Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 19 (13.5.1927)
- Date
- 1927-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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308 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 19 des Archivs ihre Starrheit und erleichtert dem einzelnen Helfer die Sammelarbeit. Maßgebend für das Vorgehen des Gesamtarchivs ist dabei einzig und allein das Verlangen, sich als brauchbares Werkzeug zur Erhaltung der jüdischen Geschichtsaltertümer in Deutschland zu erweisen. Der Ausbau des Helfersystems ist dazu angetan, die Brauchbarkeit dieses Werkzeugs zu erhöhen und dadurch die Kenntnis von der Vergangenheit der deutschen Juden zu fördern und zu vertiefen. Es wäre daher nur im allgemeinen Interesse zu begrüßen, wenn auch aus Bayern sich recht viele Kräfte dem Gesamtarchiv der deutschen Juden zum Zwecke der Sammlung von einschlägigen Urkunden und Akten zur Verfügung stellten. An diesen Helfern wäre es, auf das bedrohte Material zu achten, es gegebenenfalls erst aufzustöbern, ihre Aufgabe wäre es, Verständnis für archivalische Konservierung zu verbreiten und auf die maßgebenden Gemeindestellen im Sinne einer Abgabe an das Gesamtarchiv einzuwirken. Die durch das Entgegenkommen der Berliner Jüdischen Gemeinde im Verwaltungsgebäude in der Oranienburger Straße 28 geschaffenen ausgedehnten, modern eingerichteten, absolut feuersicheren Archivräume bieten beste Gewähr für gesicherte Aufbewahrung der gesammelten Materialien. Ist auch in Bayern ein System freiwilliger Archivhelfer erst wirklich ausgebaut, dann dürfte es auch angängig sein, den Aufgabenkreis über die Aufbringung von Akten hinaus zu erweitern: Man könnte z. B. — um von der Verzeichnung der Leichensteine zu schweigen — dann daran denken, die Judenakten aus den öffentlichen Archiven systematisch zu verzeichnen und so der Wissenschaft ein unschätzbares Hilfsmittel an die Hand geben. Vorerst und vor allem aber gilt die Sorge den in den jüdischen Gemeinden selbst entstandenen Akten und Gemeindebüchern. Hier gilt es schnell zu handeln, zusammen mit der bereits vorhandenen zentralen Sammelstelle, im Dienste der Gesamtheit für Förderung und Vertiefung der geschichtlichen Erkenntnis zu wirken. J. J. Bücher und Zeitschriften Ein neues hebräisches Lehrbuch Bei der Besprechung eines neuen pädagogischen Hilfsmittels zur Erlernung des Hebräischen ist es eine unabweisbare Pflicht, festzustellen, daß es an geeigneten Lehrmitteln auf diesem Gebiete für deutsch-sprachliche Lernbeflissene keineswegs gebricht. Die Mißerfolge unserer hebräisch lernenden Jugend beruhen zum geringsten Teil auf dem Mangel an passenden Lehrbüchern. Die Ursachen des Scheiterns liegen gewöhnlich in den oberflächlichen Vorstellungen des Lernenden über die Tragweite seines Unternehmens und im Fehlen einer inneren Beziehung zu der meist von außen an ihn herangetragenen Forderung. Nach dieser Feststellung darf man freilich zugeben, daß in Deutschland ein für unsere jugendliche Schülerschaft völlig geeignetes Lehrbuch bisher fehlte. Die Lehrbücher mehr oder weniger wissenschaftlicher Art, die an sich exakte Kenntnisse der Grammatik vermitteln, haben zwei Mängel: erstens befleißigen sie sich zumeist einer sprachlichen Knappheit der Erklärung, die nur für diejenigen genießbar ist, die schon in der Schulzeit bei Erlernung von Fremdsprachen an eine philologische Formulierung der Regeln und den rücksichtslosen Gebrauch der lateinischen Terminologie gewöhnt sind; zweitens aber beschränken sie sich sowohl in Theorie wie in praktischem Übungsstoff zumeist auf die Spracherscheinungen des Biblisch-Hebräischen und vernachlässigen gänzlich die Besonderheiten späterer Formen und Stilarten. Außer diesen Lehrbüchern, die wohl nur in den selteneren Fällen des Selbststudiums benützt werden, stehen die ostjüdischen oder palästinischen Lehrbücher zur Verfügung, die jedoch alle den einen unüberwindlichen Nachteil haben, daß sie für Kinder, aber nicht für die heranwachsende Jugend oder gar für Erwachsene abgefaßt sind. In ihnen kommt das grammatische Bedürfnis des Erwachsenen so gut wie gar nicht auf seine Rechnung. Primitive sprachliche Erklärungen, die sie manchmal enthalten, lassen diesen Mangel nur noch deutlicher empfinden. So geeignet manche dieser Lehrbücher in ihrem Lektürestoff sein mögen — exakte Sprachkenntnisse vermitteln sie nicht und alle grammatischen Erklärungen sind beim Unterricht als mündliche Beigabe vom Geschmack, Kenntnissen und gutem Willen des Lehrers abhängig. Bevorzugt dieser etwa unglücklicherweise die „natürliche“ Methode, so ist es um den Schüler geschehen. Trotz Aneignung eines gewissen Wort- und Phrasenschatzes bleibt dieser der Sprache gegenüber ohnmächtig und bei jedem neuen Satze harrt er, wie der unflügge Vogel mit aufgesperrtem Schnabel, der „Atzung“ durch den Lehrer. Das Gefühl ewiger Stümperhaftigkeit wirkt entmutigend und führt schließlich zur Aufgabe des Studiums. In dem vor mehr als einem Jahrzehnt erschienenen Rath’schen Lehrbuch war zum ersten Male der Versuch gemacht, ein Anfängerlehrbuch für die heranwachsende Jugend mit systematischem Grammatikaufbau zu geben. Der „Rath“ hat der hebräischen Spracherlernung in den deutsch-sprachlichen Gebieten ohne Zweifel einen fühlbaren Anstoß gegeben, für ein ernstes, gründliches Studium Erwachsener enthielt der „Rath“ jedoch zu wenig. Es hieße trotzdem undankbar sein, wenn man die belebende Wirkung auf die hebräische Sprachbewegung in Deutschland, die vom „Rath“ ausging, verkleinern wollte. Vor seinem Erscheinen gab es in Deutschland nur einzelne Lernende, seit seinem Vorhandensein kann man von einer Bewegung sprechen. Es wäre ungerecht, die soeben erschienene „Einführung in das Hebräisch der Gegenwart“ von D. J. Bornstein mit dem alten „Rath“ vergleichen zu wollen. Es sind incommensurable Größen. Das Bornsteinsche Lehrbuch kommt — um es gleich vorwegzunehmen — nur für ganz ernste Schüler in Betracht. Wer Hebräisch erlernen will, um in einem kurzen Zeitraum möglichst viel praktische Kenntnisse zu erwerben, lasse die Hand davon. Wer aber die ernste Absicht hat, das Hebräische in der Vollkraft seiner literarischen Ausdrucksfähigkeit zu erfassen, wer danach strebt, diese Sprache in ihrem saftigsten Lebensbestande kennen zu lernen, wem es darum zu tun ist, in die einzelnen Schichten ihrer Entwicklung einzudringen, kurz: wer das Studium des Hebräischen in wahrhaft humanistischem Sinne betreiben will, der greife zu diesem Buche! Er wird seine Erwartungen erfüllt finden! Das Bornsteinsche Lehrbuch vereinigt in sich Vorzüge, die bisher kein Lehrbuch der hebräischen Sprache in gleicher Konzentration aufweist. Es