Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 14 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Das Jüdische Echo Nr. 14 das deutsche Schiff „Vaterland“ in „Leviathan“ umbenannt haben, denn „Leviathan“ ist der Fisch, mit dem Jehova erst nach Aufrichtung der Weltherrschaft wieder spielen darf. — Die Zeitungen erinnern daran, daß Frau Ludendorff früher Nervenärztin war, und fragen, was sie als Medizinerin wohl verordnet hätte, wenn einer ihrer Patienten solchen Unsinn geschwatzt hätte? Ablehnung eines nationalsozialistischen Antrags auf Ausschließung der Juden von der ärztlichen Standesvertretung München, 1. April. (JTA.) In der Donnerstag-Sitzung des Bayerischen Landtags kam bei der Beratung des Gesetzentwurfes über die Berufsvertretung der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker auch der nationalsozialistische Antrag zur Sprache, Juden von der Wählbarkeit zur ärztlichen Standesvertretung auszuschließen. Abgeordneter Dr. Roth (V. Bl.) gab die Erklärung ab, daß seine Partei dem nationalsozialistischen Antrag n i ch t zustimmen könne, weil er der Verfassung widerspreche. Der Antrag wurde abgelehnt. Die Wiener Juden und die Parlaments wählen Wien, 3. April. (JTA.) Die Wahlbewegung in Österreich ist jetzt in vollem Gange. Der Block der Regierungsparteien kandidiert an sicherer Stelle den Hakenkreuzführer Dr. Riehl, und zwar in dem am meisten von Juden bewohnten Wahlbezirk Leopoldstadt. Auch in der Provinz haben die Regierungsparteien Abkommen mit den Nationalsozialisten geschlossen. Die „jüdische Liste“, für die die Zionisten geschlossen eintreten — eine Einigung mit den übrigen jüdischen Parteien ist nicht zustande gekommen — weist die folgenden Namen auf: Oberbaurat Robert Stricker, Dr. Desider Friedmann, Dr. Leo Goldhammer, Dr. Max Bernhardt für den 2., 20. und 21. Bezirk; in den übrigen sechs Wiener Wahlkreisen lautet die Liste: Dr. Desider Friedmann, Dr. Max Bernhardt, Karl Schwarz, Dr. Ludwig Rosenbeck. Auch für die Wahlen zum Gemeinderat haben die Zionisten eigene Listen aufgestellt. Listenführer sind: 1. Bezirk Dr. Desider Friedmann, 2. Bezirk Dr. Leopold Plaschkes, 9. Bezirk Dr. Leo Goldhammer, 20. Bezirk Robert Stricker. Der Palästina-Etat für das Jahr 1927/28 Wie der „Haaretz“ berichtet, soll das Colonial Office den Voranschlag für das Jahr 1927/28 an die Palästinaregierung mit der Forderung zurückverwiesen haben, weitere Ersparnisse von LE. 50 000 vorzunehmen. Eine Straße längs des Jordantales Wie verlautet, soll die Palästinaregierung beschlossen haben, eine neue Straße von Tiberias nach Jericho längs des Jordantales über Semach und Beisan zu erbauen, ebenso eine neue Straße nach Transjordanien, die in der Nähe von Beisan ihren Anfang nimmt. (Ziko) Der Orangenexport aus Palästina Laut Meldung der Vereinigung der jüdischen Orangenpflanzer Palästinas „Pardes“ wurden zum ersten Male Orangen auch nach Sowjet-Rußland verschickt, und zwar am 15. März 7500 Kisten nach Odessa. Deutschland hat bisher 45 000 Kisten bestellt. Die Nachfrage aus Deutschland ist andauernd rege, und die erzielten Preise sind günstig. Insgesamt beträgt bisher der Export in dieser Saison 300 000 Kisten gegenüber 270 000 Kisten in derselben Periode im Vorjahr. (Ziko) Feuilleton || Der Siegelring Von Jehoasch Der vor kurzem verstorbene Dichter Jehoasch schrieb neben seinen lyrischen Dichtungen auch zahlreiche Skizzen, die sich durch feine Ziselierung auszeichnen. Wir veröffentlichen hier eine Probe seiner feinen nachdenklichen Kunst: Als König Salomo mit dem Bau des Heiligtums und der herrlichen Paläste für sich und seine junge Gemahlin, die Tochter Pharaos, fertig war und seine Herrschergewalt sich auf viele Länder erstreckte, da versammelte er alle Großen und Weisen der zwölf jüdischen Stämme sowie die Weisen, Zauberer und Sterndeuter aller Länder, die unter seiner Botschaft standen, und sprach zu ihnen: „Gott hat mich mit mehr Macht und Klugheit gesegnet als alle anderen Könige der Erde. Meine Schiffe bringen mir Gold aus Ophir und teure Edelsteine aus dem Lande Hodu, und was mein Herz sich wünscht, wird sofort erfüllt. Meine Gewalt erstreckt sich über alle Tiere und Vögel; alle Geister und Dämonen der Ober- und Unterwelt harren meiner Befehle. Ich habe meine Paläste auf dem Libanon und im Tale und Städte mit Reitern und Fußtruppen ohne Zahl. Doch weit verstreut ist dieser Besitz auf großer Fläche und ich kann ihn nicht mit einem Blick umfassen. Darum möchte ich mir einen Siegelring anfertigen lassen, auf dem eine Gestalt oder ein Zeichen .eingraviert ist, die meine Macht sinnfällig darstellt. So habe ich euch denn hierherberufen, damit ihr mir ratet: Welche Gestalt oder welches Zeichen meiner Macht soll meinen Siegelring schmücken, auf daß sich mein Herz meines Besitzes erfreue?“ Als erster nahm einer der Weisen vom Lande Hodu das Wort und sprach: „Herr und König! Du bist stark, klug und mächtig und du wirst ein hohes Alter erreichen. Ist daher nicht der Elefant das richtige Tiersymbol für deinen Siegelring? Er ist stark, klug und lebt am längsten von allen Tieren des Waldes.“ Der König aber sprach: „Du bist klug und dein Rat ist weise, aber in viel Beratung ist Weisheit. Wir wollen hören, was die anderen raten.“ Da stand ein Zauberer auf und sprach: „Die Schlange ist das weiseste Tier auf dem Erdenrund. Sie rollt sich in einem Kreis zusammen, der kein Ende hat, gleich dem Leben und dem Tode. Ihr Verstand ist eine innere Quelle, von der kein Tropten durch einen Laut verloren geht. Mein Rat geht dahin, daß du dir eine Schlange auf den Ring ein,- gravierst.“ Es sprachen noch viele und ein jeder riet, was ihm am besten schien. Endlich kam ein alter Schiffer aus Sidon an die Reihe. Er verneigte sich vor dem König und sprach: „Groß ist das Meer, das sich