Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 20 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- Seite 321 (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 321 geuner, die sich an der Hetze beteiligt hatten, angegriffen haben. Die Anklage gegen die Christen lautet auf Teilnahme an öffentlichen Ausschreitungen. Es werden sehr viele Zeugen vornommen. Aus der Vernehmung gewinnt man den Eindruck, daß die Hetze seinerzeit so gefährliche Formen annahm, daß das Leben der Judenschaft von Dobszyn schwer bedroht war. Christliche Zeugen berichten, man hätte ihnen mit dem Tode gedroht, falls sie zugunsten der Juden aussagen würden. Der Prozeß wird einige Tage in Anspruch nehmen. Erklärung Louis Marshalls über die Zusammensetzung der Kommission für Palästina New York, 13. Mai. (JTA.) In einer Mitteilung an die Jüdische Telegraphen-Agentur gab Herr Louis Marshall heute die Zusammensetzung der Kommission bekannt, die sich gemäß dem Abkommen zwischen ihm und Dr. Weizmann betreffend die Jewish Agency nach Palästina begeben wird. Der engeren Kommission werden Sir Alfred Mond, Felix M1. Warburg und Dr. Lee K. Frankel, der Vizepräsident der Metropolitan Life Insurance Company, angehören. Dieser Kommission wird ein Stab von Sachverständigen beigegeben sein, der sich aus den folgenden Persönlichkeiten zusammensetzen wird. Professor Elwood Mead, die bekannte Autorität auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Kolonisation, jetzt Leiter der Urbarmachungskommission im Staatssekretariat des Innern der Vereinigten Staaten; Professor Frank Adams, der Inhaber des Lehrstuhls für Geologie an der McGill-Universität in Montreal; Knowles Ryerson; A. T. Strahorn; C. C. Henriques, der Sachverständige für Bewässerungswesen bei der palästinsischen zionistischen Exekutive; Victor Mosseri; Professor Milton J. Rosenau, der Inhaber des Lehrstuhls für Prophilaxe und Hygiene an der Harward-Universität; Dr. Charles F. Wilinsky; Dr. Ernest Kahn; Dr. Maurice B. Hexter. Eine einheitliche jüdische Liste bei den Stadtratswahlen in Haifa Nach langen Bemühungen ist es nunmehr gelungen, auch in Haifa eine einheitliche jüdische Liste für die Kommunalwahlen aufzustellen. Die Hauptschwierigkeit lag darin, daß die Arbeiter einen Vertreter verlangten und Haifa überhaupt nur zwei jüdische Vertreter zu wählen hat. Auf Grung langer Beratungen und Intervention des Waad Leumi einigte man sich auf die beiden Kandidaten Schapsai Levy, bisheriges Mitglied des Gemeinderates, und David Kahn, Leiter des Solei Boneh in Haifa. Da eine jüdische Gegenliste nicht überreicht wurde, gelten diese beiden jüdischen Kandidaten als gewählt. Bei den Mohammedanern und Christen, die auf je 4 Sitze Anspruch haben, gibt es 9 resp. 11 Kandidaten. (Ziko) Geplante Einführung des Metermaßsystems in Palästina Wie „Mischar Wetaasiah“ berichtet, bereitet die palästinische Regierung einen Vorschlag für Einführung des Metermaßsystems in Palästina vor, und zwar als Längen- und als Flächenmaß wie auch als Gewichtsmaß. Es wird erwartet, daß die Verordnung noch vor Ende des laufenden Jahres herauskommen wird. (Ziko) lillliu.ui ii Ü Ü' { Feuilleton |[ Jli llllill 1 1...Hfl i! Im Chassidim-Stübl Von Fabius Schach Ein kleiner, allzu bescheidener Raum — und strömt doch so viel Licht und Wärme aus. Vorn ist die heilige Lade und der Betpult, mitten das Almemor, um das sich Tische und Bänke gruppieren, und im Hintergrund offene Schränke mit vielen Büchern. Sonst ist kein Schmuck zu erblicken. Aber ein Geist ist hier, der alle Gegenstände belebt, sie mit seelischem Gehalt erfüllt. Es ist die Stätte, wo die Chassidim, die Anhänger der Lehre Rabbi Israel Baal Scherns, leben. Leben, mit der ganzen Seele und der Glut des Herzens leben und nicht nur beten. Hier verbringen sie ihre ganze freie Zeit, hier verleben sie ihre glücklichen Stunden. Es ist eine Art höheren Familienheims, das sie sich hier geschaffen haben. Je kleiner der Raum, desto größer die Intimität, je beschränkter der Kreis, desto größer die Herzlichkeit. Es sind 60—70 Männer, die zum „Stübl“ gehören _ verschieden nach Reichtum und Gelehrsamkeit, nach Herkunft und sozialer Stellung, aber verbunden durch eine gemeinsame beglückende Weltanschauung, durch eine tiefe religiöse Sehnsucht, die in allen lodert und ihnen eine neue Welt voll mystischer Herrlichkeiten öffnet. Das „Stübl“ führt den Namen des Zaddiks \ dessen Anhänger sic sind. Und dieser Rabbi, der fern weilt und ihnen seelisch doch so nahe ist, ist der große Wegweiser zum Himmel oben und unten (Gan eden hatachton), der gewaltige Führer durch die Wirrnisse des Lebens, der wie ein Vater alle liebt und alle ihre irdischen und göttlichen Interessen in seiner Hand hat. Er ist der Übermensch, wie ihn sich ein Nietzsche idealer nie hätte trämen können. Er 1 Westeuropäische Ignoranz und galizischer Aufklärungsdünkel nach Art Carl Emil Franzos übersetzten das Wort mit „Wunderrabbi“ und gaben damit ein gänzlich falsches Bild und einen unangenehmen Beiklang. Es gibt keine Wundertäter in Israel. Der Zaddik steht nur durch seine Frömmigkeit Gott näher und er schaut tiefer die inneren Zusammenhänge der Dinge. Er betet für seine Gemeinde und ist ihr Leiter und Berater — das ist alles. 3-'» XCCXXt£ % xff Joffturfcftitcr g>egr. 15Z4 jLfiftoIung @el. 20519 ^ef^erräffraße 14/15 OXf für 6ie ^eljaxtffreimRtxtng o II waren, § f o f f c , c p p x cft e u f n> .