Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 7 (18.2.1927)
- Date
- 1927-02-18
- Page
- Seite 108 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Das Jüdische Echo Nr. 7 Gemeinden-u.Vereins-Kcho München. Am 3. Februar sprach in der Zionistischen Ortsgruppe vor einer zahlreich erschienenen Hörerschaft Herr Dr. Max Mayer (Zwickau) über Kultur- und Erziehungsarbeit in Deutschland. Der Referent gab eine ausführliche Darstellung der vom Kulturausschuß der Z.V.f.D. für die nächste Zeit geplanten Arbeiten literarisch-verlegerischer und organisatorischer Art. Von den bereits in Angriff genommenen und demnächst erscheinenden Publikationen des Ausschusses sind das hebräische Lehrbuch von D. J. Bornstein „Einführung in das Hebräisch der G le genwar t“ und die ^Hebräischen Redewendungen“ von Baruch K r u p n i k zu nennen. Die literarische Tätigkeit des Ausschusses hat vor allem die Versorgung der jüdischen Jugend mit belehrendem und unterhaltendem Lesestoff zum Ziel. Die Kommission will auch durch Herausgabe von Lehrbüchern aller Art auf den Unterricht (Geschichts- und Religionsunterricht, deutschen Unterricht an jüdischen Schulen) befruchtend wirken. Durch eine umfassende Enquete über die bestehenden Kulturinstitutionen sollen Vorarbeiten für eine zukünftige Zentralstelle für jüdisches Kultur- und Unterrichtswesen in Deutschland geleistet werden. — Au der lebhaften Diskussion nahmen die Herren Justizrat Dr. Eli Straus, Theo Harburger, Dr. Rafael Straus und Justizrat Dr. Emil Fränkel teil. Letzterer appellierte in warmen Worten an die jüdische Elternschaft München, den bevorstehenden Einschreibetag an den Volksschulen wahrzunehmen und der hiesigen israelitischen Volksschule durch zahlreiche Anmeldungen jene Entwicklungsmöglichkeit zu geben, die ihrer Bedeutung als einzige jüdische Volksschule Münchens zukommt. München. Dem Andenken Achad Haams war ein Abend gewidmet, den die Zionistische Ortsgruppe am 9„ Februar 1927 im gutbesuchten Bibliotheksaal der jüdischen Gemeinde veranstaltete. Justizrat Dr. Elias Straus kennzeichnete in einleitenden Worten in kurzen Umrissen die außerordentliche Bedeutung Achad Haams, dessen Wollen und Wirken gerade auch für die heutige Zeit wieder besonders aktuell und bedeutsam geworden sei und gab dann das Wort zu einer Gedächtnisrede Herrn Jakob Klatzkin. Herr Klatzkin zeichnete zunächst ein Bild der Persönlichkeit Achad Haams, dessen unbestechliche Wahrheitsliebe mit oft schonungsloser Schärfe das Gute und Lebendige vom Schlechten und Lebensunwerten zu scheiden wußte, dem es nie darum zu tun war, sich als Schriftsteller hervorzutun, der als Gast in der hebräischen Literatur immer nur dann zur Feder griff, wenn er etwas zu sagen hatte,, oder besser, erst wenn er glaubte, nicht mehr schweigen zu dürfen. Will man die Bedeutung Achad Haams richtig beurteilen, so müsse man ausgehen von der Grundfrage: Ist er der letzte einer langen Kette oder der ersten in einer neuen Entwicklungsreihe der hebräischen Literatur? Und hier begann Klatzkin sich mit der zionistischen Ideologie Achad Haams auseinanderzusetzen, indem er zunächst die Grenzen des „Achad-Haamismus“ aufzuzeigen versuchte: Die große Wahrhaftigkeit, die Uscher Ginzberg beseelte, habe schließlich doch vor einem Dogma Halt gemacht, vor dem Dogma nämlich, daß das Judentum notwendig durch irgendeinen Inhalt gebunden, durch ein inhaltliches Kriterium bestimmt sei. Dieses Dogma stelle ihn, vom methodologischen Gesichtspunkt aus gesehen, in die Reihe der Vertreter des traditionellen religiösen Judentums, in eine Kette, die sich heute nicht mehr fortsetzen lasse. Judentum im heutigen Sinne könne und dürfe nur formell bestimmt werden, da seine Träger doch größtenteils von religiösen Bindungen frei sind; alles andere — und diese Gedankengänge sind ja enthalten in klassischer Form in dem bekannten Buch Klatzkins — was subjektiv von irgendeinem Inhalt aus das Judentum bestimmen wolle, könne zwar eine nationale Wertung, nicht aber ein nationales Kriterium darstellen. Insbesondere sei die Einengung und Festlegung des Judentumsbegriffes nach irgendeiner Richtung für die zionistische Jugend heute unerträglich und unmöglich. So lief der Vortrag letzten Endes auf eine Gegenüberstellung Achad Haam-Klatzkin hinaus. Wir glauben, daß es gerade heute keine größere Ehrung Achad Haams in seinem Sinne geben kann, als sich immer wieder mit seinen Gedanken auseinanderzusetzen, was ja nichts anderes bedeutet als: Selbstbesinnung. H. W.-V, Jung-Jüdischer Wanderbund München. Samstag, 19. Febr., 3% Uhr Kleine Mädels Heimnachmittag, 5 Uhr Kleine Jungens Heimnachmittag. Die Treffpunkte werden in den Heimnachmittagen bekanntgegeben. r DISCONTO-GESELLSCHAFT FILIALE MÜNCHEN BRIENNERSTRASSE 50a / DEPOSITENKASSE PROMENADEPLATZ 7 Gegründet 1851 Stammsitz Berlin Kapital u. Reserven rund 180000000 RM / Zahlr.Niederlassungen in Deutschland Bankmäßige Geschäfte aller Art