Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 21 (27.5.1927)
- Date
- 1927-05-27
- Page
- Seite 335 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 Das Jüdische Echo 335 Heranbildung geschlossener jüdischer Erzieher- Persönlichkeiten zu fördern.... Die Orthodoxie ist überzeugt, daß es ohne allzu starke Inanspruchnahme von Staatsmitteln in absehbarer Zeit möglich sein muß, eine orthodox-jüdische Akademie, die nur für Juden bestimmt ist, in Anlehnung an Köln und Bonn zu schaffen, und es wäre gefährlich, die Erreichung dieses Zieles durch die Hinnahme von Halbheiten zu gefährden.“ Neue nationalsozialistische Ausschreitungen Berlin, 20. Mai. (JTA.) Im Anschluß an eine infolge des Verbots allgemeiner nationalsozialistischer Kundgebungen als „Wählerversammlung“ deklarierte Kundgebung, in der die nationalsozialistischen Abgeordneten Diedrich und Haake, sowie Dr. Goebbels sprachen, zogen zwei Trupps Nationalsozialisten über den Alexanderplatz durch die Königstraße und rempelten zahlreiche jüdische und nichtjüdische Passanten an. Als das Überfallkommando eintraf, flüchteten die Rowdys auf Autobus und Straßenbahn. Der Polizeivizepräsident Dr. Bernhard Weiß wurde, als er im Auto mit mehreren Polizeioffizieren beim Böhmischen Brauhaus in der Landsberger Allee, wo die Versammlung abgehalten wurde, eintraf, mit höhnischen Zurufen, wie „Isidor“ usw. empfangen. Einer der Rufer konnte festgenommen werden und wurde vom Schnellrichter zu drei Tagen Gefängnis bei sofortigem Strafantritt verurteilt. Eine größere Gruppe Nationalsozialisten störte eine vom Kreisverein Tiergarten des Reichsbanners veranstaltete Versammlung, in der auch der vor kurzem von den Nationalsozialisten schwer verletzte Pfarrer Stucke sprach, durch schwere Provokationen. An den Ausgangstüren des Saales kam es zu weiteren Zwischenfällen, wobei 3 0 Nationalsozialisten von der Polizei verhaftet und der Abteilung IA des Polizeipräsidiums zugeführt wurden. Schändung des Andenkens an jüdische Kriegsopfer Berlin, 22. Mai. (JTA.) Aus Stuttgart wird telegraphiert: Bei der Einweihung eines Denkmals des 77. württembergischen Regiments am 8. Mai wurde u. a. auch vom Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten ein Kranz niedergelegt. Auf der Schleife befand sich die Aufschrift: „Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Stuttgart“. In der vergangenen Nacht wurde die Schleife abgeschnitten. Mit dem 7. Regiment sind im Weltkriege 39 jüdische Soldaten ausmarschiert, von denen 11 gefallen sind. Im Zeichen des 15. Zionistenkongresses Berlin, 18. Mai. (JTA.) Der am 30. August in Basel beginnende 15. Zionistenkongreß, auf dem es voraussichtlich zu einer entscheidenden Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Richtungen im Zionismus besonders in den Fragen der Jewish Agency, der Außenpolitik und des neuen Wirtschaftsprogramms in Palästina kommen wird, wirft schon jetzt seine Schatten voraus. Der Auftakt zur Auseinandersetzung im Hinblick auf die bevorstehenden Kongreßwahlen geschah in Berlin, wo gegenwärtig führende zionistische Persönlichkeiten aller zionistischen Richtungen weilen. Am Montag, den 16. Mai, fand in den Sophiensälen im Norden Berlins eine von den radikalen Zionisten arrangierte Versammlung statt, in der Sejmdeputierter Jizchak Grünbaum, Warschau, der Hauptredner war. Am Dienstag, den 17. Mai, wurde im Westen Berlins, im Logenhaus Kleiststraße, eine von der Berliner Zionistischen Vereinigung arrangierte Versammlung abgehalten, in der der bekannte Orientschriftsteller Dr. v. Weisl, ein Führer der Zionisten-Revisionisten, sprach. In beiden Versammlungen traten als Diskussionsredner auf die führenden Persönlichkeiten im Zionismus, der Präsident der Z. V. f. D. Herr Kurt Blumenfeld, Dr. Bileski und Dr. Förder, die die Weizmannsche Richtung vertraten, W. Jabotinsky und Richard Lichtheim von der Partei der Zionisten-Revisionisten, Dr. M. Soloweitschik und Dr. Nahum Goldmann, die Führer der radikalen Zionisten. In beiden Versammlungen platzten die Meinungen scharf aufeinander, die Stimmung war oft sehr erregt. Konferenz der oppositionellen zionistischen Presse Berlin, 17. Mai. (JTA.) Am 15. und 16. Mai fand in Berlin eine Konferenz von Vertretern der oppositionellen zionistischen Presse statt zur Beratung der gegenwärtigen Lage im Zionismus. An der Konferenz, die von den Herren Dr. M. Soloweitschik und Richard L i c h t h e i m geleitet wurde, nahmen Vertreter zionistischer Zeitungen sowie zionistische Publizisten aus folgenden Ländern teil: Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Österreich, Palästina, Polen, Rumänien und Tschechoslowakei. Nach einer eingehenden Debatte über die wichtigsten Probleme der gegenwärtigen zionistischen Situation wurde die Auffassung der Konferenzteilnehmer in einem einstimmig angenommenen Kommunique niedergelegt, das scharfe Kritik an der Leitung der zionistischen Organisation, vor allem an der Jewish-Agency-Politik übt und neue Methoden zionistischer Tätigkeit verlangt. 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