Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 20 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- Seite 319 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 319 der Großloge zu ziehen, beschritten hat. Heute ist das- Problem komplizierter. Das Wandernmüssen ist ein Teil des schweren jüdischen Schicksals. Jetzt aber gibt es kein Einwanderungsland. Nordamerika ist versperrt, Südamerika und Kanada stehen nur gewissen Kategorien offen. Dennoch wissen wir —■ und wir sind verpflichtet es zu wissen — daß im Osten noch Überraschungen bevorstehen, die einen Strom der Wanderung in Bewegung setzen können. Unsere Interessen sind darum mit der vereinigten jüdischen internationalen Wanderfürsorgeorganisation Hias- Ica-Emigdirekt verbunden. Wir erleben jetzt das mittelalterliche Schicksal, daß man Juden, die sich zur Arbeit drängen, nicht zur Arbeit heranläßt. Im Bergwerkswesen und in der Landwirtschaft Deutschlands haben Ostjuden ihren Mann gestellt. Als aber dann im Ruhrkampf die ersten Entlassungen einsetzten, da mußten zuerst die Ausländer daran glauben. 12 000 bis 15 000 ostjüdische Bergwerksarbeiter mußten nach Belgien und Frankreich auswandern. Aber als auch dort Zechen geschlossen wurden, da wurden zunächst wieder die Ostjuden hinausgedrängt. In Deutschland wie im Ausland besteht ein gesetzliches Arbeitsmonopol für Inlandsarbeiter. So werden arbeitswillige Juden künstlich zum Händlertum gedrängt. Der Staat selbst fördert dadurch die unproduktiven Berufe. Wir wissen, daß es sich bei den jüdischen Arbeitssuchenden um ehrliche Elemente handelt. Von 22 000 Namen stehen nur 1800 auf der Warnungsliste. Jetzt ist das Problem der deutschjüdischen Wanderer, das früher abgeflaut war, wieder akut geworden. Bei 30 bis 40 Prozent aller Vorsprechenden handelt es sich um deutsche Juden. Dies liegt nicht allein in der allgemeinen Depression, sondern im besonderen Schicksal der Juden, in der Schwierigkeit für jüdische Arbeitslose, Arbeit zu finden. Die jüdischen Angestellten werden in Deutschland, in den Warenhäusern wie in den Banken boykottiert. Auch in Häusern, deren Direktoren Juden sind. Die Deutsche Bank in allen ihren Zweigen, die A. E. G., der Siemens-Konzern und andere große Betriebe stellen durchweg keine Juden ein. Der Boykott jüdischer Angestellter geht bis in die Kreise des Einzelhandels hinein. Der Boykott der jüdischen Angestellten fördert den Austritt aus dem Judentum. An beiden Enden bröckelt das Judentum ab: Die obere Spitze des Mittelstandes und die untere Spitze der Arbeiter — der beste und wertvollste Teil des Judentums — gehen verloren. Der Redner schloß: Es ist notwendig, eine sozialpolitische Verbindung mit den internationalen jüdischen Organisationen zu schaffen. Die Wanderer sollen produktiven Berufen zugeführt werden. Die Behörden sind zu überzeugen, daß der Staat sich selbst schadet, wenn er Arbeitswillige zum Händlertum zwingt. Die jüdischen Arbeitsnachweise sind auszubauen. Arbeitsstätten sind zu schaffen. Die Hilfe kann nur kommen durch jüdische Arbeit. Eugen Caspary stellte in seinem Referat das gesamte Arbeitsgebiet der Zentralwohlfahrtsstelle dar. Schließlich hielt S. Adler-Rudel ein Referat über die Schaffung von landwirtschaftlichen Arbeiterkolonien. Für Jeden Sport das große u. führende Fachgeschäft ,porthau‘fchuiter Rosenstraße 6 München 2C 7, nächst Marienpl. KATALO G E a) Bergu. Wintersport, b) Autou. Motorsport, c) Tennis d) Bade-Artikel, e) Turnen und Leichtathletik KOSTENLOS! Die Beschlüsse Nach ausführlicher, inhaltreicher Diskussion sind folgende Resolutionen angenommen worden: I. Die Mitgliederversammlung nimmt mit Interesse und Dank Kenntnis von den Leitsätzen, die von den Referenten der heutigen Hauptversammlung für die Produktivierung der jüdischen Wanderung in Deutschland vorgelegt wurden. Sie bittet den Vorstand, die vorgelegten Projekte der landwirtschaftlichen und gewerblichen Produktivierung und die Frage des Ausbaus des jüdischen Arbeitsnachweiswesens einer weiteren Prüfung und Beratung zu unterziehen und über deren Ergebnis die Mitglieder zu unterrichten. II. Die Mitgliederversammlung der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge gibt ihre Auffassung dahin kund, daß die zentrale Organisation des jüdischen Wan der- und Arbeitsnachweiswesens eine der wichtigsten sozialen Aufgaben der deutschen Judenheit darstellt. Eine wirksame Durchführung der Organisation ist nur bei einem entsprechenden Ausbau der Hauptstelle für Wanderfürsorge möglich. Hierbei ist eine Erweiterung des Budgets der Hauptstelle unumgänglich. Es erscheint deshalb als die Aufgabe der öffentlichrechtlichen Organisation der deutschen Judenheit, die Mittel für die Durchführung der zentralen Regelung der Wanderfürsorge und des Arbeitsnachweiswesens, insbesondere für die Kosten der Hauptstelle, nach dem Verhältnis ihrer Seelenzahl zur Verfügung zu stellen. In denjenigen Ländern, in denen die Finanzierung der Organisation durch die Vermittlung der Landesverbände noch nicht in genügendem Umfang durchführbar ist, sind die Provinzialkassen zu Beiträgen für die Hauptstelle heranzuziehen. Antisemitische Ausschreitungen Friedhofschändung in Regensburg Berlin, 12. Mai. (JTA.) Wie aus Regensburg gemeldet wird, wurden dort in der Nacht vom 7. zum 8. Mai auf dem israelitischen Friedhof vier Grabsteine umgeworfen. Der Friedhofwärter nahm die Beschädigungen wahr und gab einige Schreckschüsse ab. Die Täter flüchteten über die Friedhofmauer. Die Kriminalpolizeit hat Fingerabdrücke genommen, und man hofft, die Täter, die, wie sicher anzunehmen ist, aus gewissen politischen Kreisen stammen, bald feststellen zu können. Abermals Hakenkreuzlerausschreitungen im Berliner Westen Berlin, 13. Mai. (JTA.) Etwa 300 Hakenkreuzler, die durch die Polizei an der Abhaltung einer Versammlung am Wilhelmsplatz in Charlottenburg