Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 21 (27.5.1927)
- Date
- 1927-05-27
- Page
- Seite 338 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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338 Das jüdische Echo / Blätter für die jüdische Frau Nr. 21 zucht, die Pflege von Baumsetzlingen und Blumen und Hauswirtschaft. Nach zwei Jahren verlassen sie die Farm, um Platz für neue Chaluzoth zu machen. Die Mädchenfarmen haben keine besondere Administration, sondern werden von den Mädchen selbst mit Hilfe erfahrener Arbeiterinnen geleitet, die sich für diese Sache zur Verfügung gestellt haben und gemeinsam mit den Chaluzoth auf gleicher Basis leben. Auf diese Weise wird das Verantwortlichkeitsgefühl und die Initiative der Mädchen entwickelt und letztere zu wertvollen Mitgliedern der Kwuzoth und Moschawe Owdim erzogen, in die sie nach beendeten zwei Jahren übergehen. Die Mädchenfarmen erhalten sich aus dem Verkauf ihrer Erzeugnisse ohne Defizit. Trotz aller Bemühungen, einen möglichst großen Teil der Chaluzoth aufs Land und in landwirtschaftliche Arbeit zu überführen, ist es klar, daß es neben den Tausenden von Arbeitern in den Städten auch Tausende von Arbeiterinnen geben muß, und es ist daher von größter Wichtigkeit, den Chaluzoth die Erlernung städtischer Berufe zu ermöglichen. Gegenwärtig ist die Lage der Arbeiterinnen i n den Städten sehr schwer: Nach Berufen sind sie wie folgt eingeteilt: Ungefähr 700 Schneiderinnen, Stickerinnen, Modistinnen usw., deren Verdienst sehr niedrig ist, da sie meistens keiner Gewerkschaft angehören und daher keinerlei Schutz genießen. Nur die wenigen wirklich tüchtigen Schneiderinnen verdienen bis 40 Piaster pro Tag. Das Arbeitsdepartement hat in diesem Jahre den Versuch gemacht, die Arbeitsbedingungen in diesem Berufe durch Schaffung von Kooperativen in Tel-Awiw, Haifa, Acco, Rishon-le- Zion usw. zu bessern. In Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa bestehen auch Schneidereiwerkstätten, die von den lokalen Frauenorganisationen mit Hilfe von Beiträgen geleitet und erhalten werden. In gewissen Stadtteilen Jerusalems, wo sich Immigranten aus dem Osten: Bagdad, Jemen usw. niedergelassen haben, hat sich eine Heimindustrie orientalischer Stickereien entwickelt, die gegenwärtig 60 Familien beschäftigt. Es besteht Aussicht, diese Heimindustrie in größerem Maßstabe auszubauen, die Arbeitslöhne sind aber sehr niedrig. Ungefähr 500 Mädchen arbeiten in Fabriken: Zigaretten (Lubliner, Maspero, Karaman, Dick & Salty); Zündhölzchen (Nur, Akko); Kartonnage; Mazzoth und Biskuits (Grand Moulins de Palestine); Textil- und Wirkwaren; einige Arbeiterinnen sind in der Seifenfabrik „Shemen“ beim Packen und in der Zementfabrik „Nesher“ mit dem Nähen von Säcken beschäftigt. In der Zigaretten-, Zündhölzchen- und Kartonnagenindustrie werden die Arbeiterinnen sehr schlecht bezahlt; 10 Piaster pro Tag Private kaufmännische Kurse Fernruf 23 6 99 ■■■■ Gegründet1879 RUDOLF DUKUV MÜNCHEN Inhaber und Leiter Diplom-Kaufmann R. Bürck. Jeden Monat beginnen neue Kurse. Beste Referenzen. Auskunft und Anmeldung Prinz-Ludwig-Str. Nr. 3/1, neben der Tonhalle ist der Durchschnittslohn.' Der Tageslohn in den anderen Fabriken beträgt 20^-25 Piaster. Die Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Konkurrenz auf seiten der Arbeiterinnen hat bis jetzt jede Aktion zwecks Hebung des Lohnstandards in den Fabriken sehr erschwert. Hierzu kommt, daß die meisten Fabrikarbeiterinnen nicht organisiert sind und die Arbeitgeber nicht nur gegen ihren Beitritt zur allgemeinen Arbeiterorganisation sind, sondern ihn in vielen Fällen auch verhindern. Im allgemeinen kann die Lage der Fabrikarbeiterinnen in Erez Israel mit der verglichen werden, die vor ungefähr dreißig Jahren in Industrieländern wie Deutschland und England herrschte. Es gibt keine Schutzgesetze für Frauen in der Industrie. Es ist von Interesse, daß einerseits unter dem Drucke der herrschenden Arbeitslosigkeit, anderseits infolge des Strebens der Chaluzoth, produktive Arbeit zu leisten, es Frauen gelungen ist, in neue Berufe einzudringen. Beim Bau sind Arbeiterinnen nicht nur bei verschiedenen Nebenarbeiten beschäftigt, sondern sie haben auch wirkliche Handwerke, wie Maurerei, Verputzarbeit, Anstreicherei, Fliesenlegen, Glaserei, Steinmetzerei, Zementblockerzeugung usw. erlernt. Zirka 150 Arbeiterinnen sind jetzt in diesen Berufen beschäftigt. Ferner arbeiten Mädchen in Druckereien und Buchbindereien, in Schuh- und Möbelwerkstätten. In den Büros der Regierung, der nationalen Organisationen usw. sind ungefähr 400 weibliche Beamte beschäftigt. In diesem Berufe wäre es möglich, mehr Mädchen unterzubringen, doch fehlen den meisten Neuankommenden die entsprechenden Sprachkenntnisse. In Spitälern, Kliniken und bei Privatärzten sind zirka 400 Krankenschwestern und Pflegerinnen tätig. Es gibt etwa 10 0 Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen. Annähernd 200 Mädchen arbeiten in Hotels, Restaurants und Arbeiterküchen. Stellen in den Arbeiterküchen sind sehr gesucht, da sie die Mädchen in direkte Verbindung bringen mit dem Leben der Arbeiter im Lande. Zur Vervollständigung des Überblickes über die Berufsverteilung unter Frauen muß noch erwähnt werden, daß Frauen in allen freien Berufen tätig sind. Es gibt Ärztinnen und Zahnärztinnen, Apothekerinnen, Schauspielerinnen und Sängerinnen, Schriftstellerinnen, Photographen, Advokaten, Zeichnerinnen und sogar weibliche Ingenieure und Architekten, so daß es kaum einen Beruf gibt, in den die Frau in Erez Israel nicht eingedrungen ist. Das Jubiläum eines Frauenwerkes Es sind heuer 15 Jahre her, daß dank der Arbeit amerikanischer Frauen das große Hilfswerk für Krankenpflege „Hadassah“ in Palästina begründet wurde. Gegenwärtig werden von der „Hadassah“ vier Krankenhäuser mit Armenapotheken, vierzehn Kinderfürsorgestationen, neun Kliniken für Wöchnerinnen und eine Reihe fliegender Gesundheitsstellen sowie ein Röntgeninstitut unterhalten. Kinder werden mit Schulfruhstück versehen, Pflegerinnenkurse abgehalten. Besonders Großartiges leistet sie im Kampf gegen Trachom- und Malariaseuchen. Vor einigen Wochen wurde das Nathan und Lina Strauß-Gesundheitszentrum mit einem Kostenaufwand von 250 000 Dollar errichtet. An der Spitze der Organisation steht Henriette Szold, die heute 66 Jahre alt ist. Vorigen Monat feierte sie im Kreise ihrer Mitarbeiterinnen in New