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Das jüdische Echo · 1927-07-01 · 26 (1.7.1927) · p. Seite 417

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
26 (1.7.1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 417 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 417 I Y i Eine Aussprache im Münchener Stadtrat über die Vergebung von Aufträgen an jüdische Firmen Aus der jüdischen Welt Kundgebung des Pro-Palästina-Komitees Weizmann in Berlin München, 23. Juni (JTA.) Im Hauptausschuß des Münchener Stadtrates kam es bei der Besprechung über die Vergebung einiger Aufträge von seiten der Stadt zu einer bemerkenswerten Aussprache. Der völkische Stadtrat Fiehler hatte gegen die Vergebung aus dem Grunde protestiert, weil man eine Anzahl jüdischer Firmen berücksichtigt habe, „nachdem wir genug deutsche Firmen haben“. Ihm antworteten sofort der zweite Bürgermeister Münchens, Dr. Küfner, und Stadtrat Dr. Jodlbauer (Bayr. Volksp.). Dr. Küfner führte aus: „...Der Jude zahlt bei uns so gut seine Steuern wie' jeder andere. (Stadtrat Fiehler: Dann braucht man bloß zu 1 Prozent, aber nicht zu 10 Prozent jüdische Firmen berücksichtigen, wenn man auf diesem Standpunkt steht.) Das kommt ganz darauf an, wie die Zuschläge sich kalkulieren. Wenn wir schon auf dem Standpunkt stehen, daß jeder Gewerbetreibende, der seine Steuern zahlt, einen gewissen Anspruch darauf hat, daß er nach Recht und Gerechtigkeit berücksichtigt wird, dann möchte ich das bei den jüdischen Firmen nicht missen. Wir haben eine ganze Menge Juden — das möchte ich immer wieder betonen —, die insbesondere auf dem Gebiete der Wohltätigkeit schon recht viel getan haben. (Stadtrat Lutz: Sehr richtig!)...“ Stadtrat Dr. Jodlbauer (Bayerische Volkspartei): „Ich möchte die Ausführungen des Herrn Bürgermeisters Dr. Küfner mit Nachdruck unterstreichen. Ich halte es schon im Interesse der Stadt für im höchsten Grade bedenklich, daß, wenn bei einer Submission ein jüdisch anklingendeir Name auftaucht, dies sofort eine Antisemitendebatte auslöst, oder daß zum wenigsten unschöne Anspielungen und hämische Bemerkungen gemacht werden. Das geht aber meines Erachtens nicht an. Der Jude ist ebensogut unser Mitbürger wie der Ghrist. (Stadtrat Fiehler: Leider!) Das mag Ihre private Ansicht sein, das ändert aber nichts an der in der Religionsfreiheit begründeten Tatsache. Ich sehe auch gar keinen Grund ein, den israelitischen Mitbürger niedriger zu werten als den christlichen. Ich kenne viele Israeliten, die ich in sittlicher Beziehung und hinsichtlich ihrer Geschäftsmoral höher einschätze als manchen Christen. Stadtrat Fiehler versuchte seinen Standpunkt noch einmal zur Geltung zu bringen. Dies gab dem zweiten Bürgermeister Dr. Küfner Anlaß zu einer Bemerkung grundsätzlicher Art. Er sagte: „Solche Debatten haben nach meiner Auffassung gar keinen Sinn, sondern schaden uns wirtschaftlich. Ich meine, es ist ganz gut, wenn hier einmal zum Ausdruck gebracht wird, daß diese Stellungnahme gegenüber den Juden die Auffassung einer bestimmten einzelnen Gruppe hier ist, mit der die übrigen Fraktionen des Stadtrates nicht einverstanden sind. ...Wenn-man die deutschen Staatsbürger nach dem Charakter aufnehmen und nicht aufnehmen wollte, wäre ich begierig, was dabei herauskäme.“' Am 27. Juni 1927 fand im Saal des ehemaligen preußischen Herrenhauses eine große Kundgebung des Pro-Palästina-Komitees statt. Saal und Galerie waren überfüllt. Die Versammlung wurde eröffnet durch eine Ansprache des Vorsitzenden des Komitees, Graf Bernstorff, der die Ziele und das Programm des Komitees darlegte. Geheimrat Professor Sellin hielt einen Nachruf für das verstorbene Mitglied des Präsidiums Professor Greßmann. Hierauf sprachen Kultusminister Dr. Becker und Rabbiner Dr. Baeck. Frau Katharina von Kardorff-Oheimb würdigte die Persönlichkeit Dr. Weizmanns. Schließlich nahm Dr. Weizmann das Wort, um in längerer Rede die politischen und geistigen Grundgedanken des Zionismus zu entwickeln. Der Veranstaltung sind eine ganze Reihe von Begrüßungsschreiben zugegangen, darunter auch ein Schreiben des Reichskanzlers. Einen ausführlichen Brief sandte der Präsident des französischen Comites „France-Palestine“, Exminister Justin Godart. In dem Briefe wird auf die Gemeinsamkeit der Ziele beider Komitees hingewiesen und die völkerverbindende Wirkung des Palästinagedankens betont. Sitzung des Landesvorstandes der deutschen Zionisten Berlin, 23. Juni. (JTA.) In diesen Tagen wurde in Berlin eine Sitzung des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland abgehalten. Von den 40 Mitgliedern waren 35 anwesend. Es fand zwischen den Vertretern der verschiedenen Richtungen eine Aussprache über die Kongreß-Propaganda statt. Dr. Bileski vertrat den Standpunkt des linken Zentrums. Nahum Goldmann den der radikalen Zionisten, Lichtheim den der Revisionisten und Alfred Berger den der Poale Zion. Eine lebhafte Debatte entspann sich auch über die Frage der Gemeinde-Politik. Rechtsanwalt Dr. Kollenscher erstattete den Bericht der Gemeindekommission. Es sprachen hierzu auch noch Epstein (Duisburg), Jacobson (Breslau) und Dr. Klee (Berlin). Man einigte sich auf bestimmte Richtlinien, die für das ganze Reich gelten. Es wurde eine allgemeine Übereinstimmung erzielt. Ein Denkmal für die 3500 im Kriege gefallenen Söhne der Berliner Jüdischen Gemeinde auf dem Ehrenfriedhof zu Weißensee Berlin, 27. Juni. (JTA.) Am Montag, dem 27. Juni 1927, vormittags 11 Uhr, wurde auf dem Ehrenfelde des Friedhofs in Weißensee ein Denkmal für die im Weltkriege gefallenen Söhne der Jüdischen Gemeinde Berlin feierlich enthüllt. Das Denkmal hat die Form eines monumentalen Altars. Die Entwürfe zu dieser Anlage stammen von dem Gemeindebaumeister, Regierungsbaumeister Alexander Beer. Es trägt an der Stirnseite die Aufschrift: „Ihren im Weltkriege gefallenen Söhnen die Jüdische Gemeinde zu Ber- «S^offmrfcfincE {Segr. 15Z4 ^UifiolitiTg §fet. 20519 TfUfi&en^frciße 14/15 'JÖ ollrociren, § -Xf für 6ie elbaufbemahxnng foffe, | c p p i cft e «fvu.

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