Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 27 (8.7.1927)
- Date
- 1927-07-08
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 27 8. Juli 14. Jahrgang Deutsche Politiker über den Zionismus Kundgebung des Pro-Palästina-Komitees — Deutschland und Frankreich für Palästina Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß die deutsche Öffentlichkeit Verständnis für den Zionismus und den Aufbau Palästinas hat — die letzte Versammlung des Pro-Palästina-Komitees, die anläßlich der Anwesenheit Dr. Weizmanns am Mittwoch, 29. Juni, in Berlin abgehalten wurde, hätte ihn erbracht. Die Kundgebung des Pro-Palästina-Komitees hat auch endgültig die zumal von der Frankfurter Zeitung mit besonderem Nachdruck aufgestellte und wiederholte Behauptung widerlegt, die deutsche Regierung und die Mitglieder des Komitees seien von den Zionisten falsch oder ungenügend informiert worden, sie seien in naiver Gutgläubigkeit auf den zionistischen Schwindel hereingefallen und hätten sich die Konsequenzen ihrer Haltung nicht überlegt. Graf Bernstorff, der Vorsitzende des Komitees, berührte in seiner Ansprache sowohl die Probleme der Krise in Palästina, als das Verhältnis von Zionismus und Staatsbürgertum und der preußische Minister für Volksbildung Dr. Becker sprach erneut aus, daß er in zionistischer Betätigung keine Beeinträchtigung der staatsbürgerlichen Stellung erblicken könne. Wer sich die Mühe macht, die Reden dieser bedeutenden deutschen Staatsmänner nachzulesen, wird finden, daß sie beide in objektiver und außerordentlich vornehmer Weise, von wahrhaft humanistischem und liberalem Geiste getragen, zionistische Grundideen dargelegt haben. Es ist dem Zionismus gelungen, Freunde zu erwerben, sich und dem jüdischen Volk und nicht nur in Deutschland. Man darf in dem Brief des früheren französischen Ministers Justin Godart, den Graf Bernstorff verlesen konnte, ein bemerkenswertes Symptom für die völkerverbindende Kraft des Zionismus sehen — Deutschland und Frankreich reichen sich die Hände, um gemeinsam an einem großen Werke mitzuarbeiten. Dieser Brief zeigt, daß es auch in Frankreich Menschen gibt, die für die Ziele des Zionismus aktiv einzutreten gewillt sind, ohne davon Vorteile zu haben, die sich lediglich von der Größe der zionistischen Idee zu ihrem Schritte bewegen lassen. Diese Kundgebung verdient Beachtung in höchstem Maße: sie veranschaulicht die Wirkung des Zionismus auf unvoreingenommene und idealistisch gesinnte Menschen, sie reinigt die jüdische Atmosphäre; sie ehrt nicht nur den Zionismus, der sich solche Freunde ohne jede Scheu vor der Öffentlichkeit, ohne Verschleierung, ohne ängstliche Anpassung zu erwerben gewußt hat; sie ehrt auch das geistige, das neue Deutschland, dessen Repräsentanten sich zu dieser Kundgebung vereinten. I.E. Der Verlauf der Kundgebung Berlin, 28. Juni. (JTA.) Aus Anlaß der Anwesenheit Dr. Chaim Weizmanns, des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, in Berlin veranstaltete das Deutsche Komitee Pro Palästina im Sitzungssaal des früheren Herrenhauses eine Kundgebung. Unter den Erschienenen bemerkte man Graf Bernstorff, Kultusminister Becker, Staatssekretär v. Schubert, Staatssekretär Dr. Pünder, Geheimrat Sellin, Direktor Oskar Wassermann, Albert Einstein, Regierungspräsident Hausmann, Prof. Aereboe, Dirigent des Auswärtigen Amtes Freiherr v. Richthofen, Legationsrat Prof. Dr. M. Sobernheim, Herr v. Kardorff und Frau v. Kardorff-Oheimb, Rabbiner Dr. Baeck, Vizepräsident von Ostpreußen Dr. Herbst, Ministerialdirektor Badt, Ministerialrat Hans Goslar, Dr. Bernhard Kahn, Staatssekretär Dr. Weismann u. v. a. Der Präsident des Pro-Palästina-Komitees, Graf Bernstorff, der die Kundgebung leitete, hieß die Erschienenen, die den Saal füllten, herzlich willkommen und begrüßte besonders die Vertreter des Reiches und des preußischen Staates, sowie Dr. Weizmann. Er verlas das bekannte Programm des Pro-Palästina-Komitees und fuhr dann fort: Wenn ich heute die Ehre habe, hier den Vorsitz zu führen, so liegt das wohl an der historischen Entwicklung unseres Pro-Palästina-Komitees. Das Pro-Palästina-Komitee ist bereits einmal im Jahre 1918 gegründet worden. Es hat nachher seine Tätigkeit infolge der Ereignisse eingestellt, die Ihnen allen bekannt sind. Als das Pro-Palästina-Komitee zum ersten Male gegründet wurde, war ich Botschafter in Konstantinopel und habe dort die Verhandlungen geführt, die zu dem gleichen Ergebnis von unserem Standpunkt aus führen sollten, das wir heute in dem Palästinamandat vor uns sehen. Dadurch bin ich mit den Kreisen in Berührung gekommen, die sich für diese Aufgabe interessieren, und dadurch ist mir wohl die Ehre zuteil geworden, daß ich heute hier vor Ihnen stehe und zum Vorsitzenden des Pro-Palästina-Komitees gewählt worden bin. Ich habe neulich im Reichstag zur Frage des Völkerbundes gesprochen und möchte hier nochmals betonen, daß wir alle, die wir uns für die Arbeit im Völkerbund interessieren, der Ansicht sind, daß wir Deutschen uns nicht nur darauf beschränken dürfen, innerhalb des Völkerbundes deutsche Interessen zu vertreten, sondern daß es wegen der innigen Verbundenheit aller unserer Bestrebungen mit der Bestrebung des Völkerbundes unsere Aufgabe ist, auch im allgemeinen an allen Arbeiten des Völkerbundes teilzunehmen, und daß wif alle diese Aufgabe vom sittlichen Standpunkt aus betrachten müssen und dazu beitragen, daß der Völkerbund wirklich zu einer lebendigen tätigen Organisation wird. Wir sehen in dem Palästina-