Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 17 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Das jüdische Echo / Blätter für die jüdische Frau 275 im Lande noch eine große Menge von hier geborenen sephardischen und jemenitischen Proletariertöchtern, die gewöhnlich infolge ihrer wirtschaftlichen Notlage schon mit 10 bis 12 Jahren die Schule verlassen und Arbeit in privaten Haushaltungen suchen. Auch nach ihrer sehr frühen Verheiratung arbeiten sic fast immer weiter als Hausgehilfinnen für halbe oder ganze Tage. In diesen Bevölkerungschichten gibt es sehr wertvolles Material, welches sich wegen seiner Anpassung an die klimatischen und ökonomischen Verhältnisse des Landes sehr gut für die Ausbildung in den wirtschaftlichen Berufen eignet. Da die askenasischen Mädchen sich dafür mehr durch Ausdauer, Verantwortlichkeit und Verlässigkeit auszeichnen, ist von der gegenseitigen Beeinflussung in gemeinsamen Erziehungsanstalten Gures zu erhoffen. Es gibt also im Lande eine große Zahl von Mädchen, welche unbedingt auf Erwerb angewiesen sind, und es gibt anderseits entsprechend der allgemeinen Entwicklung des Landes und des erhöhten Lebensstandards viele neue Erwerbsmöglichkeiten, die es vor Jahren in Palästina nicht gegeben hat. Es ist klar, daß es in einem Lande mit ganz kleinen Industrieanfängen, mit ganz wenigen größeren Handelsunternehmungen keinen Sinn hat, die Mädchen wie in Amerika oder Westeuropa zu Kontoristinnen oder Typistinnen auszubilden. Auch ist die allzu einseitige Ausbildung, besonders der askenasischen Mädchen, im Bekleidungsfache (Schneiderei, Weißnäherei), welche z. B. in Tel Awiw 80 Prozent aller erwerbenden Frauen einschließt, in einem an Luxusindustrie so armen Lande (feine Mode, Kunstgewerbe) zu verwerfen. Was aber am meisten gesucht wird und die sichersten Erwerbsmöglichkeiten, die von der herrschenden Arbeitslosigkeit nicht berührt werden, bietet, das sind die wirtschaftlichen Frauenberufe. Es fehlen in Palästina fast vollständig beruflich ausgebildete Kräfte für Kochen, Backen, vegetarische Küche, Krankenküche (Diätetik), Kinderküche und Säuglingspflege, cs fehlen Wirtschaftsleiterinnen für Krankenhäuser, Sanatorien, Kinderheime und Krippen, Mittelstandsküchen; es gibt keine Wanderlehrerinnen und Instruktorinnen für Stadt und Land. In Erkenntnis dieser Tatsachen hat die Histadruth Naschim Iwriot den Plan einer Zentralstelle für berufliche Ausbildung der Mädchen, vor allem in den v/irtschaftlichen Berufen ausgearbeitet, an die eine Arbeitsvermittlung- und Berufsberatungsstelle angegliedert sein soll. Die erste Aufgabe dieser Zentrale muß die Gründung einer Haushaltungsschule in Jerusalem sein. Diese Anstalt, die mit einem gut bürgerlichen Mittagstisch (mit einer vegetarischen Abteilung), eventuell auch mit einer Teestube und Konditorei verbunden sein soll, hat die Vorbereitung für die in Palästina notwendigsten wirtschaftlichen Frauenberufe zu ermöglichen. (ffieaf/ners/r. 32 Eine neue hebräische Fibel nnom mix, Lese- und Übungsbuch für das erste Schuljahr, verfaßt und geschrieben von Ch. Mandelbaum, mit Bildern ausgestattet von K. Rothschild; herausgegeben von der Talmud-Thora- Realschule Hamburg; 43 Seiten. Preis RM. 1.60. Diese Fibel ist ein Buch im Sinne des Arbeitsprinzips, mit welcher der Lehrer den Leseunterricht im ersten Schuljahr lebensvoll gestalten kann. Sie enthält keine sinnlosen Wort- und Buchstabenübungen, sondern von der ersten Seite an kleine Texte in hebräischer Sprache. Eine Erzählung vom Leben zweier Knaben (txd und "ipk) beginnt auf der ersten Seite und stellt den Inhalt fast sämtlicher Lektionen dar. — Der ganze Lehrgang ist aus der Praxis erwachsen. Der Verfasser gibt zugleich eine kurze methodische Anweisung heraus. — Die Bilder stehen auf einem weit höheren Niveau als die anderer Fibeln. — Der Verfasser ist bemüht, bei der zweiten Auflage vorhandene kleine Mängel auszumerzen und ist deshalb für Anregungen und Hinweise dankbar. — Besonders begrüßenswert ist, daß der Verfasser, auf seiner Fibel weiterbauend, zur Zeit an einem hebräischen Lese- und Übungsbuch für das zweite Schuljahr arbeitet. — In diesem Zusammenhänge dürfte es interessieren, daß in den nächsten Tagen ein weiteres Hilfsmittel für den hebräischen Unterricht erscheinen wird; ein praktischer hebräischer Lesekasten, herausgegeben von Lehrer Erlebacher (Höchberg). J. B. Hirnheimer (Höchberg). Geschäftliches Die Revue „Du und Ich“ im Deutschen Theater verdient in reichem Maße den Beifall des dankbaren Publikums. Es ist eine künstlerische Schöpfung von Direktor Gruß, der, von einem großen Mitarbeiterstab unterstützt, ein von Farben, Klängen und Ideen reich durchwirktes Kunstwerk geschaffen hat. Die 23 Bilder der Revue bieten in rascher Aufeinanderfolge eine Reihe von Schaustellungen von selten gesehener Farbenpracht, unterbrochen durch humorvolle Zwischenszenen (Willi Schaeffers und Max Hansen), Solotänzen der berühmten Amerikanerin Nina Payne und Glanzleistungen der zwölf Lawrence Tiller Girls. Direktor Gruß, Hans H. Zerlett, der bekannte Bühnenautor, der Schlagerkomponist Nelson, der Regisseur Furtner und Max de Groot, der musikalische Leiter haben ihr Bestes getan, um dieses Meisterwerk moderner Schaustellung auf die Bühne zu bringen. Eine Leistung, die einen Besuch wohl lohnt. Die privaten kaufmännischen Kurse Rudolf Biirck (München), dieses seit 48 Jahren bestehende, weit über München hinaus bekannte leistungsfähige Unternehmen, befindet sich jetzt in der Prinz-Ludwig- Straße 3, 1. Stock (neben der Tonhalle). Die ruhige zentrale Lage und die Bereitstellung großer, moderner Unterrichtsräume werden neben einer Erweiterung des Lehrplanes dazu beitragen, den Ruf, den sich die Privaten Kaufmännischen Kurse Bürck auf dem Gebiete der praktischen kaufmännischen Ausbildung und durch die reichen Erfolge fest begründet hat, weiter zu heben. — Am 2. Mai beginnen wieder Jahres- und Halbjahreskurse. Lehrplan und Auskunft sind bei der Unterrichts' leitung: Dipl.-Kfm. Bürck zu erhalten.