Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 21 (27.5.1927)
- Date
- 1927-05-27
- Page
- Seite 337 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Blätterfürdie jüdische Frau 1927 München, 27. Mai Mr.6 Die Arbeiterin in Erez Israel Von Hedwig Gellner Mit wissenschaftlicher Exaktheit entrollt in dem folgenden, auszugsweise wiedergegebenen Berichte des Arbeitsdepartements der Zionistischen Organisation eine Kennerin des palästinischen Frauenproblems ein packendes Bild vor unseren Augen. Hinter Ziffern und statistischen Resultaten, nüchternen Feststellungen und Daten wurden die Konturen eines unerhört neuen Typus der jüdischen Frau sichtbar, die mutig um ihren Platz in der Eroberergeneration kämpft. Die Leserinnen werden der Autorin für ihre Ausführungen, die nichts verschweigen oder verschönern, sondern das Leben der jüdischen Arbeiterin zeigen, wie es ist, dankbar sein. Zahlen. Im Laufe der letzten zwei Jahre ist die Zahl der eingewanderten Frauen im Verhältnis zur allgemeinen Einwanderung gestiegen. In den sechs Monaten Mai bis Oktober 1924 betrug sie 26.5 Prozent, in den folgenden sechs Monaten 31 Prozent, in den Monaten Mai bis Oktober 1926 betrug die Anzahl der Einwanderinnen 35 Prozent der Gesamtimmigration. Dies erklärt sich zum Teil aus dem Umstand, daß die Anzahl der einwandernden Familien während dieser Zeit viel größer war als in der vorhergehenden Periode. Es ist jedoch bemerkenswert, daß die Anzahl der unverheirateten Frauen über 16 Jahre, die im Mai bis Oktober 1924 nur 7 Prozent der Gesamtimmigration betrug, am Ende dieser zwei Jahre bis auf 19 Prozent gestiegen ist. Im ganzen wanderten in diesen zwei Jahren 7669 unverheiratete Frauen über 16 Jahre ein. Die Mehrzahl dieser Oloth kam, um im Lande zu arbeiten, und auch ein Großteil der verheirateten Frauen steht im Erwerbsleben. Gegenwärtig gibt es im Lande ungefähr 8000 Arbeiterinnen, von denen die Hälfte der allgemeinen Arbeiterorganisation angeschlossen ist. Diese Ziffer schließt nicht die Frauen der Arbeiter in den Städten ein, die sich nur mit ihrem Haushalt beschäftigen. Bildung. Die meisten Mädchen haben eine gute Schulbildung genossen. Von 4600 Arbeiterinnen, die letzthin statistisch erfaßt wurden, hat ungefähr die Hälfte die Mittelschule absolviert, die übrigen Volksschulen. Im allgemeinen besitzen die Neuangekommenen geringe Kenntnisse des Hebräischen, mit Ausnahme der Chaluzoth aus Litauen, die hebräische Schulen besuchten, und einigen anderen Ländern. Die hebräischen Abendkurse werden von Frauen stärker frequentiert als von Männern. Die Anzahl der Schülerinnen beträgt jetzt ungefähr 2500. Die Berufsverteilung. Ungefähr 2000 Frauen sind in der Landwirtschaft tätig, und zwar teils in Kwuzoth, Moschawe Owdim und Arbeiterinnenfarmen, teils in den alten Kolonien als Mitglieder von Lohnarbeitergruppen und als alleinstehende Arbeiterinnen. In den landwirtschaftlichen Kwuzoth und in den Moschawe Owdim beläuft sich die Anzahl der arbeitenden Frauen auf 45—50 Prozent. Sie sind hauptsächlich bei der Pflege der Kinder, in der Hauswirtschaft und in den kleinlandwirtschaftlichen Zweigen, wie Gemüsebau, Milchwirtschaft, Geflügelzucht usw., tätig. Das Leben in den Kwuzoth bringt es mit sich, daß die Frau Seite an Seite mit dem Mann auch auf allen anderen Gebieten der Landwirtschaft mitarbeitet und an dem Aufbau des Gemeinschaftslebens tätigen Anteil nimmt. Diese größere Anteilnahme an den wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben der Kwuzoth seitens der Frau wird durch die gemeinschaftliche Pflege und Erziehung der Kinder ermöglicht, bei der nur ein Teil der Mütter beschäftigt ist, während die übrigen für andere Arbeiten frei sind. In den Moschawe Owdim sind die Frauen durch die individuelle Pflege der Kinder und durch die Arbeit im Haushalt und im Hofe mehr an das Haus gebunden. In der letzten Arbeiterinnenkonferenz in Tel- Awiw entstand eine lebhafte Debatte über die Frage, wie es den Frauen in den Moschawe Owdim ermöglicht werden könnte, ihre Pflichten gegenüber ihren Kindern zu erfüllen und gleichzeitig regeren Anteil zu nehmen an dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben der Gemeinschaft; gemeinsame Tagesheime für Kinder wurden gefordert. Die Situation der Arbeiterin in den alten Kolonien ist sehr schwierig, hauptsächlich aus dem Grunde, weil sich dort der Glaube an die Arbeitskraft der Frau noch nicht durchgerungen hat. Die Anzahl der beschäftigungslosen Arbeiterinnen in den Kolonien ist daher sehr gewachsen, obwohl es gerade in den großen und blühenden Pflanzungen Arbeit für Hunderte von Chaluzoth gibt, zum mindesten während sechs Monaten des Jahres. Gegenwärtig werden für die für Chaluzoth geeigneten Arbeiten, wie Bewässerung, Pflege der Bäume, Pflücken der Früchte usw., arabische Frauen und Kinder verwendet, die einen Tageslohn von 4—5 Piastern erhalten. Um dieses Arbeitsgebiet, das sich von Jahr zu Jahr ausbreitet, in dem Maße, als neue Pflanzungen angelegt werden, den arbeitslosen Chaluzoth in Stadt und Kolonie zugänglich zu machen, wurde kürzlich mit der Organisation von Arbeiterinnengruppen begonnen, denen durch gemeinsamen Haushalt die Übernahme dieser Arbeiten ermöglicht werden soll. Gleichzeitig soll diesen Gruppen durch kleine Hilfswirtschaften Möglichkeit zu teilweiser Eigenversorgung gegeben werden. Solche Hilfswirtschaften müssen auch bei den Arbeiterkibutzim und Chavuroth in den Kolonien errichtet werden, um die Lage der Mädchen und der Chavuroth selbst zu erleichtern. Diese Hilfswirtschaften dienen auch in einem gewissen Maße als Ausbildungsstätten der Chaluzoth. Eine Vorbedingung für diese Hilfswirtschaften ist natürlich ein entsprechendes Stück Boden. Praktische Ausbildung in landwirtschaftlicher Arbeit erhalten Chaluzoth in den fünf Mädchenfarmen: Nahlath-Jehuda, Schchunat-Boruchow, Petach-Tikwah, Jerusalem und Chedera, von denen die zwei ersteren von dem Kolonisationsdepartement, die drei anderen von diesem Departement gemeinsam mit dem Arbeitsdepartement finanziert wurden. Die Mädchen erlernen als Arbeiterinnen Gemüsebau, Milchwirtschaft, Hühner- und Bienen-