglieder des Verfassungsausschusses statt. Die Tagung brachte den Abschluß der Beratungen über die Mustersatzungen, die auch für die kleineren, mittleren und größeren Gemeinden zur Annahme gelangten. Über die Hauptdifferenzpunkte hatte man sich bereits in den Fürther Vorberatungen und den inzwischen abgehaltenen Sitzungen des Rats und des Verfassungsausschusses geeinigt, so daß sich die Debatte auf wenige grundsätzliche Auseinandersetzungen beschränken konnte. Vor allem war das Verhältnis zwischen Rabbiner und Gemeinde nochmals Gegenstand einer lebhaften Aussprache; jedoch fand schließlich die bereits vom Rat angenommene Kompromißlösung auch hier die Zustimmung der weit überwiegenden Mehrheit. Hiernach ist in den Mustersatzungen für die sämtlichen Gemeinden festgelegt, daß in religiösen Fragen die Entscheidung des zuständigen Rabbiners maßgebend ist, daß jedoch der Gemeinde ein Einspruchsrecht zusteht und daß über einen solchen Einspruch der religiöse Hauptausschuß jener Richtung entscheidet, der vom Rabbiner bezeichnet wird oder der ein für allemal vertraglich zwischen Gemeinde und Rabbiner festgelegt ist. Bei Meinungsverschiedenheiten darüber, ob eine Frage religiösen Charakter trägt oder nicht, entscheidet nach Anhörung der Rabbinerkonferenz das Präsidium des Verbandes. Hiermit dürfte ein Weg gefunden sein, auf dem praktisch das sehr schwierige Problem der Verbindung geistlicher und weltlicher Macht in der Gemeinde einwandfrei und reibungslos gelöst werden kann. Die Mustersatzungen sollen bekanntlich keinen obligatorischen Charakter tragen, sondern es soll den einzelnen Gemeinden freigestellt sein, ob sie die Satzungen einführen; es ist jedoch zu erwarten, daß ein großer Teil der Gemeinden des Landes die Satzungen einführen wird. Die endgültige Feststellung des Textes der Satzungen wurde dem Rat überlassen; die Sitzung des Rats beschäftigte sich noch mit der Schächtfrage, ferner mit einigen anderen, minder wichtigen Dingen. Aus der jüdischen Welt Die Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde bestätigt Berlin, 4. Juli. (JTA.) Der Polizeipräsident von Berlin hat den Bescheid ergehen lassen, daß den gegen die Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde, die am 16. Mai 1926 stattgefunden haben, erhobenen Protesten nicht stattgegeben wurde und daß das Wahlergebnis somit die amtliche Bestätigung erhält. Durch diesen Bescheid ist der seit fast 14 Monaten schwebende Zustand, der der Gemeinde in ihren Arbeiten hinderlich war, beendet; der Konstituierung der neuen Repräsentantenversammlung und der Wahl eines neuen Vorstandes steht nichts mehr im Wege. Dennoch werden, wie verlautet, Konstituierung und Vorstandswahl in den Ferienmonaten, da viele Repräsentanten nicht in Berlin weilen, nicht vorgenommen werden können. Man wird sich bemühen, eine formale Sitzung der neuen Repräsentantenversammlung, eine sogenannte Verpflichtungsversammlung, stattfinden zu lassen, wenn die notwendige Teilnehmerzahl von mindestens 11 Repräsentanten zustandegebracht werden würde. Die neue Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde setzt sich aus 10 Mitgliedern der liberalen Vereinigung (Rechtsanwalt Heinrich Stern, Frau Bertha Falkenberg, Prof. Moritz Türk, Moritz Rosenthal, Wilhelm Marcus, Rechtsanwalt D. J. L. Seligsohn, Emil Pincus, Studiendirektor Dr. Joseph Gutmann, Dr. S. London, und dem an Stelle des verstorbenen Justizrats Hugo Sonnenfeld in der Liste aufrückenden Stadtrat Herzberg), 7 Vertretern der Jüdischen Volkspartei (Rechtsanwalt und Notar Dr. Alfred Klee, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Oberregierungsrat Hans Goslar, Markus Hornstein, Dr. Arthur Rau, Gustav Lößer, Lina Wagner-Tauber), 2 Vertretern der Mittelpartei (Rabbiner Dr. S. Weiße, Geheimer Sanitätsrat Dr. Julius Stern), 1 Vertreter der Konservativen (Moritz A. Loeb), 1 Vertreter der Poale Zion (Dr. Oskar Cohn) zusammen. In der bisherigen Repräsentantenversammlung besaßen die Liberalen mit ihren 11 Vertretern die Mehrheit; ihnen stand eine Minderheit von 10 Volksparteilern und Konservativen gegenüber. Der Vorstand setzte sich aus 4 Liberalen und 3 Vertretern der Oppositionsparteien zusammen. Da in der neuen Repräsentantenversammlung Volksparteiler, Mittelparteiler, Konservative und Poale Zion sich mit insgesamt 11 Sitzen gegenüber 10 liberalen Repräsentanten in der Mehrheit sind, so wird wohl auch in der Zusammensetzung des Vorstandes eine Änderung der Kräfteverhältnisse vor sich gehen. Bekanntlich haben die Liberalen seit 70 Jahren