Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 13 (1.4.1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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204 Das Jüdische Echo Nr. 13 IHM 11 1 LJ | | { Feuilleton | 111 II 1 1111111 Jllli II111 II Der Schutzmann Sapogow Von Arkadij Awertschenko (Schluß) (Aus dem Russischen übersetzt von Simeon Silbermann) Sapogow stand vor der lithographischen Anstalt des David Szepelewitsch und seine Augen musterten verdächtig die seltsamen Bretter und Platten, die in allen Ecken und Enden durcheinander umherlagen, — „Guten Morgen,“ begrüßte der Szepelewitsch höflich. „Wie ist das werte Empfinden?“ „Wie immer. Und du, bist ein Handwerker? Was für Handwerk betreibst du?“ „Ich bin Lithograph. Ich mache verschiedene Karten, Visitkarten, Verlobungskarten, Hochzeitskarten, Einladungen, auch Totenzettel „Du seilst es mir beweisen!“ sagte Sapogow mißtrauisch, „so ein Ukas ist herausgekommen!“ „Aber, mit dem größten Vergnügen! Ich werde sofort an Ort und Stelle die Visitkarte des gnädigen Herrn abdrucken. Wie ist Ihr werter Name? Pawel Maksimowitsch Sapogow? Einen Moment! Ich werde es gleich auf die Platte hinschreiben „Wohin gehst du denn?“ beunruhigte sich Sapogow. „Nein, Bruderherz, du mußt es hier in meiner Anwesenheit aufschreiben!“ „Selbstredend, in Ihrer Anwesenheit! Auf jene Platte dort!“ Der Lithograph beugte sich über die Platte und Sapogow sah ihm über die Schulter zu. „Wie schreibst du denn? Ist es denn so richtig? Ha?“ >,Auf der Platte schreibe ich von rechts nach links, und auf der Visitkarte wird es schon richtig herauskommen.“ Sapogow schöpfte tief Atem und legte seine Hand auf den Arm des Lithographen. „Nein, so ist es nicht nötig. Ich will es nicht! Du, Bruderherz, sollst nicht schwindeln. Schreibe nach Christenart!“ „Ich habe doch bereits gesagt, daß es nach Christenart sein wird. Aber, um das zu erreichen, muß man eben verkehrt schreiben.“ Sapojrow lachte auf. „Man muß? So...? Nein, Bruderherz, man muß nicht! Schreibe regelrecht, von links nach rechts!“ „0 wehe! Was sagt der Herr? Der Abdruck wird doch in diesem Falle verkehrt sein!“ „Schreibe, wie es sich gehört!“ befahl Sapogow streng. „Du sollst mich nicht zum Narren halten!“ Der Lithograph zuckte die Achsel und beugte sich über die Platte ... Nach zehn Minuten hielt Sapogow eine Visitkarte in der Hand und die Augenbrauen verdüsternd, las er: „Wopogas Schtiwomiskam Lewap .. Eine schwere Last lag ihm am Herzen. „S—o—o? Und das soll ich sein? Jetzt verstehen wir! Jawohl, dazu seid ihr Juden immer fähig! Ein schöner Handwerker bist du! Ich werde dich aufschreiiben. Morgen früh wirst du ausgewiesen. In vierundzwanzi,g Stunden . . .“ Als Sapogow sich entfernte, verfinsterte sich sein treuherziges Gesicht. Ein Schmerz unverdienter Beleidigung war auf seinem Gesicht zu lesen. „Wogopas,“ dachte schwer atmend der Schutzmann. „Wogopas Schtiwomiskam Lewap...!“ Der alte Leiba Buckus saß in einer Gartenlaube und verdiente sein Auskommen in der Weise, indem er eine sonderbare Erfindung ausbeutete, die bei allen Straßenpassanten Verwunderung hervorrief ..... Es war dies ein wunderlicher Apparat mit zwei Öffnungen; in eine warf man ein Fünfkopekenstück hinein und von der anderen fiel ein Stück Schokolade, in farbiges Papier gewickelt, heraus. Viele Buben wußten ganz genau, daß man so eine Schokolade im erstbesten Laden, ohne irgendwelchen Apparat kaufen kann, aber dieser Apparat lockte ihre forschenden Gemüter ... Sapogow näherte sich dem alten Leiba und fragte lakonisch: „Hör mal, du! Du bist Handwerker, was machst du eigentlich?“ Der Alte hob seine geröteten Augen zum Schutzmann und erwiderte gleichgültig: „Ich mache Schokolade.“ „Wie machst du denn diese?“ fragte Sapogow, mißtrauisch den wunderlichen Apparat musternd. „Was heißt wie? So...! Hier wirft man fünf Kopeken hinein und dort fliegt die Schokolade heraus!“ „Aber, du lügst ja!“ sagte Sapogow. „Das kann nicht sein!“ „Warum kann es nicht sein? Es kann! Sie werden gleich sehen. So ...“ r DISCONTO-GESELLSCHAFT FILIALE MÜNCHEN BRIENNERSTRASSE 50a / DEPOSITENKASSE PROMENADEPLATZ 7 Gegründet 1851 Stammsitz Berlin Kapital u. Reserven rund 180000 000 RM /Zahlr. Niederlassungen in Deutschland Bankmäßige Geschäfte aller Art