Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 26 (1.7.1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 413 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103079-9156819--07838-9080574- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 26 Das Jüdische Echo 413 zu bestätigen. Er ist nicht im Ton der Anklage gehalten; vielmehr drückt er sogar‘die Anerkennung und den Dank der Zionistischen Exekutive dafür aus, daß die Palästinaregierung in den Fragen der Unterstützung des hebräischen Schulwesens und der Linderung der Arbeitslosigkeit Entgegenkommen gezeigt habe; auch die Anfänge , einer Arbeitsgesetzgebung werden mit Befriedigung vermerkt. W'eizmann unterläßt es allerdings nicht darauf hinzuweisen, daß die Subvention für die jüdischen Schulen noch immer nicht genügend ist und daß sie noch immer gering ist im Verhältnis zu der Zahl der Schüler und der Unterstützung, die die Regierung anderen Schulen angedeihen läßt. Weizmann berührt auch die Frage der Überlassung von Staatsländereien, die trotz zahlreicher Verhandlungen noch nicht geklärt werden konnte; er drückt die Hoffnung aus, daß sie demnächst in allgemein befriedigender Weise gelöst werden kann. Nicht behandelt werden die außerordentlich schwierigen Probleme der Gemeindeordnung und des Einbürgerungsgesetzes. Es mag vielleicht unbegreiflich erscheinen, daß die Exekutive in einem Augenblick, der ganz dazu angetan ist, von der Regierung vor einem unparteiischem Forum das Höchste zu fordern, nicht nur darauf verzichtet, Forderungen energisch (das schließt diplomatische Form nicht aus) vorzubringen, daß sie auch noch für nötig hält, die objektiv ungenügenden Leistungen der Regierung anzuerkennen. Sie ruft ja damit nach außen und gerade bei den Mitgliedern der Mandatskommission den Eindruck hervor, daß alles zum Besten stehe und daß die Regierung den ihr durch das Mandat auferlegten Verpflichtungen in zulänglicher Weise nachkomme. Dies ist aber tatsächlich nicht der Fall; die Regierung überläßt noch immer die eigentliche Aufbauarbeit voll und ganz der Zionistischen Organisation; sie zieht noch immer finanzielle Vorteile aus Kapitalinvestition, Bodenkauf usw. und erschwert dadurch oft das, was sie erleichtern und unterstützen sollte. Gewiß ist es eine offene Frage, ob die von der Exekutive angewandte Taktik richtig ist; diese erklärt sich aus der allgemeinen Anschauung Weizmanns, daß einerseits die Zionistische Organisation angesichts der gegenwärtigen Situation in Palästina weniger denn je in der Lage sei, eine scharf kritisierende Haltung einzunehmen und daß anderseits die Regierung im vergangenen Jahre praktisch zionistische Forderungen, wenn auch nicht in wünschenswertem Maße, erfüllt habe. Eine allzu aggressive Stellungnahme würde die Regierung eher verstimmen als zugänglicher machen. In dieser Frage der in der zionistischen Außenpolitik anzuwendenden Taktik stehen Weizmann und die von Jabotinsky geführte revisionistische Opposition in schärfstem Gegensatz; sie ist aber durch theoretische Auseinandersetzungen nicht weiter zu klären, sondern tatsächlich eine Vertrauensfrage, bei der persönliche Gegebenheiten den entscheidenden Ausschlag geben. Hat man zu Weizmann nicht mehr das Vertrauen, daß er die politische Situation richtig einzuschätzen vermag, daß er infolge seiner langjährigen Erfahrung, seiner Personalkenntnis und seiner Beziehung noch immer der gegebene Führer des Zionismus ist; glaubt man, daß sein zionistisches Wollen die Energie verloren habe und daß er, allzu pessimistisch, nicht mehr fähig sei, eine politische Aktion durchzuführen, dann wird man ihm freilich nicht folgen können; uns will aber scheinen, daß Weizmann auch heute noch als ein unerschütterlicher Fels in der Brandung dasteht und vielleicht das größte politische Aktivum der zionistischen Bewegung repräsentiert. Die Erfahrungen gerade auch der deutschen Politik (Stresemann!) beweisen, daß Persönlichkeiten weit größeren Einfluß ausüben können, als man im allgemeinen anzunehmen geneigt ist. Das Memorandum selbst bemüht sich unter Anführung von vielen Ziffern einen Überblick über die im Jahre 1926 erzielten Fortschritte auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete zu geben, besonders verdienstlich ist die unvoreingenommene, objektive Behandlung der Wirtschaftskrise, die in die richtige Perspektive gerückt wird. Das Memorandum kann als Nachweis dafür dienen, daß der Aufbau des jüdischen Nationalheimes in Palästina für das ganze Land und dessen übrige Bewohner nur Vorteile mit sich bringt, daß der Zionismus in Palästina auch eine zivilisatorische Mission erfüllt. Die Araber sind zwar, was weiter nicht verwunderlich ist, anderer Anschauung. Das Memorandum der arabischen Exekutive, das ebenfalls jetzt der Mandatskommission vorliegt, behauptet, daß eine den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes nicht entsprechende Einwanderung stattgefunden habe und daß jetzt die Juden das Land verlassen, die Araber hingegen, die sich an ihr Land gebunden fühlten, die Leiden auf sich nehmen müßten, die andere verschuldet hätten. Demgegenüber darf aber festgestellt werden, daß die L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpreislage: Mk. 180.-bis Mk. 250 - Kein Anzug über Mk 280 - ___' V