Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 25 (24.6.1927)
- Date
- 1927-06-24
- Page
- Seite 396 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Das Jüdische Echo Nr. 25 welche dem Verlangen, die Siedlungsverträge mit „Mir“ und nicht mit den Siedlern abzuschließen, nicht nachkommen konnte. Schließlich wurde das Kompromiß angenommen, daß die Pachtverträge mit den Siedlern geschlossen werden und „Nir“ sie quasi als Garant mitunterfertigt. Manche Fragen, wie jene des späteren Verhältnisses der Siedler, sobald sie die nationalen Kredite sukzessive abzahlen werden, zu „Nir“, sind noch nicht definitiv geregelt. Tagung der Mandatskommission Genf, 20. Juni. (JTA.) Die Mandatskommission des Völkerbundes hat heute mittag die erste Sitzung ihrer Session wie üblich öffentlich abgehalten. Als Präsident und Vizepräsident wurden einstimmig die bisherigen, Marquis Theodoli (Italien) und van Rees (Holland) wiedergewählt. Der englische Vertreter Prof. Lugard wird erst in einigen Tagen eintreffen. Aus der Eröffnungsrede des Präsidenten erfuhr man u. a., daß die Frage der mündlichen Anhörung von Petitionär e n der Mandatsgebietsbevölkerungen mit den ablehnenden Antworten der Regierungen der Mandatsmächte und dem entsprechenden Beschluß des Völkerbundes ad acta gelegt wird, wobei sich die Mandatskommission damit tröstet, daß sie keinen eigentlichen Antrag gestellt hatte. Anschließend an seine Eröffnungsansprache verlas der Präsident ein Schreiben des Generalsekretärs des Völkerbundes, mit welchem der Kommission von dem Beschluß des Völkerbundsrats Kenntnis gegeben wird, daß sie sich über die Wahl eines deutschen Kommissionsmitgliedes vernehmen lassen möchte, womit die Frage auf die Tagesordnung der gegenwärtigen Session gesetzt wurde. Die Behandlung des Berichts über Palästina wurde auf den 28. und 29. festgesetzt. Die Kommission bestimmte zu Berichterstattern über die Petitionen folgende Mitglieder: über das Zionistische Memorandum Van Rees, über die arabische Petition Prof. P a 1 a c i o s (Spanien) und über die Kabbara-Frage (Protest gegen die Verleihung der Konzessionen an die Pica) Professor R u p p o r d. Deutschland in der Mandatskommission des Völkerbundes Berlin, 17. Juni. (JTA.) Das Wolff’sche Telegraphen-Büro teilt aus Genf, 16. Juni, mit: „Im Verlaufe der heutigen Geheimsitzung richtete der Generalsekretär des Völkerbundes an den Rat eine Anfrage, wie er sich zur Ernennung eines deutschen Mitgliedes in die Mandatskommission stelle, die als möglich im Budget für 1927 vorgesehen sei. Der Rat hat beschlossen, die Anfrage der Mandatskommission zur Äußerung zuzuleiten. Nach dem Verlauf dieser Besprechung, der aus den Formalien des Beschlusses nicht ersichtlich ist, handelt es sich, wie wir erfahren, bei der Überweisung der Anfrage an die Mandatskommission selbst um einen Höflichkeitsakt dieser gegenüber. An eine Erledigung im Sinne der deutschen Auffassung dürfte nach der einmütigen Stellungnahme der Ratsmitglieder nicht zu zweifeln sein.“ Durch seine Zugehörigkeit zum Völkerbundsrat und durch seine direkte Vertreterschaft in der Mandatskommission des Völkerbundes wird Deutschland auch in Fragen Palästinas, das ja als Mandatsland unter dem Protektorat des Völkerbundes steht, mit zu entscheiden haben. Die Juden Berlins 172 672 Juden leben in Berlin Berlin, 2. Juni. (JTA.) Die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jüdischen Wissenschaftlichen Institutes zu Berlin veröffentlicht sehr interessante Ziffern über die jüdische Bevölkerung in Berlin. Danach zählte die jüdische Bevölkerung Berlins am Volkszählungstage 1925 im ganzen 172 672 Seelen, d. h. bloß um 28 697 Seelen oder 20 Prozent mehr als im Jahre 1910. Die jüdische Bevölkerung Berlins macht 4,3 Prozent der Gesamtbevölkerung aus gegen 3,9 Prozent im Jahre 1910. In einzelnen Bezirken ist der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung bedeutend höher als der Durchschnitt. So beträgt er z. B. in Berlin-Mitte 10,5 Prozent, in Charlottenburg 8,9 Prozent, in Wilmersdorf 13 Prozent, in Schöneberg 7,7 Prozent, in Prenzlauer Berg 6,3 Prozent. In diesen fünf Bezirken wohnen 70,8 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung Berlins. Im Vergleich zu 1910 hat die jüdische Bevölkerung Charlottenburgs um 35,3 Prozent, die Wilmersdorfs um 134,1 Prozent, die Schönebergs um 52,7 Prozent zugenommen. Die Sektion für Wirtschaft und Statistik veröffentlicht auch genaue Zahlen über die jüdische Bevölkerung Deutschlands einschließlich Preußens nach der Volkszählung vom Jahre 1925. Die Zahlen wirken überraschend. Die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung in Deutschland beträgt nach offiziellen Angaben nicht mehr als 555 000, sie hat sich also gegen 1910 vermindert. Besonders fallen die Zahlen betreffend Preußen auf, dessen jüdische Bevölkerung etwas mehr als 400 000 ausmacht. Bekanntlich schätzte man die jüdische Bevölkerung Preußens auf 450 000. Um Levine Der zerspringende Neid Aus der Wiener Morgenzeitung: „Der Wiener Flug der Herren Chamberlin und Levine war am Sonntag, dem 12. Juni, unterblieben. Erst hieß es, ein Maschinendefekt trage die Schuld. Dann wurden Gerüchte politischen Charakters in Umlauf gesetzt. Schließlich ergab sich, daß der Apparat vom Berliner Landgericht beschlagnahmt worden war, da irgendeine Anzeige eingelaufen war, daß der Eigentümer des Flugzeuges, Herr Levine, einem Arzt in Düsseldorf einen Betrag von 11 000 Dollars schuldig sei: dieser Arzt lebt derzeit in Amerika und verwahrt sich entrüstet gegen die Nachricht, er hätte den Antrag auf Sicherstellung der Maschine gestellt. Er habe lediglich einen Neffen Levines telegraphisch um seine Intervention gebeten. Die Aufklärung läßt den Vorfall noch unklarer erscheinen. Es scheint, daß das Gericht auf eine vage Erzählung hin vorgegangen ist. Man stelle siph nun vor, ob eine englische oder französische Behörde im gleichen Fall dasselbe tun würde. Herr Levine steht im* Vordergrund des öffentlichen Interesses. Er hat mit Chamberlin den Flug gewagt und so wie dieser das Leben riskiert. Das Volk feiert beide als die Träger eines neuen Heldentums, als Repräsentanten der hohen Idee von der Menschenverständigung. Die Symptahie der Massen äußert sich in einer überströmenden Herzlichkeit und reißt die Männer der Regierungen mit, die gezwungen sind, einem einfachen Piloten und seinem Fabrikanten den höchsten Respekt zu erweisen, wobei noch der