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Das jüdische Echo · 1927-06-24 · 25 (24.6.1927) · p. Seite 403

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
25 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
Seite 403 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 403 voll sticken konnten, und im Laufe des letzten Jahres ist es .gelungen — nachdem zahlreiche Aufträge aus Europa einliefen über 100 Familienmütter zu beschäftigen, die mit ihrer Stickend bunten Häkelarbeit monatlich 2 bis 5 Pfund verdienen. Es ist diesen künstlerisch durchaus schöpferisch beanlagten Frauen unmöglich, ein Muster zweimal anzufertigen, sie haben immer neue Einfälle in Farbe, Form und Gegenständen der Darstellung, die sie an Kleiderborten und Decken sticken oder farbig häkeln. Erstaunlich sauber sehen ihre winzigen Stuben aus, in denen die ganze Familie haust und dazu auf einem Petroleumkocher das kärgliche Essen bereitet. Nur zum Sabbat muß ein kleines Stück Fleisch auch bei den ärmsten Leuten verbraucht werden, und auf einer Steinplatte wird es mit einem runden Stein langsam und sorgfältig wie vor 1000 Jahren zermahlen. ... Bei aller Armut sind auch Frauen, für die sich keine Verdienstmöglichkeit bietet, und die von ein paar Pfennigen Unterstützung leben, immer heiter; der Besucher wird fröhlich empfangen, und die vielen Kinder winken noch lange und rufen „Schalom“. Die erste Tageskrippe für Säuglinge arbeitender Frauen wurde in Tel- Awiw von der dortigen Ortsgruppe der Hist. Nashim Ibriot mit Hilfe des Arbeiterkrankenfonds und des Schweizer Kulturverbandes jüdischer Frauen vorläufig für 20 Kinder eröffnet. Eine zweite größere Anstalt dieser Art für 60 Kinder wird von der Histadrut mit Hilfe der Tel-Awiwer Stadtverwaltung im eigenen Gebäude eingerich¬ TENNIS Neu auf genommen sporthaus Schuster Hosenstraße 6 München Katalog kostenlos tet werden. Wäsche und andere Behelfe werden für die Krippen von der „Hadassah“ geliefert. Eine Kinderärztin und eine diplomierte Schwester leiten die Tageskrippen. Die Werkstätte für orientalische Handarbeiten und Stickereien „Ha-Shani“, die von der H. N. I. vor zwei Jahren in Jerusalem gegründet wurde, entwickelt sich in erfreulicher Weise. Die schönen, praktischen und geschmackvollen Erzeugnisse, die dem Stil der palästinischen Umgebung angepaßten Frauen- und Kinderkleider, Tisch-Decken, Polster usw., haben rasch einen guten Absatzmarkt in Palästina und im Ausland gewonnen. Mit Hilfe einer größeren, zinsenfreien, von privater Seite zur Verfügung gestellten Anleihe wird eine Erweiterung der Werkstätten geplant, die einer ansehnlichen Anzahl von Frauen und Mädchen Arbeitsgelegenheit bieten kann. J1 Ulli IIIIIII 11 Illli 1 | Feuilleton iili!111 ui i III Uli I Die neuen Palästinamarken sind da! Von Dr. E. M. Zweig (Jerusalem) Palästina ist wahrlich nicht arm an Merktagen. Ein neuer kam heute, den 1. Juni 1927 hinzu. Denn die ersten eigenen Briefmarken Palästinas — vorläufig nur zwei Werte — wurden an den Postschaltern aufgelegt. Wie lange schon hat man auf dies Ereignis gewartet! Bisher waren ja, seit Besetzung des Landes durch die Engländer, nur Provisorien in Gebrauch. Diese alten Marken, welche, ohne ein Bild zu zeigen, doch durch ihre geschmackvolle Beschriftung und ihre frischen Farben so günstig wirkten, hatten dennoch nur das geringe Ansehen einer Übergangserscheinung, welche jedenfalls den vom Völkerbund geschaffenen Status des „Mandatgebietes“ nur notdürftig wiedergab. Auf die erste von der Egyptien Expedition Force, der aus Ägypten einmarschierten Expeditionsmacht, edierte E.-E.-F.-Ausgabe war nämlich in den drei offiziellen Landessprachen — Englisch, Arabisch, Hebräisch — der Landesname „Palästina“ schwarz aufgedruckt. Nun harrte man der Briefmarken, welche nach Loslösung des Landes von der Militärmacht seine zart keimende Selbständigkeit symbolisieren sollten. Schon vor vier Jahren gab es einen regelrechten Wettbewerb, aus dem Benzion Kalter, ein aus Lemberg eingewanderter Kunstphotograph, siegreich hervorging. Seine Entwürfe, eine Reihe von historischen Stätten Palästinas darstellend, waren irgendwie in die Öffentlichkeit gedrungen und hatten den ästhetischen Beifall der Kenner gefunden. Seither hatte man an die Marken vor lauter Warten fast wieder vergessen. Zuletzt hieß es — recht plausibel, sie werden erst, gleichzeitig mit der verheißenen Landesvaluta, mit den neuen Münzen und Noten Palästinas herauskommen. Und nun sind sie plötzlich da! Unglaublich wäre es, würde sich nun nicht ein Sturm von Meinungen, Kritiken und Beschwerden, und zwar aus allen Lagern der Bevölkerung erheben. Denn in Palästina kann derlei nicht still und glatt Vorbeigehen. Palästina ist ein sehr sensibles Instrument, zumal wenn es um politische Fragen geht. Und was rührt hier nicht an Politik? Briefmarken, welche den Sinn und Charakter eines staatlichen Gemeinwesens verkörpern, welche die Vormacht dieser oder jener Auffassung vom Staat dokumentieren, und welche das — in alle Welt hinausziehend — jedermann verkünden, sind ein eminentes Politikum. Die Juden hatten diesfalls schon vor dem Krieg manches errungen. So gab die österreichische Postverwaltung in Palästina ihre Drucksachen auch in Hebräisch heraus, ja ließ sogar für den Dienst zwischen den jüdischen Kolonien eigene, rein hebräische Briefmarken zu; und auch die anderen Postverwaltungen Palästinas, einschließlich der türkischen, benützten zur Entwertung der Briefmarken Stampiglien mit der hebräischen Bezeichnung Jeruschalajim. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um schon heute vorauszusagen, was die beiden Hauptlager der Bevölkerung Palästinas, Juden und Araber, an den neuen Palästinamarken zu kritisieren finden. Die Juden werden bei Betrachtung der vorliegenden Marken werte wie folgt kalkulieren: Die blaue

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