Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 23 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- Seite 369 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103079-9156817--07808-9080544- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 23 Das Jüdische Echo 369 Studenten vor ein Kriegsgericht zu stellen. Das Regierungsorgan „Indreptarea“ teilt mit, daß die Regierung beschlossen habe, auch in Zukuntt mit gleicher Energie jeden gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung gerichteten Versuch, von welcher Seite immer er unternommen werden sollte, zu ahnden. Die Regierung sei fest entschlossen, in so schweren Momenten, wie es die gegenwärtigen sind, niemandem die Mißachtung der Gesetze zu gestatten. Einbringung einer Bill gegen das betäubungslose Schächten im englischen Unterhaus London, 2. Juni. (JTA.) Herr Noel Buxton, der frühere Minister für Landwirtschaft, hat im Unterhaus eine Bill eingebracht, nach welcher das betäubungslose Schlachten von Tieren verboten sein soll. Die Bill macht die Anwendung des sogenannten Modells 9b für jedes Schlachthaus obligatorisch. Sollte dieser Vorschlag zum Gesetz erhoben werden, so würde die jüdische rituelle Schächtung ohne vorangegangene Betäubung verboten sein. Herr Buxton führte an, daß bereits 200 Ortsbehörden das Modell 9b als obligatorisch eingeführt haben, der Fortschritt gehe ihm aber zu langsam vonstatten, und er fordere ein in ganz England geltendes Gesetz. Herr Buxton sprach sich gegen alle Vorschläge, die Juden von der Beobachtung der Bill zu befreien, aus und führte als Beispiel die Schweiz an, wo das jüdische rituelle Schächten überhaupt verboten ist. Die Jewish-Agency-Besprechungen in Paris Paris, 30. Mai. (JTA.) Am 28. Mai begannen in Paris zwischen den Herren Felix M. Warburg, Sir Alfred Mond und Dr. Lee K. Frankel, die laut dem Abkommen zwischen Dr. Weizmann und Louis Marshall zu Mitgliedern der Jewish Agency- Kommission für Palästina ernannt wurden und unter deren Aufsicht die Sachverständigen-Kommission zu arbeiten haben wird. Dr. Lee K. Frankel wird sich nach Schluß der Besprechungen zu einem mehrwöchigen Aufenthalt nach Palästina begeben. Neue wichtige Ausgrabungen von Prof. Bade in Palästina Berlin, 30. Mai. (JTA.) Aus Jerusalem wird mitgeteilt: Eine der für die antike Geschichte des Landes wichtigsten Entdeckungen ist anläßlich der Ausgrabungen geschehen, die von der Expedition der Pacific School of Religion, unter Leitung von Prof. William F. Bade, ungefähr zehn Kilometer nördlich von Jerusalem im judäischen Bergland unternommen werden. Die Entdeckung geschah in Teil en Basbeh, das ungefähr fünf Kilometer nordnordöstlich von Nebi Sanwil liegt, das nach lokaler Tradition als die Begräbnisstätte des Propheten Samuel gilt, und bisher als das in der Bibel in der Richterzeit oft erwähnte Mizpah im Lande Benjamin angesehen wurde, wo der Prophet Samuel gelebt hat. Nach den neuen Ausgrabungen in Teil en Nasbeh scheint aber das alte Mizpah an dieser Stelle gewesen zu sein. Die Ruinen, die gefunden wurden, deuten auf eine uralte kanaanitische Stadt. Die Stadtmauer, von der ein Teil freigelegt wurde, ragt etwa acht Meter über die Grundsteine empor und ist bis sechs Meter dick. Ursprünglich muß diese Mauer noch sechs Meter höher gewesen sein. Ihre Konstruktion und die vollendete Ausführung der Arbeit sind bewundernswert. Sie stammt wahrscheinlich aus dem Jahre 1800 v. Chr., die gefundenen Töpferwaren deuten ab?r noch auf eine frühere Periode. Ein neues Memorandum der Agudas Jisroel an die Mandatskommission Jerusalem, 1. Juni. (JTA.) Die Weltorganisation Agudas Jisroel hat durch die Palästina- Regierung im Namen der aschkenasischen Gemeinde Jerusalems eine Petition an die Mandatskommission des Völkerbundes gerichtet, deren Inhalt sich ausschließlich auf die Gemeindeordnung in Palästina bezieht. Es werden Einwendungen gegen gewisse Teile des Gesetzentwurfes betreffend die Organisation jüdischer Gemeinden in Palästina vorgetragen. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, sind auf Initiative der Führer der Agudas Jisroel in Palästina Besprechungen zwischen Agudah- Vertretern einerseits und dem Waad Leumi, sowie dem jüdischen Kommunalrat anderseits eingeleitet worden mit dem Ziele, in der Angelegenheit der Verordnung über die jüdischen Gemeinden Palästinas zu einer Verständigung zu gelangen. Sollten die Besprechungen, wie man auf beiden Seiten hofft, zu einem Resultat führen, so wird die Regierung sofort die Verordnung über die Organisation der jüdischen Gemeinden in Kraft setzen. Der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V., Hamburg 1, bittet uns um Aufnahme folgender Mitteilung: Die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte gewährt bekanntlich den erholungsbedürftigen Versicherten Unterkunft und Verpflegung in Kurorten, Heilanstalten usw. Wie sich herausgestellt hat, verzichten viele Versicherte jüdischen Glaubens auf diese Vergünstigung in der Annahme, daß die Unterbringung in einem rituell geführten Hause nicht möglich sei. Diese Annahme ist völlig unzutreffend; vielmehr können die Versicherten, die rituelle Verpflegung wünschen und dieses dem Vertrauensarzt ausdrücklich mitteilen, in den meisten Fällen auf die Gewährung ihres Wunsches rechnen. Dabei hat sich allerdings herausgestellt, daß Erholungsbedürftige solchen Gaststätten zugewiesen werden, die nach ihrer eigenen Angabe und nach Ansicht der betreffenden Kurverwaltung streng-rituell geführt werden, in Wirklichkeit aber absolut keine Gewähr für rituelle Führung bieten. Dieser Umstand hat den Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser e. V., Hamburg 1, veranlaßt, sich im Interesse der Erholungsbedürftigen mit dem Direktorium der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Verbindung zu setzen. Das Direktorium hat sich daraufhin bereit erklärt, bei den im Register des genannten Vereins vermerkten Kurverwaltungen, soweit sie überhaupt in Betracht kommen, anzuregen, daß diese die Erholungsbedürftigen jüdischen Glaubens nur solchen Speisehäusern zuweisen, die unter Aufsicht des genannten Vereins stehen. Es ist also damit zu rechnen, daß der Wunsch der rituell lebenden Versicherten nach geeigneter Unterbringung in den meisten Fällen berücksichtigt werden wird. In Fällen, wo sich in dieser Beziehung Schwierigkeiten ergeben, ist der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser gern bereit, die erforderlichen Schritte zu unternehmen. Deutsche Neuwäscherei O.m.h.H. FELIX BRANDNER * MÜNCHEN Wittelsbacherplatz 21 o, Eing. Finkenstraße Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäschenur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage