Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 27 (8.7.1927)
- Date
- 1927-07-08
- Page
- Seite 428 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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428 Das Jüdische Echo Nr. 27 aufbau ein großes soziales Werk und deshalb wollen wir uns an demselben in eifriger Weise betätigen. Es gehört ja mit zu den Aufgaben der Mandatskommission, von der in letzter Zeit viel die Rede gewesen ist, und infolgedessen wird es mit in unseren Aufgabenkreis kommen. Ich möchte noch einige kurze Bemerkungen über den gegenwärtigen Stand der Sache machen. Zur Zeit herrscht in Palästina eine wirtschaftliche Krise. Der Hauptgrund liegt in einer zu starken Zuwanderung der letzten Jahre. Hierdurch konnten viele Einwanderer nicht nutzbringende Beschäftigung finden, und die Arbeitslosigkeit ist gleich wie in Europa groß. Erstaunlicherweise ist trotzdem eine gewisse Gesundung in den Handelsverhältnissen im Ausgleich des Exports und Imports eingetreten. Der Export ist vor allem durch den Versand der Orangen gestiegen, der Import ist ein wenig zurückgegangen. Am Import nach Palästina ist Deutschland stark beteiligt; abgesehen von den Nachbarländern Aegypten und Syrien nimmt es den ersten Platz hinter England ein, hat es sogar in einigen Monaten des Vorjahres übertroffen. Das Pro-Palästina-Komitee kann naturgemäß den Aufbau Palästinas nur mittelbar fördern. Denn dieser hängt von der tätigen Anteilnahme der Juden in der ganzen Welt ab. Das Komitee sieht aber mit Genugtuung, daß das Interesse für die Palästinasache überall in der Welt wächst, am meisten in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo, wie mir berichtet wird, führende jüdische Kreise in letzter Zeit ihre aktive Mitarbeit zugesagt haben. Das große Werk des Friedens verdient, vom moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Standpunkt aus auch in Deutschland gefördert zu werden. Diese Meinung verbreitet sich mehr und mehr, und so können wir mit Genugtuung feststellen, daß sich das Pro-Palästina-Komitee gut entwickelt und viele neue Freunde geworben hat. Mehrere seiner Mitglieder waren in den letzten Monaten in Palästina und sind tief beeindruckt von dem jüdischen Anteil an dem Palästinaaufbau zurückgekehrt. Es ist nicht einzusehen, warum durch jüdische Besiedlung Palästinas staatsrechtliche Schwierigkeiten für die Juden in anderen Ländern bestehen sollten. Die Juden in der Diaspora werden weiter Bürger ihrer Länder bleiben, und niemand wird, wie es ja erst letzthin der Herr preußische Kultusminister ausgesprochen hat — es ihnen nachtragen, wenn sie gleichzeitig der Siedlung Palästinas Sympathie, Interesse und Beihilfe widmen. Viele der in Palästina angesiedelten Juden werden, um beim Aufbau des Landes tatkräftig mitzuwirken und den ihnen gebührenden Einfluß in der Landesverwaltung zu nehmen, Staatsangehörige Palästinas werden. Dem Komitee konnte es nicht entgehen, daß in Teilen der deutschen Judenheit gerade wegen dieser Frage, aber auch anderer Momente wegen, Bedenken bestehen; das Pro- Palästina-Komitee legt aber besonderen Wert darauf, auch heute wiederum zu erklären, daß wir uns von allen internen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Judenheit, fernhalten wollen. Nach wie vor sind wir der Überzeugung, daß die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas im allgemeinwirtschaftlichen wie allgemein-politischen Interesse liegt. Das Komitee wird daher auch weiterhin bemüht bleiben, das sympathische Interesse der deutschen Öffentlichkeit für den Palästinaaufbäu wachzurufen und zu erhalten. (Beifall.) Der Herr Reichskanzler hat in einem Schreiben mitgeteilt, daß er zu seinem lebhaften Bedauern nicht in der Lage war, unserer Einladung zu folgen, da er bereits anderweit zugesagt hatte. Er sendet uns für unsere Veranstaltung besonders freundschaftliche Wünsche. (Beifall.) Graf Bernstorff verlas sodann ein Begrüßungsschreiben von Justin Godart, ehemaligen französischen Ministers und Präsidenten des Komitees „France-Palestine“. In dem Schreiben heißt es u. a.: „Herr Präsident, ich hätte gewünscht, der Kundgebung vom 27. Juni persönlich unsere Grüße überbringen zu können. Aber dringende Geschäfte machen mir und meinen Kollegen diese angenehme Aufgabe leider unmöglich. Jedenfalls freue ich mich, Ihnen sagen zu können, daß wir Ihre Einladung als einen Auftakt zu den Beziehungen betrachten, die dazu dienen sollen, das deutsche Pro-Palästina-Komitee u n d das Komitee „France-Palestine“ enger zusammenzuschließen. Der Gedanke der Humanität und Gerechtigkeit, von welchem das neue Leben im jüdischen Palästina seine Nahrung empfängt, der Geist des Liberalismus und der Glaube, von dem dieses junge Land beseelt ist, wo bis dahin nur Ruinen standen, und dem nun entschlossene Menschen einen Sinn und ein Schicksal zu geben sich zugeschworen haben: welcher ernste Mann, der die Bedeutung und die Verpflichtungen der modernen Gesellschaft kennt, welcher anständige Mensch von heute kann diesem Geschehen gleichgültig gegenüberstehen? L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpr eislage: Mk. 180.- bis Mk. 250.- Kein Anzug über Mk. 280.- _J V