Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 16 (22.4.1927)
- Date
- 1927-04-22
- Page
- Seite 254 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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254 Das Jüdische Echo Nr. 16 in de/?£u über das Wiederaufbauwerk in Rußland referiert werden wird. Die Berliner Gemeindewahlen Oskar Cohn gewählt Das endgültige Ergebnis der Gemeindewahlen wurde am Sonntag, dem 10. d. M., im Sinne einer Entscheidung des Polizeipräsidenten von Berlin noch einmal festgestellt. Die neuerliche Zählung ergab, daß am 16. Mai 1926 insgesamt 50 302 gültige und 350 ungültige Stimmen abgegeben wurden. Von den gültigen abgegebenen Stimmen entfielen auf die liberale Partei 23 110, auf die Jüdische Volkspartei 16 330, auf die religiöse Mittelpartei 5541, auf die Konservativen 2901 und auf die Poale Zion 2142 Stimmen. (287 Stimmen entfielen auf den Bund der Angestellten.) Auf Grund dieses neuen Ergebnisses erhalten die Liberalen zehn Vollmä'ndate, die Jüdische Volkspartei sieben Vollmandate, die Mittelpartei zwei Vollmandate, die Konservativen und die Poale Zion je ein Vollmandat. Gegenüber dem am 16. Mai 1926 festgestellten Ergebnis trat auf Grund der neuerlichen Zählung eine Verschiebung insofern ein, als Dr. Oskar Cohn von der Poale Zionpartei nunmehr Repräsentant wird, während die Jüdische Volkspartei anstatt acht nur sieben Vollmandate in der Repräsentantenversammlung hat. % Das Resultat einer fast ein ganzes Jahr dauernden Protestbewegung mit sich daran schließenden schwierigen Zählungen und Untersuchungen ist also gleich Null. Auf Grund all der angeblich vorgekommenen Verstöße und Unregelmäßigkeiten sowie der von den Liberalen behaupteten Fälschungen sind insgesamt sage und schreibe 129 Stimmen gegenüber dem Zählergebnis vom Mai 1926 annulliert worden. Was bleibt also von all den Behauptungen übrig, daß tausende nicht Wahlberechtigte hineingeschmuggelt wurden und durch ihre Abstimmung das Wahlresultat verfälscht haben? Die Zahl der liberalen Stimmen ist durch die neue Zählung nicht vermehrt worden. Als einzige Verschiebung ist die Zuerkennung des Mandates an Dr. Oskar Cohn zu buchen. Ob das der Zweck der geharnischten Proteste, der verschiedenen brieflichen und persönlichen Interventionen bei allen Regierungsstellen gewesen ist, bleibe dahingestellt. Die Liberalen haben jedenfalls keinen Grund, sich über ihre krampfhaften Proteste, die ein ganzes Jahr lang die Installierung der neuen Repräsentantenversarumlung verhindert haben, zu freuen. Professor Hugo Greßmann in Chicago gestorben Ein großer Verlust für die christliche Theologie wie für die judaistische Wissenschaft Berlin, 8. April. (JTA.) Nach einem Telegramm aus Chicago ist heute dort der Professor der Theologie und Leiter des Institutum judaicum an der Berliner Universität, Prof. Hugo Greßmann, der auf einer Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten begriffen war, plötzlich gestorben Seine Leiche wird in die deutsche Heimat überführt. Prof. Hugo Greßmann, der am 21. März 50 Jahre alt geworden war, galt in wissenschaftlichen Kreisen als erste Kapazität auf dem Gebiete der alttestamentlichen und altorientalischen Religionsgeschichte. Sein besonderes Interesse wendete er den judaistischen Wissenschaften und der jüdischen Geschichte der alten und der neuen Zeit zu. Vor einigen Jahren ist auf seine Initiative das Institutum judaicum an der Berliner Universität gegründet worden, dessen Leiter er bis zuletzt war und dessen Ausgestaltung er seine besondere Sorgfalt widmete. Zu den Vorträgen dieses Instituts, die sich in der wissenschaftlichen Welt hohen Ansehens erfreuten, lud er bekannte Vertreter der jüdischen Wissenschaft ein. Er wohnte persönlich allen Vorträgen bei und leitete sie ein. Im letzten Semester wurden unter seiner Einführung Vorträge über Abraham Geiger, Samson Raphael Hirsch, Theodor Herzl und Achad Haam gehalten. Sein Interesse galt in der letzten Zeit der neuen von Martin Buber und Rosenzweig veranstalteten deutschen Bibelübertragung. Für die theologische Fakultät der Berliner Universität bedeutet Greßmanns Hingang einen unersetzlichen Verlust. In den deutschen christlichen wie jüdischen Gelehrtenkreisen wird sein Tod viel betrauert. Dozent Dr. Siegmund Kornfeld gestorben Wien, 19. April. (JTA.) Der bekannte jüdische Gelehrte Dozent Dr. Siegmund Kornfeld ist am 16. April im Alter von 68 Jahren in Wien verstorben. Er wurde heute auf dem Zentralfriedhof unter starker Beteiligung zu Grabe getragen. Sein Hinscheiden hat unter den Juden Wiens tiefe Trauer hervorgerufen. Dr. Siegmund Kornfeld entstammte einer hochangesehenen jüdischen Familie in Böhmen. Er gehörte zum engen Freundeskreise Herzls und zu den eifrigen Verfechtern der zionistischen Idee. Er war ein intimer Freund und Mitarbeiter des bekannten Philosophen Josef Popper-Lynkeus. Jüdische Musik im Kölner Rundfunk Köln, 19. April. (JTA.) Der Kölner Rundfunk sendet am Sonntag; dem 1. Mai, von 6—7.30 Uhr abends ein Vortragsfolge „Über das Wesen und die Ästhetik der jüdischen Musik“. Den einleitenden Vortrag hält Oberkantor Hermann Zivi (Elberfeld), in die gesanglichen Leistungen teilen sich der Vortragende und Oberkantor Nikolaus Naumow-Fleischmann (Frankfurt a. M.) sowie Oberkantor Hermann Fleischmann (Köln). Die instrumentale Begleitung führt der Organist Aloys Kreuz. Die Vortragsfolge der Gesänge ist: 1. „B’rösch haschonoh“ von Sulzer, 2. „Al taschlichenu“ von Lewandowski, „Socharti loch“ von Lewandowski, 3. „Kaddisch“ von Naumburg, 4. „Sch’lösch assre middös“ von Henle, 5. „Haschkiwenu“ von Birnbaum, 6. „Schiwisi“ von Aron Friedmann und „K’duschah“* 7. „W’schomru“ von Emanuel Kürschner, 8. „Zaddik Kattomor jifroch“ von Lewandowski. Die Textübertragung ins Deutsche erfolgt vor jeder einzelnen Gesangsnummer. CC XU& ■ß i\i <SJ>0fk»r[efmer (£>egr. 15Z4 ^ü&ftoUtng 20519 ^efiöcn^ffraße 14/15 ^2$ o 11 To a x c Cif für 6ie ^eljauftarmftrung §> i o f f c , f^eppiefte ufvo.