Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 17 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Das Jüdische Echo Nr. 17 Jüd. Gesangverein München Konzert im Odeon heute, 30. April, abends 84S Uhr steine beschädigt worden sind. Nachdem erst kürzlich in Kerpen und Newiges das gleiche Bubenstück verübt wurde, hat das Rheinland, gegenwärtig der Mittelpunkt der nationalsozialistischen Agitation, den traurigen Ruhm, innerhalb kurzer Frist vier Friedhofschändungen aufweisen zu können. — In Rtcherlsdorf (Regierungsbezirk Kassel) ist, nachdem erst kürzlich einzelne Grabsteine umgeworfen worden sind, die die Grabstellen umgebende Tannenhecke böswillig in Brand gesetzt und zum größten Teil zerstört worden. Die Täter sind bisher nicht ermittelt worden. — Hs vergeht kaum eine Woche, daß wir nicht neue Entweihungen der Ruhestätten der Toten zu melden haben. Wir bedauern, daß außer den Ortszeitungen die große deutsche Presse von diesen, das deutsche Ansehen tief beschämenden Vorgängen nicht eingehender Kenntnis nimmt und das öffentliche Gewissen wachruft. Jüdische Veranstaltungen im Rahmen des „Sommers der Musik“ F r a n k f u r t a. M., 25. April. (JTA.) Im Rahmen des Frankfurter „Sommers der Musik“ finden vom 25.—28. Juni 1927 Veranstaltungen statt, die der historischen Entwicklung des Synagogengesanges und dem jüdischen Volkslied gewidmet sind, unter Mitwirkung in- und ausländischer Chöre und hervorragender Spezialsolisten. Die Paul-Nathan-Gedenknummer der „C.V.-Zeitung“ Berlin, 21. April. (JTA.) Die angekündigte „Paul - Nathan - Gedenknummer“ des Organs des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (statt der vorbereiteten Festnummer zu Paul Nathans 70. Geburtstag) ist soeben erschienen. Sie wird durch einen „Unserem Paul Nathan!“ überschriebenen Aufsatz des Präsidenten des Central-Vereins, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, eingeleitet und enthält außerdem Beiträge von Dr. Ludwig Holländer, Theodor Wolff, Reichstagsabg. Dr. Ludwig Haas, Reichstagsabg. Dr. Eduard Bernstein, Dr. James Simon, Prof. Dr. Ludwig Quidde, Staatsrat J. Teitel u. a. m. Max Liebermann malt den Präsidenten Hindenburg B e r 1 i n , 22. April. (JTA.) Professor Max Liebermann hat vom mecklenburgischen Staatsministerium den Auftrag erhalten, ein Bildnis des Reichspräsidenten von Hindenburg zu malen. Der Künstler ist an der Arbeit durch einen kleinen Unfall unterbrochen worden; er hatte sich den rechten Arm verbrüht und war dadurch einige Zeit am Malen behindert. Doch hat sich Professor Liebermann rasch erholt und wird demnächst das Werk vollenden, das für das Museum in Schwerin bestimmt ist. Professor Dr. Alfred Guttmann gestorben Berlin, 22. April. (JTA.) Im 65. Lebensjahr starb gestern einer der bekanntesten Berliner Zahnärzte, Hofzahnarzt Professor Dr. Alfred Guttmann. Ursprünglich in Potsdam tätig, zog er vor ungefähr 20 Jahren nach Berlin, wo er sich bald einen großen Ruf als geschickter Zahnarzt erwarb. Guttmann hat auf technischem Gebiete mehrfach wertvolle Arbeiten geliefert, insbesondere eine neue Porzellanfüllung angegeben, die, technisch einfach, Anerkennung gefunden hat. Ein besonderes Verdienst hat sich Guttmann um den zahnärztlichen Stand erworben, indem er das Zahnärztehaus in der Bülowstraße begründete, in dem ein Saal nach ihm benannt ist. Außerdem war Guttmann Vorsitzender des Vereins der brandenburgischen Zahnärzte. Sir Alfred Mond in Berlin Berlin, 25. April. (JTA.) Gestern abend weilten in Berlin mehrere Industrieführer der englischen Chemie, an ihrer Spitze der ehemalige britische Minister Sir Alfred Mond, der Aufsichtsratvorsitzende der britischen „Imperial Chemical Industries Ltd.“ und Präsident der Brunner-Mond & Co. Die Gesellschaft ist bereits nach dem Rheinland abgereist. Sir Alfred Mond, der jetzt der konservativen Fraktion des englischen Unterhauses angehört, ist ein eifriger Verfechter der Idee des Jüdischen Nationalheims in Palästina. Vor einigen Monaten weilte er einige Wochen in Palästina, studierte eingehend die industriellen und landwirtschaftlichen Unternehmungen und erklärte vor seiner Abreise einem Vertreter der Palestine Telegraphie Agency, Palästina sei eines der Länder, die den Kapitalisten die besten Aussichten für die Anlage ihrer Kapitalien bieten; er wolle in diesem Belange nach Kräften für Palästina werben. Sir Alfred Mond ist bekanntlich zum Leiter der Palästina-Experten-Kommission bestimmt, die im Abkommen zwischen Dr. Weizmann und Louis Marshall in Amerika vorgesehen ist. Kein Mandat auf der jüdischen Liste im österreichischen Parlament — Auch das jüdische Mandat im Wiener Gemeinderat ging verloren Wien, 25. April. (JTA.) Die gestern in Wien durchgeführten Wahlen zum Parlament und zum Wiener Gemeinderat erbrachten einen Sieg der Sozialdemokraten über die Christlichsozialen. Nach den vorliegenden Ziffern dürften die bürgerlichen Parteien im Nationalrat über 93 Mandate verfügen, die Sozialdemokraten über 72 Mandate. Bisher war das Verhältnis 97 zu 68. Die Anstrengungen der Jüdischnationalen, ihren Listenführer Baurat Robert Stricker, der schon dem ersten österreichischen Nationalrat angehörte, durchzubringen, blieben vergeblich. Im Wiener Gemeinderat behalten die Sozialdemokraten die bisher innegehabten 78 Sitze, während auf die bürgerliche Liste 42 Stimmen entfallen. Im Gemeinderat haben die Sozialdemokraten auch das bisher von Herrn Dr. Plaschkes innegehabte Mandat der Jüdischnationalen erobert, während sie in einem anderen Bezirk einen Sitz an die Christlichsozialen abgeben mußten. Für die jüdische Liste traten nur die Zionisten und die ihnen verwandten Gruppen ein, während die um die „Union“ sich gruppierenden liberal gesinnten Juden für die demokratische Liste eintraten und die Poale-Zionisten für die sozialdemokratische Liste stimmten.