Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 23 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103079-9156817--07805-9080541- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
366 Das Jüdische Echo Nr. 23 BADE ARTIKEL SPORTHAUS Schuster Rosenstraße 6 / München Katalog kostenlos von Baron Hirsch — ihren Schützlingen die Möglichkeit einer Existenz durch Arbeit zu verschaffen. Zahlreiche Kolonisten, die früher ihren Boden verließen, bitten jetzt die JCA-Verwaltung, ihnen die alten Grundstücke wieder zu geben. In keinerlei Hinsicht sind die Montefiore-Kolonisten schlechter gestellt als die benachbarten Kolonisten, die infolge ihrer Arbeitsamkeit und rationellen Bodenbearbeitung gute Resultate erzielen. In finanzieller Hinsicht ist die Lage der Montefiore-Kolonisten sogar eine bessere. Es bestehe also kein Grund anzunehmen, daß die Kolonisten, die ernst arbeiten wollen und den von der JCA gestellten landwirtschaftlichen Sachverständigen folgen, nicht zu ebenso guten Resultaten wie die jüdischen Kolonisten in den anderen Kolonien kommen sollten. Tagung der jüdischen Volkspartei Frankfurt a. M., 1. Juni. (JTA.) Auf Einladung der Gemeindekommission der Zionistischen Vereinigung für Deutschland versammelte sich in Frankfurt a. M. eine große Anzahl aus Rheinland- Westfalen,. Hessen-Nassau, Baden und den angrenzenden Öebieten stammende Vorsteher und Repräsentanten jüdischer Gemeinden, die der Jüdischen Volkspartei angehören. Zum Vorsitzenden der Tagung wurde Rechtsanwalt D r. Klee (Berlin) gewählt. Das Präsidium bestand ferner aus den Herren Justizrat Bodenheimer (Köln), Rechtsanwalt Dr. Pfälzer (Weinheim), Fritz Sondheimer (Frankfurt a. M.), Rechtsanwalt Baum, Lehrer Steinhardt (Magdeburg), Direktor Kareski (Berlin) und Frau Loew-Tachauer (Würzburg). Auf der Tagesordnung standen Referate der Herren Dr. Klee und Kareski über das Verhältnis zu den anderen Organisationen, des Rechtsanwalts Dr. Kollenscher über „Reichsverband und Judengesetz“ und des Rechtsanwalts Dr. Emmerich (Frankfurt a. M.) über Frankfurter Fragen. Ein Referat des Herrn Kurt Blumenfeld mußte leider ausfallen, da Herr Blumenfeld im letzten Moment am Erscheinen verhindert war. Die sehr eingehenden Debatten ergaben eine Übereinstimmung in einer Reihe wichtiger Fragen. Es wurden folgende Resolutionen angenommen: I. Resolution Klee: Die Tagung drückt ihren stärksten Unwillen darüber aus, daß in der größten Gemeinde Deutschlands immer noch nicht die aus den Wahlen vom Mai 1926 hervorgegangene Repräsentantenversammlung ihre Arbeiten hat aufnehmen können. Da die Arbeit der Berliner Gemeinde für das ganze Deutsche Reich von entscheidender Wichtigkeit ist, verdient die Tätigkeit der Liberalen Partei, die bis heute die Arbeiten verhindert hat, schärfste Mißbilligung. II. Resolution Kollenscher: Die Tagung verlangt vom neuen preußischen Judengesetz die unbeschränkte Gleichberechtigung aller Juden ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigkeit, die Beseitigung des Rechtes auf Austritt aus den Gemeinden und damit die Beseitigung des Rechtes auf Bildung neuer Personal-Gemeinden, weiter das gesetzliche Erfordernis auf die Zugehörigkeit aller Gemeinden zu einem Landesverbände. III. Resolution Kollenscher: Die Tagung macht es den der Jüdischen Volkspartei angehörenden Funktionären in den Gemeinden und Verbänden zur unbedingten Pflicht, für die Schaffung einer Reichsorganisation einzutreten, die eine auf demokratischer Grundlage gewählte Reichstagung als Bundesversammlung besitzt. Sie empfiehlt aus praktischen Gründen den Weg über die vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund am 23. Januar 1921 beschlossene Verfassung. IV. Resolution Klee und Sondheimer: Die Tagung fordert alle Teilnehmer auf, wo immer es tunlich erscheine, in ihren Gemeinden Anträge auf Förderung des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth oder andere Palästinazwecke zu stellen. V. Resolution Grünstein und Sondheimer: Die Tagung fordert alle Vertreter der Jüdischen Volkspartei auf, gemäß der Aufforderung des Hauptbüros des Keren Kajemeth in Jerusalem die Eintragung der Gemeinden in das Goldene Buch im Jubiläumsjahr durchzuführen. Anregungen der Herren Steinhardt (Magdeburg) und Rechtsanwalt Simon (Frankfurt a. M.) auf Einsetzung einer Programmkommission erledigten sich dadurch, daß der Vorsitzende Rechtsanwalt Dr. Klee die Neubearbeitung des bei den Berliner Wahlen aufgestellten Programms in Aussicht stellte. Am Abend fand im Anschluß an die Tagung eine Kundgebung statt, die von annähernd 1000 Personen besucht wurde. Es sprachen die Herren Rechtsanwalt Dr. Klee, Dr. Kollenscher, Fritz Sondheimer (Frankfurt a. M.), Lehrer Steinhardt (Magdeburg) und Direktor Kareski (Berlin) unter stürmischer Zustimmung der Versammlung. Aus der jüdischen Welt Preußenverband und Lehrererziehung In der vorigen Woche tagten sowohl die beiden Unterrichtsausschüsse wie der konservative Kultusausschuß. Der konservative Unterrichtsausschuß wählte Rabbiner Dr. Rosenthal (Köln) zum Vorsitzenden, Bruno Galewski (Berlin) zum Stellvertreter. Hauptpunkt der Tagesordnung war die Errichtung der pädagogischen Simultanakademie in Frankfurt. Die Berufung des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz zum Dozenten für jüdische Religionswissenschaft wurde warm begrüßt und beschlossen, ihn bei der Ausbildung der Religionslehrer in jeder Weise zu unterstützen. Die Vertreter der jüdischen Religionslehrer forderten, daß deren Ausbildung in Zukunft zwecks Gleichstellung mit den Volksschullehrern auch auf die Akademie nach bestandenem Abiturientenexamen zu verlegen sei. In die Prüfungskommission für Kantoren wurde auf Antrag des Kantorenverbandes ein Musikgelehrter berufen. — Die staatliche Subventionierung jüdischer Schulen soll angeregt werden. In Zukunft sollen die beiden Unterrichtsausschüsse über alle nichtreligiösen Fragen gemeinsam beraten. Der konservative Kultusausschuß wählte zum Vorsitzenden Rabbiner Dr. IJoffmann (Breslau),