Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 25 (24.6.1927)
- Date
- 1927-06-24
- Page
- Seite 397 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Das Jüdische Echo 397 Umstand hinzutritt, daß neben den beiden der amerikanische Gesandte steht. ' Levine ist ein Jude, Sohn eines aus Wilna im Verlauf einer Pogromära nach Amerika gewanderten jüdischen Kaufmannes. Das ist etwas, was unbedingt auf das deutsche Gemüt drückt. Als die beiden von Kottbus nach Berlin kamen, schrieb sich die Presse die Finger wund. In dem Augenblick, wo Levines Persönlichkeit genauer bekannt gegeben wurde, änderte sich das Bild und die deutsche Rechtspresse kühlte sich ab. Sie fand ein Haar in der Suppe. Was kann sie mit Levine, dem lebendigen Dementi der jüdischen Feigheit und des jüdischen Materialismus anfangen? Mit diesen Blättern waren auch die Offiziellen verschnupft und man lauerte nur auf eine günstige Gelegenheit, dem Juden etwas anzutun. Da kommt eine Anzeige und das Berliner Landgericht schreitet forsch und stramm ein. Es beschlagnahmt den Apparat, knapp bevor er zum Siegesflug nach München, Wien und Prag aufsteigen will. So, den Juden hätte man’s besorgt.“ Das Unschuldslamm Aus einem Bericht der Münchener Post: „Auf dem Marienplatz staute sich eine große Menge Menschen, die Chamberlin und Levine stürmisch zujubelten, als sie, geführt von Oberbürgermeister Scharnagl, sich auf dem Balkon des Rathauses zeigten. Aber der Völkische Beobachter hatte doch nicht ganz umsonst gegen den Juden Levine gehetzt. Einige Lausbuben fanden den Mut zu pfeifen, doch kehrte sich niemand daran, auch die Schutzleute nicht, die vielleicht doch diesen grünen Jungen einige Aufmerksamkeit hätten schenken sollen. Der Redakteur des Völkischen Beobachters nahm ruhig an der Feier im Rathaus teil und tat, als hätte der Völkische Beobachter kein Wässerchen getrübt.“ Dabei hat der Völkische Beobachter einige Tage vorher den Ozeanflieger in unerhörter Weise verunglimpft: „Hier hat man also wohl den eigentlichen Grund der ,Begeisterung4 für eine Sache und auf einem Gebiete, auf dem sich unsere jüdischen Zeitgenossen — im Gegensatz zu ihrer sonstigen Gewohnheit — jedenfalls persönlich bis jetzt nicht hervorzutun pflegten. Mir ist jedenfalls kein Jude bekannt, der sich vor, während oder nach dem Kriege als prominenter Flieger berühmt gemacht hätte. (!!) Aber das holt Herr Levine jetzt mit einem Schlage nach. Er ist zwar nur als ,Franz4 mitgeflogen. Dafür hat er sich auch gleich gründlich ,verfranzt4, als es seine Aufgabe .gewesen wäre, über Deutschland den geraden Kurs nach Berlin zu finden. Das gelang ihm zweimal vorbei! Die Freude in Israel ist deshalb trotzdem groß. Und auch die Instinktlosigkeit der Masse, die den Flug über den Ozean bald als eine Großtat des ,auserwählten Volkes4 feiern wird!“ Wiener Empfangsvorbereitungen . Die Wiener Morgenzeitung veröffentlicht folgende Kundgebung des deutschen Turnerbundes: „An die Bundesangehörigen ergeht das Ersuchen, sich in keiner Weise an dem festlichen Empfang des amerikanischen Fliegers Chamberlin zu beteiligen. Abgesehen von der Haltung, die die Amerikaner im Weltkrieg eingenommen haben, kommt auch in Begleitung Chamberlins ein Jude, so daß es wider unsere Grundsätze wäre, in den gemachten Freudentaumel miteinzustimmen. Die Leitung des Deutschen Turnerbundes 1919.“ Aus der jüdischen Welt Eine wichtige Tagung des Rechtsausschusses des Landesverbandes Berlin, 17. Juni. (JTA.) Am 29. Mai tagte zu Berlin unter dem Vorsitz von Herrn Dr. Ismar Freund der Rechtsausschuß des Preußischen Landesverbandes. Ein für die Feststellung eines N o r m a 1 s t a t u t s für die Synagogengemeinden schon vor einiger Zeit eingesetzter Unterausschuß wurde nunmehr auch mit der Vorbereitung der Revision der Wahlordnung für Verbandstag und Rat sowie mit einer Gesamtrevision der Verfassung des Landesverbandes betraut. Uber den Entwurf eines neuen Strafgesetzbuches und die Notwendigkeit und Möglichkeit, hierbei jüdischerseits Anträge zu stellen und Wünsche zu äußern, wurde eingehend verhandelt. Es wurde für notwendig erachtet, daß der Landesverband unverzüglich sämtliche an der im Augenblick akutesten Frage, der Schächtfrage, interessierten Stellen zu einer gemeinsamen Beratung einlädt, um zu versuchen, zu einer einheitlichen Formulierung der von jüdischer Seite zu stellenden Anträge zu gelangen. Andere Anträge als zu der Schächtfrage sollen im Augenblick nicht gestellt werden. Es wird eine Kommission, bestehend aus sieben Personen, eingesetzt, die die Frage der eventuellen Einrichtung eines Wahlprüfungsgerichtes beim Landesverband prüfen soll, an L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten H a uptpr eisla ge: Mk. 180.' bis Mk. 250.- Kein Anzug über Mk. 280 - V_S