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Das jüdische Echo · 1927-02-18 · 7 (18.2.1927) · p. Seite 107

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
7 (18.2.1927)
Date
1927-02-18
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 107 Eingesandt Sozialdemokratie und Schächtverbot Von einem Leser (Glaubens- und Gesinnungsgenossen), der seit Jahren Sozialdemokrat, in der Ortsgruppe seines Wohnortes aktiv sich in der Partei betätigt |£t, wird uns geschrieben: Der Beschluß^xles Bayerischen Landtags vom 4. Februar 1927, betreff „baldmöglichster Vorlage eines Gesetzentwurfs über den Betäubungszwang für das Schlachtvieh“, beschwört von neuem die Gefahr des Schächtverbotes herauf. Er bildet aber auch einen dunklen Fleck in, der Geschichte der bayerischen Sozialdemokratie. Eine große Anzahl von Juden, nicht nur orthodoxer, sondern auch religiös ilberaler, und national-jüdischer, die treue Anhänger der sozialdemokratischen Partei sind, werden durch diese „Tat“ der sozialdemokratischen Fraktion des Landtags aufs tiefste betroffen. Es handelt sich für den Schreiber dieses dabei weniger um die jüdischen Gesichtspunkte — selbstredend stimmt er mit den Juden aller Richtungen überein, daß das Schächten einer der Grundpfeiler der jüdischen Religion ist — als um Parteigesichtspunkte, Eine Partei, auf deren Fahne der Kampf .gegen allen Klassen- und Rassenunterschied, für Freiheit und Recht, für Toleranz in allen Dingen steht, darf nicht selbst dies ihr Programm verletzen, darf nicht Ausnahmegesetze mit bewilligen helfen; sie weiß ja selbst, wie Ausnahmegesetze wirken. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sie in der Gesellschaft mit Völkischen und Deutschnationalen sehe. Die Spatzen auf dem Dache pfeifen es ja, welche Gründe die sozialdemokratische Fraktion veranlaßt haben, so zu stimmen. Verärgerungspolitik darf aber keine Partei treiben, die man ernst nehmen will, besonders nicht, wenn sie dabei gar noch ihren Pro'grammgrundsätzen ins Gesicht schlägt. Ich kann mir nicht vorstellen, daß alle sozialdemokratischen Abgeordneten der gleichen Meinung in1 der Angelegenheit waren. Aber der Fraktionszwang hat wonl die vernünftigen Elemente unterdrückt. Man hat auf die Vorstellungen von jüdischen Parteigenossen, die jüdisch ebenso tief empfinden wie sozialistisch (und das sind absolut keine Gegensätze) nicht gehört, sondern auf die von ehemaligen jüdischen Parteimitgliedern, denen jedes jüdische Empfinden mangelt, die ganz a-j ü d i s c h sind. Die bayerische Sozialdemokratie hat eben auch ihre spezifische bayrische Eigenart, und die Luft Münchens macht nicht weise. Es läge nahe, allen sozialdemokratischen jüdischen Glaubensgenossen anzuraten, der Partei den Rücken zu kehren. Wir wollen jedoch treu weiter zur Partei halten und hoffen auch als Juden, daß die Partei doch noch einsehen wird, daß sie hier falsche Wege gegangen ist und nach Mitteln trachtet, wiedejLden richtigen Weg zu finden, vor allem um r(per selbst willen. Denn wenn man einmal aus Opportunitäts- oder anderen Gründen an einem Fundament des Parteiprogrammes rüttelt, könnte dies ein andermal von schwerstem Schaden für die Partei begleitet sein. Demokratisch war die Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion zu dem Landtagsbeschluß sicherlich nicht und ganz gewiß nicht sozialistisch. Mittwoch, 23. Februar, 3/48 Uhr abends, findet im Bibliotheksaal der Israel. Kultusgemeinde ein VORTRAG von Dipl.-Ing. Hans Macholl statt über Die arabische Bevölkerung von Palästina (mit zahlreichen Lichtbildern) Unkostenbeitrag für Jugendliche 20 Pf., für Erwachsene 50 Pf. Personalia München. Wenige Tage trennen uns noch von dem Zeitpunkte, an welchem ein Freund in unserer Mitte das Glück hat, auf sechs Jahrzehnte seines Lebens zurückzublicken. Herr Justizrat Dr. Emil F r a e n k e 1, dem unser Glückwunsch zu diesem Tage gilt, vereint in sich die ideale Begeisterung der Jugend, die schaffende Tatkraft des Mannes, die weise Besonnenheit des Alters; der frühe Morgen und die späte Nachtzeit sind bei ihm der Erledigung von Anforderungen der Allgemeinheit gewidmet. Frühzeitig hat er wie wenige den Zusammenhang des Materiellen mit dem Religiösen erkannt, und die Bestrebungen des Zionismus innerhalb seiner religiösen Gemeinschaft finden bei ihm wärmste Anteilnahme. Er gehört zu den wenigen der orthodoxen Gemeinde, den man zu jeder Jahreszeit tagtäglich des Morgens im Gotteshause zu sehen gewohnt ist und die Lehrvorträge des Rabbiners finden ihn stets unter den eifrigen und verständnisvollen Zuhörern. Wenn es gilt für die Ideale unseres Glaubens in die Schranken zu treten, weiß er, gleich seinem leider zu früh dahingegangenen Bruder Kommerzienrat Sigmund Fraenkei, mit seinen kenntnisreichen Ausführungen vor die Öffentlichkeit zu treten. Sein beruflicher Rat steht jederzeit in selbstlosester Weise seinen Mitmenschen zur Verfügung und eine nicht geringe Zahl von Streitfällen wurde durch seine vermittelnde Tätigkeit in gütlicher Weise beigelegt. Möchte es dem Jubilar beschieden sein, mit der Kraft seines Körpers und dem Lichte des Geistes im Kreise seiner Familie und Freunde noch recht viele Jahre unter seinem Volke zu wandeln. J. F. 3« rSfrofkurfcfmeE @egr. 15Z4 ^Refibeu^ffraße 14/15 tCCtUS 5b e r r e n - ,j:- e i j - ,_i> o p p e u kleiner e ff p o ff e n mit b i 1( i 9 [J e n greifen

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