Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 25 (24.6.1927)
- Date
- 1927-06-24
- Page
- Seite 404 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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404 Das Jüdische Echo Nr. 25 I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostilmstickereien Burgstraße 16/3 Knopflöcher Telephon 22975 13-milliemes-Marke, welche zur Frankatur der Ausländsbriefe bestimmt ist, und bei der engen Verbundenheit Palästinas mit dem Ausland eine große praktische Bedeutung hat, trägt das Bild der Omarmoschee, nach der Kaaba von Mekka das Hauptheiligtum der Muslims und ein Kleinod des arabischen Nationalstolzes. Dabei ist es dem Juden schwer, daran vorbeizudenken, daß diese Moschee über dem Felsen steht, wo Jahwes Verheißung an unseren im Gehorsam erprobten Stammvater Abraham erging, wo Salomonis Tempel stand und wo an der Westmauer die Juden, wenn man sie läßt, die entschwundene Herrlichkeit beweinen. — Der zweite Wert, die gelblichgrüne 3-milliemes- Marke, welche das durch unzählige Darstellungen populäre Grab Rachels an der Straße von Jerusalem nach Bethlehem darstellt, könnte wohl als ein Kompliment vor den historischen Rechten der Juden auf Alt-Neuland, könnte als ausgleichende Gerechtigkeit gelten. Leider aber kommt dieser Markenwert nur seltener, als Frankatur für Drucksachen nach dem Ausland, zur Verwendung. Daß weiters in den oberen Ecken der Marken nur die europäischen und arabischen, nicht aber auch die hebräischen Schriftzeichen verwendet sind, mag noch hingehen. Aber das Schriftband unter den Markenbildern zeigt von links nach rechts erst die arabische und dann die hebräische Inschrift. Allerdings entspricht das der Stärke dieser beiden Gruppen, aber es sieht wie die Ablehnung jenes Vorrechtes aus, als das wir jeden die Verheißung des Jewish National Home gerne auslegen. Die arabische Exekutive ihrerseits wird zweifellos empört sein, daß die neuen Marken überhaupt mit den Juden rechnen und daß der hebräischen Transkription von Palästina noch die ominösen Buchstaben Alef und Jad beigesetzt sind, was ja „Erez Jisrael“ — das Judenland — bedeutet. Die arabische Exekutive hat schon bei den alten Marken gegen diesen Zusatz vor dem Staatsgerichtshof, allerdings vergebens, prozessiert. Doch einträchtig dürften Juden und Araber sich in der Beschwerde gegen die Engländer finden, welche sich als „die frohen Dritten“ über den Markenbildern mit dem Schriftband „Palestine“ etabliert haben, das doppelt so groß ist als jenes der beiden Untertanen-Sprachen. Da noch auf den vor zwei Jahren edierten palästinischen Nachporto-Marken alle drei Sprachen vollkommen gleich behandelt waren, ist der Rückschlag unverkennbar. Die Distanz gegenüber den natives scheint schärfer betont und die Tendenz des Vormunds: vom Mandat weg zur Kronkolonie! deutlicher markiert. Wohl wurde kein Regulativ verlautbart, welches dies Vorrecht des Englischen vor den andern beiden Landessprachen verfügt, aber es kann doch kein Zufall sein, daß schon seit einiger Zeit die gleiche Platzverteilung für alle Kundmachungen der Regierung gilt. Was speziell unsere Marken anlangt, muß man freilich erwägen, daß England anderwärts noch weniger rücksichtsvoll verfährt; so sind die Marken des von hundert Millionen Eingeborenen bewohnten Ostindiens überhaupt nur englisch beschriftet. Auch ist auf den neuen Palästinamarken kein Merkmal britischer Souveränität zu finden — es wäre denn, daß man die Marken gegen das Licht hält; dann schimmert als Wasserzeichen die britische Krone durch. Man muß eben jedem Ding auf den Grund gehen. Welch ein Meister von feinstem Taktgefühl wäre nötig, um so widersprechenden politischen Ansprüchen gegenüber es in Palästina allen recht zu tun und niemanden zu verletzen! Da scheint es das beste Mittel, durch geschickte Dosierung von allseitigen Verstößen gegen den Takt das Gleichgewicht der Unzufriedenen aufrechtzuerhalten. Das dürfte den neuen Marken glücken. Anders steht es mit der ästhetischen Seite der Angelegenheit. Da wird sich wohl kaum jemand unterfangen, zu behaupten, die neuen Marken seien schön. Die preisgekrönten Entwürfe Kalters, welche künstlerische Landschaftsbilder verheißen hatten, sind in der Versenkung verschwunden. Das ist, abgesehen von der Kränkung des Künstlers, deshalb bedauerlich, weil die von ihm gezeichnete letzte Serie der Propagandamarken des Keren Kajemeth, wie auch der nach Kalters Entwurf hergestellte Jubiläumsband des Goldenen Buches vortrefflich gelungen waren. Wer der nunmehr von der Regierung begünstigte Künstler ist, wird nicht verraten, aber leider läßt sich weder sein Geschmack, noch die Art der Ausführung loben. Die Omarmoschee ist bekanntlich ein Weltwunder an architektonischer Schönheit, das würdige Gefäß für den Stimmungsreichtum, der hier über der Landschaft schwingt. Wie uns aber die Moschee auf der neuen Marke präsentiert wird, in kalten sauberen Linien, ohne den Grund, auf dem sie fußt, und sozusagen ohne den Himmel, in den sie aufragt, scheint sie so entgeistigt, daß sie geradesogut ein Opernhaus in Kairo oder eine Bahnhofshalle in Leipzig darstellen könnte. Ja, dies Haus ohne Rahmen der Umgebung, ohne Schatten, ohne Stimmung, scheint dem Reißbrett eines Bauzeichners entglitten. Um ein paar Stufen höher steht künstlerisch der 3-milliemes-Wert. Hier wird das etwas in den Hintergrund gerückte Rachel-Grab rechts vorn von einem mächtigen Ölbaum beschattet, welcher immerhin der Eigenart palästinischer Landschaft entspricht. Auch ist die Ausführung der Marke flächenhafter, lebendiger. Beide Markenwerte sind — dies sei den Philatelisten erzählt — gewöhnlicher Größe, auf weißem, glattem Papier gedruckt und enggezähnt. Worin liegt die Deutung dieser plötzlichen und wenig schönen Palästinamarken? Einerseits wollte man offenbar politisch eine vollzogene Tatsache schaffen, anderseits aber wohl sparen. Schlägt ja die zähe Sparsamkeit der palästinischen Postverwaltung oft schon in Fiskalismus um. So hat sie die Ausgabe von Postkarten bis heute abgelehnt, um dem Publikum das höhere Briefporto abzuzwacken. Wahrscheinlich wurden diese Marken gewählt, weil ihre Herstellung billig war. Es darf wohl ohne Nörgelsucht bezweifelt werden, ob sich die Wohlfeilheit gerade im Fall Palästina rentiert. In Palästina, wo jede Briefmarke, die in die Welt hinausflattert, berufen ist, die alten Sympathien für das Heilige Land zu stärken, ihm neue Liebe zu werben und frische Kräfte zum Aufbau herbeizuholen. Mögen uns die noch folgenden Markenwerte eine angenehme Enttäuschung bringen!