Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 19 (13.5.1927)
- Date
- 1927-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 301 dem die Entwicklung in Palästina ihren eigenen Gesetzen folgte und nur schwer wirksam beeinflußt werden konnte, überdies durch den Druck der Ereignisse im Galuth ihren Antrieb erhielt, fühlt sich die oberste Leitung der Bewegung nicht nur kraft der Tatsachen, sondern aus innerem seelischen Antrieb für die Lage des gesamten Jischuw verantwortlich und zieht alle Erscheinungen des palästinischen Lebens in den Interessenkreis ihrer geplanten Maßnahmen. Sie erkennt, daß die nächste Aufgabe wohl die Überwindung der gegenwärtigen Krise ist, daß jedoch damit nur ein Hindernis hinweggeräumt wird, um sich dann der eigentlichen Aufgabe, dem produktiven Schaffen zur Fortführung des Aufbauwerkes zu widmen. Aber schon in den vorbereitenden Schritten zur Herstellung der Voraussetzung konstruktiver Arbeit muß sich der Gedanke der Produktivität auswirken. Darum stellt die Kundgebung der Exekutive als Grundsatz auf, daß mit der unproduktiven Arbeitslosenunterstützung ein Ende gemacht werden muß. Im Sinne der gesamten zionistischen Welt und nicht zuletzt der Arbeiter selbst, wird erklärt, daß das System der Arbeitslosenunterstützung zionistische Prinzipien und Traditionen verletzt, sowie den Pioniergeist herabzerrt, der dank dem Einfluß der zionistischen Idee in Palästina zum Standard geworden ist und in der schwierigen, leidensvollen aber schaffensfreudigen Zeit, da die Grundlagen für das Nationalheim gelegt werden, auch bleiben muß. An dieser Seile des Manifestes scheint eine Lücke zu bestehen. Was aber, muß man sich fragen, soll nach sechs Monaten geschehen? Es ist nicht anzunehmen, daß den Mitgliedern der Exekutive diese Frage kein Kopfzerbrechen verursacht hat, man muß sich vielmehr sagen, daß zu ihrer Beantwortung Vorschläge gemacht wurden und gewisse Vorstellungen darüber existieren. Das Manifest selbst gibt darüber keinen Aufschluß. Das Kernstück der Kundgebung ist in dem Teil enthalten, in dem die Exekutive von der Stabilisierung der budgetären Verhältnisse und von der Konsolidierung des Siedlungswerkes spricht. Um die Stabilisierung vorzubereiten, wird eine Abordnung nach Palästina geschickt, eine Budgetkommission, die mit der nötigen Vollmacht ausgestattet wird, um eine gründliche Untersuchung des Verwaltungsapparates an Ort und Stelle vorzunehmen und so weit wie möglich Ersparnisse herbeizuführen, um die verschiedenen zionistischen Institutionen zu koordinieren und auf diese Weise zu Vorschlägen für Richtung und Methode der Arbeit zu gelangen. In diesen schlagwortartig gezeichneten Aufgaben liegt ein Programm, das Kenner der Verhältnisse nur mit Freuden begrüßen werden. Die Kundgebung beschränkt sich in diesem Punkte auf Andeutungen und spricht zwischen den Worten mehr als in den Worten aus, daß sie sich dessen; bewußt ist, in welchem Maße der zionistische Verwailtungsapparat in Palästina einer Reform bedarf. Daß dieser Zustand eintreten konnte, ist auf das Wachstum des Jischuw und auf die Vermehrung und die Vielgestaltigkeit der Agenden der Zionistischen Exekutive im Lande zurückzuführen. Die zionistische Verwaltung in Palästina muß mit den Bedürfnissen des Lebens Schritt halten. Die Anpassung zwischen Verwaltungsapparat und Aufgabenkreis ist eine kontinuierliche Aufgabe, die immer wieder von neuem angepackt werden muß. Sie ist auch eine diffizile Aufgabe, und wenn überhaupt, so nur durch ein Gremium von wenigen Personen zu lösen, die mit allen Vollmachten ausgestattet sind. Die Forderung der Konsolidierung ist gegenwärtig Allgemeingut der gesamten zionistischen Welt, und die Exekutive ist in dieser Hinsicht uneingeschränkt der Wortführer aller Zionisten. Man darf sich aber nicht verhehlen, daß Konsolidierung ein Wort ist, unter dem sich selbst die Mitglieder der Exekutive, die die Kundgebung unterzeichnet haben, Verschiedenes vorstellen. Dasselbe Wort kann vieldeutig sein, eindeutig ist nur die Tat, und darum ist die Aufstellung der Forderung nach Konsolidierung nur eine Voraussetzung, die dann sinnvoll wird, wenn ihr auch Taten folgen. Wie diese Taten aussehen sollen, wird in heißem Bemühen von allen Faktoren der Zionistischen Organisation und der Gruppen im Jischuw festgestellt werden müssen. In dieser Hinsicht liegt tatsächlich das Grundproblem der ganzen Situation. Der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat nach seiner Rückkehr aus Palästina die erfreuliche Feststellung machen können, daß man im Jischuw selbst Ideen hat und von vernünftigen Vorstellungen beeinflußt ist. Möglichst aus dem Jischuw heraus sollen die Richtlinien für die Konsolidierung genommen werden, die ordnende Hand muß aber von der Exekutive der Zionistischen Organisation bestellt und mit allen Vollmachten ausgestattet werden. Die beste Vollmacht bleibt aber die Unterstützung durch die Zionisten und Juden in der ganzen Welt. Letzten Endes ist von ihrem Wollen und ihrem Eifer alles abhängig. Mit Recht betont die Kundgebung in ihrem Schlußpassus dieses Moment. Wenn in der Kundgebung von den Arbeiten zur Erweiterung der Jewish Agency, von der Un- L. KIELLEUTHNER Besichtigen Sie unverbindlich unsere erlesenen Neuheiten Hauptpreislage: Mk. 180. bis Mk. 250- Kein Anzug über Mk. 280-- V.__-z