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Das jüdische Echo · 1927-02-18 · 7 (18.2.1927) · p. Seite 105

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
7 (18.2.1927)
Date
1927-02-18
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 105 so dilettantischen Verwüstung eines unersetzlichen nationalen Gutes ruhig zusieht. Denn bei wirklich sachverständigem Ausbau der Thermen würde sich in Tiberias nicht nur für die Unternehmer, sondern für das ganze Land eine reiche Quelle des Wohlstands erschließen. Allerdings: wo ist es in Palästina schon üblich, zur rechten Zeit Sachverständige zu Rate zu ziehen? Joel Engel gestorben T e 1 - A w i w, 13. Februar. (JTA.) Heute ist hier an Herzschlag der Komponist Joel Engel gestorben. Unter der Judenschaft Palästinas herrscht Trauer. Die Mitglieder der Stadtverwaltung von Tel-Awiw sind zu einer Trauersitzung zusammengetreten und haben beschlossen, dem verstorbenen Komponisten auf Kosten der Stadt ein Ehrengrab und ein Ehrenbegräbnis zu widmen. Mit Joel Engel ist der repräsentative jüdische Musiker der Gegenwart dahingegangen. Er war sowohl Sammler und Bearbeiter des jüdischen Volksliedes als auch der Begründer einer modernen jüdischen Musik. Als solcher erzog er eine ganze Generation moderner jüdischer Komponisten. Feuilleton Der Tod will nicht tauschen von R y v e 1 Eine Geschichte aus dein Ghetto in Tunis In einem kleinen, bescheidenen Hause im Herzen der Stadt Tunis, das niemals Sonne und Freude erblickte, saß Rebekka schweigsam und nachdenklich am Krankenlager ihres Sohnes. Zweimal hatte ihr der Tod' bereits die teuere Frucht ihres Leibes geraubt. Ach, welche Sünde mochte sie begangen haben? Für welche Sünde verlangte von ihr der gerechte Gott dieses fürchterliche Lösegeld. Rebekka war ebenso religiös wie ihr Gatte, beide lebten, in der Furcht vor dem Ewigen und mieden das Schlechte. Ohne indessen zu verzweifeln, hatte Rebekka in sich die Hoffnung einer baldigen Mutterschaft genährt. Und das Kind war gekommen. „Ein Sohn!“ hatte die Hebamme ausgerufen, das kreischende Kind schwingend. Aber dieses Mal las sie nicht mehr in den Augen der Eltern den jüdischen Stolz, einen Jungen zu haben. Mit Schrecken fragte sich Rebekka, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn sie ein Mädchen geboren hatte, da ihr doch die Söhne ohnehin nicht blieben. Ihr Gatte Osias hatte den gleichen Gedanken. Nur die Großmutter Esther hatte das Kind mit einem Schwall freundlicher Worte empfangen. Rebekka hatte in ihrem Zimmer ein Papier aufbewahrt, das mit geheimnisvollen, kabbalistischen Zeichen überdeckt war, mit roten Fischen und geeigneten Bibelversen, bestimmt, jeden bösen Blick fernzuhalten. Sie erzog ihr Kind im Überfluß; die wachsamste Sorgfalt umgab dessen erste Jahre, und wie eine Pflanze, die mit Saft vollgesaugt ist, wuchs das Kind kräftig auf. Im fünften Jahre wurden Rebekka und ihr Gatte von der gleichen Ahnung ergriffen. Wird dieses Jahr, das ihren anderen Kindern zum Verhängnis geworden war, gnädiger sein als ehemals? Wird sich Gott endlich ihres Elends erbarmen? Die roten Backen:, die lebhafte Glut des Blikkes, das helle Lachen zeugten von der Gesundheit des kleinen Moses. Aber in den ersten Herbsttagen bemerkte Rebekka mit Schmerz, daß ihr Kind stark abmagerte. Und eines Nachts wurde sie plötzlich von einem Geräusch, so schwer wie der Schlag eines Hammers aufgeweckt. Moses hustete schwach in seinem Schlafe. Der Husten! Der verfl. Husten! Kein Zweifel konnte mehr obwalten, die fürchterliche Krankheit wohnte in der Brust ihres Kleinen.. Rebekka näherte sich ihm, preßte ihn zärtlich an sich, bot ihm die feuchte Wärme ihres Körpers. Seither entfachtederschreckliche Husten ununterbrochen, Tag und Nacht ihren Mutterschmerz. Bald ließ sie durch ihren Gatten den Arzt holen. „Nicht denselben wie früher!“, hatte sie ihm empfohlen, Sie wollte glauben, daß der Arzt, der ihre anderen Kinder behandelt hatte, Unglück brachte. Ein anderer Arzt kam, sprach mit ihnen in, den gleichen verschleierten Worten, die für sie so klar, ach so klar waren! Seit einem Monat nun kämpfte sie verzweifelt, unterstützt durch ihren Glauben, gegen den Ewigen, den das wiederholte gleiche Unglück nicht hatte erschüttern können. Sie kämpfte gegen ihren Rivalen: den Tod. Und sie war deshalb auch ganz wild geworden. Auf jeden, der sich ihrem Kinde näherte, richtete sie ihre voll Haß sprühenden Augen. Selbst Osias mied ihren harten Blick, in dem er bittere Vorwürfe las,. „Ich habe gesündigt!“ schrie sie ihn zuweilen an, „aber du weißt nichts anderes als zu beten! Der Krankheit, welche uns ein Kind nach dem anderen entreißt, das Fleisch von unserem Fleisch, weißt du nichts anderes als die stumpfe Waffe des Gebetes entgegenzusetzen!“ Mit noch größerer Strenge schaute Rebekka ihre Mutter Esther an, so, als ob sie es ihr übel nahm, daß sie solange lebte, Jahr auf Jahr anhäufte, um endlich einen langen Lebensabend zu haben, während ihre Kinder schon beim Tagesanbruch ihres Lebens unerbittlich eingeerntet wurden. Um den milden Gott mitleidig zu stimmen, und um sich aller Sünden freisprechen zu lassen, fastete Rebekka. Sie enthielt sich jeder Nahrung, in der dunklen Hoffnung, daß alle Kräfte, die sie verliere, auf ihr Kind übergehen würden. Sie hätte gern ihr Leben mit einem Schlage hingegeben, um diesen Zweck zu erfüllen, dieses Leben, das sie langsam durch Angst und Fasten verbrauchte. Eine Nachbarin riet ihr, das Grab des Rabbi Hai B e s s i s aufzusuchen. Dieser große Heilige würde sich erkenntlich zeigen und zu ihren Gunsten intervenieren, Eines Morgens begab sie sich auf den Friedhof, säuberte das Grab von allem Unkraut, so daß es, das stets durch die Angst der Mutter unterhalten wurde, weiß wie ein Leichentuch wurde. Aber die Krankheit verfolgte weiter ihr zerstörendes Werk. Eine andere Nachbarin riet ihr, das Kind zu verkaufen. Nur mit Mühe konnte sie sich dazu entschließen,. Eines Nachts, als der Husten ihren Kleinen marterte, lief sie in aller Eile zum

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