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Das jüdische Echo · 1927-04-29 · 17 (29.4.1927) · p. Seite 276

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
17 (29.4.1927)
Date
1927-04-29
Page
Seite 276 (sequence 12)
Language
German
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276 Das Jüdische Echo Nr. 1 f ki i in ii min | || Feuilleton |||||||| | mii ii ii iniiiiiii Juden in Ämerika Von Dr. B. Monhcimer Staunend stehe ich am Pier in Neuyork. Hier, wo aus aller Herren Länder die Massen der Einwandernden zusammenströmen und viele kommen, die der Landessprache unkundig sind, sind alle Aufschriften in drei Sprachen angeschrieben: in englisch, in italienisch und in jiddisch. Es ist dabei gleichgültig, ob es sich um ein Rauchverbot, um eine Bekanntmachung oder sonst etwas handelt. Sind denn, frage ich mich, in Neuyork wirklich so viele Juden, daß diese eigenartige Erscheinung gerechtfertigt erscheint? Nur ein kurzer Spaziergang durch das im östlichen Abschnitt der Stadt gelegene Judenviertel genügt, um festzustellen, daß hier die Zahl der Juden größer ist als überall anders. Lebhaft geht es hier zu, man unterhält sich von Hausstufe zu Hausstufe, man lacht, man schimpft, man macht Witze, man geht von Laden zu Laden, man bekommt Ware angepriesen und aufgeschwätzt, man kauft vom Straßenhändler weg, die hier Wagen an Wagen als Konkurrenz der Läden sich finden und die anbieten, was nur irgendwie denkbar ist. Obst, Fleisch, Gemüse, sonstige Arten von Nahrungsmitteln, Kleider, Schuhe, Strümpfe, Bücher, alles ist vom Karrenmann zu haben. Dann sieht man dazwischen hinein die Zeitungsjungen mit ihren jüdischen Blättern der verschiedensten Richtung, beobachtet die schreiende jüdische und englische Kino-Reklame und wird durch Grammophon- und Radiotöne daran erinnert, daß man im Jahrhundert der Technik lebt. An der Kreuzungsstelle zweier Straßen hat ein Redner sein Pult aufgestellt und spricht unbekümmert um Auto, Motorräder und Polizisten. Zwei weiß-blaue Flaggen umrahmen sein Pult, um ihn auf weite Entfernung hin als Zionisten zu kennzeichnen. In Jiddisch erzählt er von Palästina, von den großen Kulturarbeiten, die dort geleistet wurden, läßt Flugblätter verteilen und fordert schließlich auf, der zionistischen Organisation beizutreten. Dann zieht er weiter zur nächsten Straßenecke, um auch dort für den Pro-Palästinagedanken zu reden und zu werben. Aber die Schattenseite des Judenviertels: die Straßen sind schmutzig und unsauber, die Wohnungen sind eng, finster und feucht und viele tragen den Keim der Tuberkulose in sich. Zu eng ist der Platz für alle, weil ihrer zu viel sind. Entgegengesetzt liegt Bronx, die 2. Etappe des eingewanderten Juden. Hier, hoch oben bei der 240. Straße, ist das Leben ruhiger und geruhsamer, die zahllosen jüdischen Geschäftsaufschriften haben sich vermindert, die Straßen sind sauber und grünende Anlagen ziehen sich wie Inseln hindurch. Hier lebt die wohlhabendere zweite Generation, die dank dem Schaffen und Schuften der Eltern vom Osten sich freimachen konnte. Auch der äußerliche Typ hat sich geändert: Die Kinder sind amerikanisch geworden und beginnen sich dem großen Staatsgetriebe einzufügen. Und dann kommt der dritte und letzte Zug: der Marsch nach Downtown, in die City, in das Herz der Stadt, in das Herz der Welt. Dort sitzt der mächtige Bankier, dort arbeitet der groß gewordene Kaufmann, dort denkt der überragende Rechtsanwalt und von dort aus beginnen die Fäden, in Erinnerung an das eigene Emporsteigen, durch wohltätige Stiftungen und Unterstützungen jeglicher Art wieder zurückzulaufen zum Ausgangspunkt: zum Osten von Neuyork. Das gleiche Bild, wenn auch mit geringeren Zahlen wiederholt sich in Chicago. Aber sonst im Land ist nirgends ein eigentliches Judenviertel vorhanden. Wohl traf ich Juden in St. Louis, St. Eranzisko oder Los Angeles, aber dort sind sie in der Masse der übrigen Amerikaner aufgegangen und doch nicht aufgegangen, denn trotz ihrer Akklimatisierung bleiben sie in ihrem Herzen dem Judentum treu. Gemeind en-u. Vereins-Echo Hebräische Sprachschule, München Samstag, den 30. April,, abends 8,15 Uhr, Ottostraße 2. Vortrag von Dr. Seide über „Ophir und Tarschisch“, Ostjüdische Volkslieder Einige prinzipielle Bemerkungen zur Aufführung am 8. Mai Auch das Volkslied, in dem überhaupt das eigentliche Lied wurzelt, ist ein künstlerisches Gebilde und gehört dem Bereich der Kunst an. Es ist ebenso ein Produkt einzelner Dichter und Komponisten wie irgendein „Kunstlied“, nur mit dem Unterschied, daß hier Name und Handschrift des Autors bekannt sind, während dort die Entstehung und Herkunft des Liedes verborgen bleibt, bis es dann im Volksmund in verschiedenen musikalischen und dichterischen Varianten sein Eigenleben führt, um schließlich in Gestalt künstlerischer Bearbeitungen mehr oder minder in den Bestand des Kunstliedes überzugehen. Das ostjüdische Volkslied, das in diesem Sinne keine Ausnahme bildet, war in den letzten zwei Jahrzehnten Gegenstand eifriger Bearbeitungen, die ihm durchaus nicht immer zur Ehre gereichten und gar oft eine künstlerisch wertvolle Formung vermissen ließen. Diesem Umstand ist es in erster Linie zuzuschreiben, daß man die Frage nach der künstlerischen Notwendigkeit der Bearbeitung östlicher Weisen im negativen Sinne glaubte beantworten zu müssen. Dem ist aber nicht so: es ist durchaus nicht einzusehen, warum gerade diese Lieder durch eine stilgemäße Harmoniesierung nicht auch in den Bereich des Künstlerischen gehoben werden sollten, wie das bei anderen Volksliedern der Fall ist (siehe Brahms: „Deutsche Volkslieder“ u. a.). In der Hauptsache kommt es darauf an, ob der Stimmungsgehalt der Volksgesänge durch die Bearbeitung voll ausgeschöpft wird und in künstlerisch bedeutsamer Gestaltung zum Ausdruck gelangt. Letzten Endes hängt eben alles von dem Grade der Musikalität, des künstlerischen Instinktes und der schöpferischen Begabung des Bearbeiters ab. Die Notwendigkeit wertvoller Bearbeitungen ist daher für die von Verantwortungsgefühl geleiteten jüdischen Komponisten ein Gebot der Stunde: auch

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