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Das jüdische Echo · 1927-04-01 · 13 (1.4.1927) · p. Seite 198

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
13 (1.4.1927)
Date
1927-04-01
Page
Seite 198 (sequence 6)
Language
German
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198 Das Jüdische Echo Nr. 13 darf keine Gemeinde ohne Religionsunterricht bleiben; darum ist die Schaffung von Lehrer- und Rabbinerbezirken eine Lebensfrage. Der Redner ging dann ausführlich auf die Frage der Staatsbeihilfen ein und wandte sich scharf gegen die Zweiteilung in Versorgungs- und Erziehungsbeihilfen. Er berichtete eingehend über seine Verhandlungen mit den Behörden, über die Widerstände, die seitens des Finanzministeriums entgegengesetzt werden. Über die Neubewilligungen für 1927 wird im Landtag schon am 29. März im Rahmen des Kultusetats abgestimmt werden. Der Redner wies nach, daß die christlichen Kirchengemeinden weit besser gestellt seien, als die jüdischen Gemeinden. Die Beiträge für die christlichen Kirchen, fünf Millionen Mark, machen mehr als 4 Prozent des Etats aus; wir verlangen nur, was uns gemäß unseren Beiträgen zusteht und werden uns nicht abspeisen lassen. (Lebhafter Beifall.) An Hand von Ziffern beleuchtet Dr. Freund die Lage des Landesverbandes, die keineswegs rosig sei, er betonte trotzdem die Notwendigkeit einer Besserstellung der Kulltusbeamten durch die Schaffung eines Existenzminimums für sie; es sei' nur billig, die Höhe ihrer Besoldung auf die der Staatsanstellung laut Gruppe VII zu bringen. Der Redner schloß mit der Zielgebung; Aufbau der Gemeinden zwecks Erhaltung des Judentums. Herr Direktor Kareski sprach nun zum Finanzbericht und zur Begründung des Etats. Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1927/28 betrifft; Ausgaben: Kapitel 1. Verwaltung: M. 95 000; Kapitel 2. Subventionen: 1. Gemeinden: Mark 369 000; 2. Bezirksrabbiner: Bildung von Bezirksrabbinaten M. 50 000; 3. Theologische Bildungsanstalten: M. 150 000; 4. Lehrerbildung: M. 25 000; 5. Institute für die Wissenschaft des Judentums: M. 34 500; 6. Beihilfen für wissenschaftliche Arbeiten; M. 20 000; 7. Sonstiges; M. 27 500; 8. Wohlfahrtspflege; M. 150 000; Kapitel 3. Verwaltungsblatt: M. 6 000; Kapitel 4. Statistisches Jahrbuch; KuizBlibn jlandkliuhc «Izl auch im Modehaus M. 3 000; Kapitel 5. Verbandstag und Rat; M. 30 000; Kapitel 6. Beihilfen für besondere rituelle Zwecke: M. 10 000; Kapitel 7. 1. Bildungsstätten zur Heranbildung von Kantoren und Schächtern: M. 5 000; 2. Heranbildung von Hilfskautoren: M. 10 000; 3. Stipendien an Seminaristen und Präparanden: M. 10 000; Kapitel 8. Unvorhergesehene Ausgaben: M. 25 000; Gesamtsumme der Ausgaben: M. 1 020 000. Einnahmen: 1. Kassenbestand: M. 105 000; 2. Staatsbeihilfen: M. 254 000; 3. durch Beiträge der Gemeinden aufzubringen: M. 661 000; Gesamtsumme der Einnahmen: M. 1 020 000. Die allgemeine Aussprache Nachdem der Vorsitzende den Herren Dr. Freund und Kareski den Dank der Versammlung für ihre Berichte ausgesprochen hatte, begann die allgemeine Aussprache, in der als erster Redner Herr Dr. A. Sandler (Jüdische Vollkspartei) das Wort ergriff: Wir sind für Verständigung und Zusammenarbeit, aber Verständigung dürfe nicht Aufgabe von Überzeugung bedeuten, sondern eher Verständnis für die Meinungen und Überzeugungen anderer. Die Liberalen gehen in der Verketzerung des Zionismus und der Zionisten sehr weilt, indem sie die Ziele der Zionisten ins Unwirkliche übertreiben. Die Zionisten erstreben in den Gemeindestuben nichts anderes als die Verwirklichung durchaus jüdischer Aufgaben: Jüdische Erziehung, Pflege des Hebräischen, Unterstützung des Palästina-Aufbaues, Erfüllung der religiösen Forderungen aller Richtungen. Wir haben Verständnis für die Forderungen der Konservativen und auch eine Verständigung mit den Liberalen ist möglich. Die Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse durch die letzten Wahlen in Berlin, wo ein Drittel aller deutschen Juden konzentriert ist, müsse auch in der Versammlung des Landesverbandes Ausdruck finden. Wir wollen in den Gemeinden, in denen wir uns durchgesetzt haben, nicht herrschen, sondern dem Grundsatz der Parität und der Gerechtigkeit für alle Geltung verschaffen. Wo jüdische Poistuilate erstrebt, werden, sind sie zu erfüllen. Der Redner setzte die positiven Ziele der Jüdischen Volkspartei auseinander und führte aus, es bestehen über die Schulforderungen und die Palästina-Forderungen Vorstellungen, die geradezu wie Ammenmärchen klingen. Wenn der Zionismus eine politische Arbeit voraussetzt, so ist das in der Natur der Sache bedingt, da eine Massenkolonisation ohne politische Sicherungen unmöglich ist. Nie war es den Zionisten eingefallen, Minderheitsforderungen in Deutschland zu erheben. Der zionistische Standpunkt ist mit der Treue zum Staate durchaus vereinbar. Man hat die Persönlichkeiten des Pro- Palästina-Komitees so hingestellt, als wären sie irregeleitete Kinder, die einer Belehrung bedürfen. Es erwies sich aber, daß diese Persönlichkeiten über den Zionismus und sein Verhältnis zum Deutschtum sehr gut Bescheid wußten, ln osteuropäischen Ländern sind die Juden eine nationale Minderheit; dies auf deutsche Verhältnisse zu übertragen, wäre Wahnsinn. Der Redner setzte dann das Wesen der Volksgemeinde auseinander, die von der VoÜkspartei erstrebt wird, und meinte, auch hierüber bestünden auf der andern Seite bizarre Vorstellungen. Er schloß mit dem Bekenntnis, auch er glaube an eine deutsch-jüdische Verständigung, ohne daß Opfer in der Ideologie gefordert werden müßten. Mit Bezug auf das Judengesetz erklärte der Redner, im Namen

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