Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 23 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- Seite 365 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 365 Die argentinisch»jüdische Kolonisation Buenos Aires, 14. Mai (JTA.) Der in Rivera stattfindende Kongreß der jüdischen Kolonisten Argentiniens erörterte am zweiten Sitzungstage eingehend die Beziehungen zwischen den jüdischen Kolonien in Argentinien und der Jewish Colonisation Association in Paris. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß die JCA durch ihr Verhalten klar beweise, daß sie die Rechte der Kolonisten nicht anerkennen wolle, weshalb der Kongreß Maßnahmen zur Bekämpfung der Politik der JCA empfiehlt. Das Exekutivkomitee der Föderation der jüdischen Landwirte wird ersucht, die jüdischen Institutionen in Europa und Nordamerika zur Entsendung einer Kommission nach Argentinien gemäß dem Plane des verstorbenen Leon Chasanowitsch zwecks Prüfung der Lage der Kolonisten und des Kolonisationssystems der JCA zu veranlassen. Es wurde ferner die Entsendung einer Kolonisten-Abordnung nach Paris zwecks Besprechungen mit der JCA beschlossen. Die JCA ist insbesondere zu ersuchen, die Bedingungen der Ansiedlung in der Montefiore-Kolonie in Übereinstimmung mit den Forderungen der Kolonisten zu regeln oder die Kolonisten auf geeigneteren Boden zu bringen. Paris, 3. Juni. (JTA.) In der jüdischen Presse erschienen Mitteilungen über bestehende große Schwierigkeiten in der von der JCA begründeten jüdischen Kolonie „Montefiore“. Die Kolonisten seien — so hieß es — zwecks Durchsetzung ihrer Forderungen bei der JCA in den Hungerstreik getreten. Zu diesen Vorgängen äußert sich die Leitung der Jewish Colonisation Association (JCA) in einer Erklärung an die Jüdische Telegraphen- Agentur, die besagt: Die Einrichtung des Gutes „Montefiore“ in Argentinien wurde im Jahre 1912 in Angriff genommen, nachdem hervorragende Experten, wie der Chef des Landwirtschafts-Departements der Zionistischen Organisation in Palästina, Ettinger, und der bekannte Gelehrte und frühere Professor an der landwirtschaftlichen Hochschule von Buenos Aires, N. Holman, die Erwerbung empfohlen haben. Die JCA ließ durch ihren agronomischen Stab die Kolonisationsmöglichkeiten in diesem Landstrich untersuchen; es wurde einstimmig aherkannt, daß sich der Boden für landwirtschaftliche Kultur und Viehzucht bestens eignet und daß der Kolonist bei einer rationellen Bearbeitung von 75 ha sein Auskommen haben würde. Die ersten dort angesiedelten Kolonisten widmeten sich auf eigene Verantwortung der Viehzucht, da die Kriegsjahre eine gute Konjunktur hierfür boten. Als aber 1920 die Krisis auf dem Viehmarkt ausbrach, stand ein großer Teil der Kolonisten vor dem wirtschaftlichen Ruin. Als dann die argentinische Regierung neues Siedlungsland in der Chaco zu billigen Konditionen anbot, zogen tausende Familien in diese Gegend, unter ihnen viele der „Montefiore“-Kolonisten. Um die Kolonisten vor den traurigen Resultaten einer falschen Handlungsweise zu schützen, hat die JCA den Bodenpreis in Montefiore herabgesetzt und einen großen Teil der geschuldeten Zinsen annulliert, ebenso die Kontrakttermine erweitert und die Schuld jedes einzelnen um 3000 Pesos vermindert. Die normalen Jahreszahlungen jener Kolonisten, die mindestens 50 ha ihres Grundbesitzes angebaut hatten, wurden auf die Hälfte vermindert. Trotz all dieser Ermutigungen gaben viele Kolonisten ihre Pläne der Ansiedlung in der Chaco nicht auf. Das Landwirtschaftsjahr in der Chaco gestaltete sich aber sehr unglücklich, so daß man in ganz Argentinien wegen Schaffung eines Fonds zwecks Erlösung der jüdischen Bauern, unter ihnen auch der Montefiore-Leute, appellieren mußte. Ende 1924 hat die JCA neue Kolonisten in Montefiore angesiedelt. Diese hätten gewiß Erfolg gehabt, wenn sie nach Programm gearbeitet hätten. Sie genossen besondere Privilegien, die JCA bestritt einen großen Teil ihrer Reisespesen und gab ihnen das Land in guter Form mit allem Zubehör, wie Häusern, Werkzeugen, lebendem Inventar, landwirtschaftlichen Maschinen usw. Zum Unglück wurde die Kolonie Montefiore in den beiden letzten Landwirtschaftssaisons von Trockenheit und Heuschrecken heimgesucht, wie dies auch bei den benachbarten Kolonien der Fall war, ohne daß diese sich zu entwickeln aufgehört haben. Die JCA ermutigte die Kolonisten, indem sie auf alle Zahlungen verzichtete und größere Summen zur Verfügung stellte. Die Kolonisten haben von den je 75 ha nur 40 bearbeitet; man könne also nicht sagen, daß sie zu wenig Land haben. Eine Anzahl Kolonisten scheut die Anstrengungen des Getreideanbaus und widmet sich der Viehzucht, wozu weit mehr Boden erforderlich ist. Das Ziel der JCA ist aber nicht, jemanden zu Reichtum zu verhelfen, sondern — im Sinne des Vermächtnisses ' L. KIELLEUTHNER' Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpreislage: Mk. 180.^ bis Mk. 250.- Kein Anzug über Mk. 280-- V.__J