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Das jüdische Echo · 1927-06-10 · 23 (10.6.1927) · p. Seite 368

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
23 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
Seite 368 (sequence 8)
Language
German
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368 Das Jüdische Echo Nr. 23 Max M. Warburg 60 Jahre alt Am 5. Juni wurde Herr Max M. Warburg, der Chef des Hamburger Hauses Warburg, 60 Jahre alt. Max M. Warburg wurde in Hamburg als der Sohn des Bankiers Moritz M. Warburg geboren, der eine der größten Privatbanken in Hamburg, die zum Rothschildschen Konzern gehörte, leitete. Das Deutsche Reich bediente sich seines Rates in den wirtschaftlichen Fragen im Kriege. Herr Warburg hat auch beim Frieden von Versailles mitgearbeitet. Vor politischen Entscheidungen hat er sich stets zurückgehalten. Im Leben der deutschen Juden spielt Herr Warburg eine große Rolle, obwohl er auch hier nicht gern in den Vordergrund tritt. Er ist Mitglied des Zentral-Komitees und Vorsitzender des Hamburger Lokalausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden und Mitglied des Palästina-Aufbaufonds Keren Hajessod. Tagung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes Zürich, 1. Juni. (JTA.) Am 29. Mai wurde in Zürich unter dem Vorsitz von Herrn J. Dreyfus- Brodski (Basel) die ordentliche Tagung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes abgehalten. Es wohnten ihr 40 Delegierte bei, die die 17 dem Bunde angeschlossenen Gemeinden vertraten. Der Jahresbericht für 1926 und das Budget für 1927 wurden genehmigt. Das Subkomitee für Schächtfragen erstattete Bericht, aus welchem zu entnehmen ist, daß die Einfuhr von Koscherfleisch infolge der Preisschwankungen immer noch Schwierigkeiten begegnet. Genehmigt wurde ein Antrag des Subkomitees für den jüdischen Friedhof in' Davos auf Eröffnung einer Sammlung für diesen Friedhof, wobei sich der Gemeindebund mit einem Beitrag von 5000 Fr. beteiligen wird. Ein Antrag auf Bewilligung von 1000 Fr. für den Keren Hajessod wurde abgelehnt mit der Begründung, daß der Gemeindebund nicht über die erforderlichen Mittel verfüge, um für jüdisch-nationale Zwecke Subventionen bewilligen zu können. Für den Verband jüdischer Emigrationsgesellschaften EMIGDIREKT wurden 1000 Fr. bewilligt. Zum nächsten Tagungsort wurde Basel gewählt. Wie die „Jüdische Pressezentrale Zürich“ erfährt, hat Nationalrat Dr. Farbstein dem Vorstande der isr. Kultusgemeinde Zürich mitgeteilt, daß er sein Amt als Delegierter für den Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund niederlegt. Tagung der Mandatskommission im Juni Genf, 2. Juni. (JTA.) Das Völkerbundssekretariat teilt mit, daß im Juni die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes Zusammentritt, um die Jahresberichte der Mandatsregierungen, und zwar den Bericht der französischen Regierung über Syrien und den Libanon, den Bericht der englischen Regierung über Palästina, Togo, Kamerun und Tanganjika zu prüfen. Das Endresultat der Warschauer Stadtratswahlen — 40 Prozent jüdische Wähler, aber nur 27 jüdische von insgesamt 120 Mandaten Warschau, 24. Mai. (JTA.) Das Endresultat der am Sonntag durchgeführten Wahlen zum Warschauer Stadtrat liegt nun vor. Rund 400 000 Wähler, 68 Prozent aller Wahlberechtigten, schritten zur Urne. Die jüdische Wählerschaft macht fast 40 Prozent der Gesamtwählerschaft aus, dennoch haben die Juden infolge der eigentümlichen Aufstellungen der Wahllisten, auf welche zahlreiche jüdische Wähler einfach nicht gesetzt worden sind, von den vorhandenen 120 Sitzen nur 27, also 22 Prozent, erhalten. Zahlreiche jüdische Wähler warteten den ganzen Tag vor den Wahllokalen, bis sie endlich erfuhren, daß sie auf der Liste fehlen. Auf die einzelnen jüdischen Listen entfielen: Rechte Poale Zion: 689 Stimmen, kein Mandat; Jüdische sozialistische Arbeiterpartei „Bund“: 19 875 Stimmen, 7 Mandate; Jüdische Hausbesitzer: 2549 Stimmen, kein Mandat; Hitachduth: 939 Stimmen, kein Mandat; Jüdisch-nationaler Block: 39 392 Stimmen, 15 Mandate; Poale Emuneh Jisroel (Agudah-Arbeiterschaft): 5822 Stimmen, 2 Mandate; Folkisten (Prilutzki-Litze): 2104 Stimmen, kein Mandat; Linke Poale Zion: 7882 Stimmen, 3 Mandate. Außerdem wurden auf verschiedene jüdische Listen Stimmen abgegeben. Im ganzen wurden rund 100 000 jüdische Stimmen abgegeben, d. s. 50 Prozent der jüdischen Wählerschaft, während von den Nichtjuden 70 Prozent ihr Wahlrecht ausübten. Von den abgegebenen rund 400 000 Stimmen wurden 329 217 für gültig erklärt; die auf die nicht anerkannte kommunistische Liste abgegebenen etwa 65 000 Stimmen wurden für ungültig erklärt. Antisemitische Ausschreitungen in Posen Lodz, 1. Juni. (JTA.) Lodzer Kaufleute, die soeben aus Posen zurückkehrten, teilen mit, daß sich die antisemitische Propaganda im Distrikt Posen abermals sehr verstärkt hat. Auf die Gerüchte hin, daß die Regierung bereit sei, die Vorschrift der Zwangssonntagsruhe zugunsten der Juden zu piildern, setzte eine spontane Hetze ein, die wiederholte Überfälle auf die Juden zur Folge hatten. Der Warschauer Kaufmann Hilirowicz wurde schwer verletzt und in bedenklichem Zustand in das Krankenhaus überführt. Nicht unbedenkliche Verletzungen trug der Kaufmann A. Warszawski davon. Sehr scharf wird auf den Eisenbahnen gegen die Juden gehetzt. In Posen und im ganzen Bezirk werden Massenversammlungen gegen die Milderung der Sonntagsruhe-Vorschriften zugunsten der Juden abgehalten. Abermals schwere antijüdische Excesse in Bukarest Bukarest, 1. Juni. (JTA.) Sämtliche Bukarester Zeitungen bringen ausführliche Berichte über schwere antisemitische Ausschreitungen rumänischer Studenten, die sich am letzten Sonntag abend in den Hauptstraßen von Bukarest ereignet haben. In geschlossenen Reihen zogen die Studenten vom Studentenheim aus durch die Straßen und verprügelten jeden, der irgendwie „jüdisch“ aussah. Beim Bierhaus „Carpathia“ wurde der große Studententrupp von der inzwischen alarmierten Gendarmerie aufgehalten. In der Calea Victoriei kam es zwischen den Studenten und der Gendarmerie zu einem Zusammenstoß, als die Demonstranten einer Aufforderung des Militäranwalts Oberstleutnant Dinescu, in Ruhe auseinanderzugehen, nicht Folge geleistet hatten und gegen die Gendarmen aggressiv vorgingen. Bei dem Zusammenstoß wurde mehreren Soldaten das Gewehr vom Arm gerissen. Wie das Regierungsorgan „Indreptarea“ meldet, vergriffen sich die Studenten sogar an dem Militäranwalt Dinescu. Schließlich wurden die Studenten zersprengt, jedoch als kleinere Trupps durchzogen sie mehrere Gassen und schlugen jüdische Passanten nieder. 15 Studenten wurden auf Befehl Dinescus festgenommen, unter ihnen auch der bekannte hakenkreuzlerische Führer Tudore Popescu. Wie die Bukarester Zeitungen weiter melden, habe die Regierung beschlossen, die verhafteten

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