Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 25 (24.6.1927)
- Date
- 1927-06-24
- Page
- Seite 402 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Das jüdische Echo / Blätter für die jüdische Frau Nr. 25 NF. - Veranstaltungen, Verkauf von Schekalin, haben wir folgende praktische Arbeit für das Galuth geleistet: a) Unsere praktische Galutharbeit bestand vor allen Dingen in der Erfüllung von sozialen Aufgaben. Wir sind sehr bemüht, die Mitglieder des Kontinentalbundes sozial zu schulen und ihnen die Möglichkeit zu geben, auf sozialem Gebiet zu arbeiten. — So war z, B. eine Gruppe bemüht, bei der Leitung einer Kinder-Beschäftigungsstube durch Beaufsichtigung der Schularbeiten und Beschäftigung der Kinder täglich zu helfen. Eine andere Gruppe hat in einem jüdischen Kinderhort regelmäßig mitgearbeitet und bemüht sich, die Kinder durch Aufführungen und Spiele zu erfreuen. Mädchen anderer Gruppen helfen bei Volksunterhaltungen und bemühen sich um Mädchen, die im Erwerbsleben stehen, indem sie ihnen frohe Abende veranstalten, mit ihnen wandern und turnen. Der Kontinentalbund zionistischer Mädchen- Vereinigungen hat es sich ferner zur Aufgabe gemacht, daß seine Gruppen assimilierte Kinder in Jugendgruppen zusammenschließen, um mit ihnen jüdische Geschichten zu lesen, zu wandern, spielen und singen. Alle jüdischen Feste werden mit den Kindern gefeiert. b) Palästinaarbeit. Wir sorgen dafür, daß unsere Gruppen um Ausrüstung der Chaluzim und Chaluzoth bemüht sind. Es wurde eine große Anzahl Chaluzim von Mädchen unseres Bundes ausgerüstet. Wir werden bemüht sein, diese Arbeit besonders auszubauen. Ferner hat der Kontmentalbund zionistischer Mädchenvereinigungen mehrere Kisten Babywäsche für die Kwuzoth gesammelt, die Wäsche teilweise selbst angefertigt. Eine Sendung Bücher ging an die Jerusalemer Bibliothek ab. Wir haben die Küche im Kinderdorf des Herrn Dr. Lehmann mit Küchengeräten und Wäsche vollkommen eingerichtet. Wir glauben daß alle diese Tatsachen beweisen, was Mädchen für den Zionismus schaffen, wenn sie organisiert sind und planmäßig geleitet werden. In der Renaissance eines Volkes muß die Jugendarbeit an erster Stelle stehen. Leider hören wir im letzten Jahr von allen Seiten, wie uninteressiert zum größten Teil die jüdische Jugend an jüdischen Aufgaben und besonders am Aufbau Palästinas ist. Wir haben in diesem einen Jahr intensiver Tätigkeit aber gesehen, daß zwar große Teile der Jugend uns verlorengegangen sind, daß man sie aber wiedergewinnt, wenn man ihnen jüdische Gemeinschaft, nationaljüdisches Bewußtsein, jüdische Freuden und Pflichten gibt. Wir rufen die jüdische weibliche Jugend, die uns noch fernsteht, auf, uns bei unserem großen Werk zu helfen. Wir wollen jedoch nicht nur mit Worten, sondern durch Taten ihnen die Aufgaben und Ziele unseres Bundes nahebringen und laden UeberkingerSprudel Süddeutschlands führendes Tafelwasser Generaldepot Eduard Kühles, München Tel 20542 Ledererstr. 12 daher alle jüdischen jungen Mädchen, die ernsthaftes Interesse an jüdischer und zionistischer Mädchenarbeit haben, zu unserem Bundestag in Wien ein. Wir haben das größte Interesse, daß viele Mädchen unserer Einladung Folge leisten und gewähren daher allen Mädchen, die ernsthaftes Interesse an jüdischer und zionistischer Mädchenarbeit haben, freie Verpflegung und Unterkunft während des Bundestages, sowie große Vergünstigungen auf unserer Bundesfahrt. Palästina auf dem Kongreß des Internationalen Frauenrates vertreten Genf 10. Juni. (JTA.) Am 9. Juni begann in Genf die Tagung des Kongresses des Internationalen Frauenrates. Vertreten waren die Spitzenorganisationen der Frauen aus 40 Ländern. Den einzelnen Länderdelegationen gehören führende jüdische Frauenpersönlichkeiten an. Die palästinische Frauenorganisation ist durch Frau Helen Bentwich, die Gattin des Oberstaatsanwalts von Palästina Norman Bentwich, vertreten. In der Sitzung der Kommission für Wanderungsfragen des Kongresses erstattete Frau Aberson, die die Weltorganisation jüdischer Frauen vertritt, Bericht über die Probleme der Emigration und der Staatenlosigkeit. Sie brachte entsprechende Anträge ein und betonte insbesondere die Notwendigkeit einer freundschaftlichen Zusammenarbeit des Internationalen Frauenrates mit den dem Völkerbund unterstellten Organisationen, wie z. B. Nansen-Komitee und den privaten Organisationen für den Schutz der Auswanderer und Einwanderer. Frauenleben im Heiligen Land Berlin, 12. Juni. (JTA.) In der ,,Vossischen Zeitung“ berichtet die zur Zeit in Haifa weilende Vorkämpferin für Frauenrecht in Deutschland, Lenka v. Koerber, unter der Überschrift „Frauenleben im Heiligen Land“ über „beginnende Emanzipation“ unter den Frauen Palästinas. Sie spricht von der allgemeinen Rechtlosigkeit der Frauen im Orient und bezeichnet es als ein für Palästina ungeheueres Ereignis, daß bei 201 parlamentarischen Vertretern der Juden (Assefat Haniwcharim) 15 F’rauen sitzen und an der gemeinsamen politischen Arbeit teilnehmen. Lenka v. Koerber gibt dann die folgende Schilderung des Lebens der jüdischen Frauen Palästinas: „Fabelhaft schöne Frauen trifft man unter den jemenitischen und den bucharischen Juden. An den Feiertagen sind sie geschmackvoll in lange farbenfrohe Gewänder gekleidet, silb'ergestickte Tücher um Kopf und Schultern gebunden. Von den jungen Frauen haben einige englische oder frauzösische Schulen besucht, sie geben auf alle Fragen bereitwilligst Antwort. ... In dem bucharischen Stadtviertel gibt es Juden, die ihr gutes Auskommen haben, dagegen ist die Not vieler Familien in der Altstadt und in Shimon Ha- Zaddik außerordentlich groß. In der ärztlichen Beratungsstelle der „Hadassah“ sieht man ganz verelendete Frauen mit jammervoll abgema£erten Kindern, da sind Frauen aus Bagdad, aus Marokko, persische und russische Jüdinnen... Bei dem Versuche, Frauen mit Näharbeit zu beschäftigen, stellte es sich heraus, daß viele der persischen und jemenitischen Jüdinnen wunder-