Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- 7 (18.2.1927)
- Date
- 1927-02-18
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 101 zen des Centralvereins und des liberalen Judentums freudig begrüße, daß ich aber auf der anderen Seite auch das Bekenntnis zum Zionismus für durchaus vereinbar halte mit national-deutscher Staatsgesinnun g. Mir sind viel zuviel leidenschaftliche Zionisten bekannt, die sich in schwerster Zeit als Tatdeutsche bewährt und die für ihr Bekenntnis zum Deutschtum gelitten haben, als daß ich in einer zionistischen Betätigung unserer jüdischen Mitbürger irgendeine Beeinträchtigung ihrer staatsbürgerlichen Stellung erblicken könnte. Da ich als Alttestamentler meine wissenschaftliche Laufbahn begonnen habe und als Semitist der Sprache und Literatur des Judentums nahestehe, kann ich es durchaus verstehen, daß unere heutigen jüdischen Mitbürger in dankbarer Erinnerung an die großen, Traditionen ihres Volkes und ihrer Religion sich für ein jüdisches Heim auf palästinensischem Boden einsetzen, Das ist eine humanitäre und historische Haltung, die meine volle Sympathie besitzt. Deswegen bin ich dem Pro-Palästina-Komitee beigetreten. Eine Abschrift dieses Briefes, dessen Verwertung ich Ihnen ganz anheimstelle, habe ich dem Verband nationaldeutscher Juden zugehen lassen, der mir gegenüber gleichfalls Bedenken hatte laut werden lassen. In Vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener Becke r.“ Die Gegenüberstellung ist so schlagend, daß wir es uns ersparen können, auch nur ein Wort hinzuzufügen. Der heutige Mensch und die Bibel Es ist eine große Aufgabe, die Martin Buber auf sich »genommen hat; beinahe muß man befürchten. eine unerfüllbare: er will wie mit seiner in Gemeinschaft mit Franz Rosenzweig unternommenen Bibelübersetzung so auch mit seinem Vortragszyklus über „Der Mensch und die Bibel“ die Bibel dem heutigen Menschen näherbringen, er will dem heutigen Menschen die Wahrheit und Wirklichkeit der Bibel zeigen, er will unsere Generation für die Bibel empfänglich machen, ihr einen Zugang zur Bibel erschließen. Martin Buber verkennt die besondere Schwierigkeit dieser Aufgabe nicht: er weiß und sagt es: daß der heutige Mensch, der der Bibel gegenübergestellt ist und sie zu begreifen versucht, zunächst einmal radikal vergessen muß, was er in der Schule und späterhin von ihr gelernt und gehört hat. Martin Buber weiß und: sagt auch, daß die heute lebende Generation, soweit sie überhaupt noch eine Verbindung zu allem Geistigen spürt, im innersten haltlos und entzweit ist; verstrickt in den Dualismus von Geist und Welt, wie er folgen muß aus der idealistischen Philosophie, welche die Wirklichkeit als eine Funktion des Geistes auffaßt, oder verstrickt in den Dualismus von Freiheit und Schicksal, weil aber der Geist bedingt erscheint, sei es von der Kausalität, der Wirtschaft oder dem Kulturablauf. Und daß der Appell an die Religion nicht fruchtet, auch das weiß Martin Buber: die Religion selbst ist ja für alle diese Menschen nur eine Abteilung des Geistes, wie dieser entweder neben der Wirklichkeit herlaufend und darum unverbindlich oder nur Überbau und darum nicht selbst Realität. Denn die wahre Realität des Geistes und der Religion ist die Bewährung, die restlose Durchdringung des Alltags. Das alles sieht und sagt Buber. Und trotzdem glaubt er, da er es an sich selbst durch seine Bibelübersetzung, durch seine eigene Arbeit erfahren hat, daß auch dem heutigen Menschen ein Zugang zur Bibel bleibe, zu diesem Dokumente der Begegnung des Göttlichen mit dem Menschlichen, dieser eigentlichen Urkunde der Religion als Totalität, der Einheit von Geist und Welt, der Konkretion des geheiligten Alltags, daß ein solcher Zugang bleibe, auch wenn man jede nur sinnbildliche Deutung, jede Symbolisierung des Gehalts der Bibel ablehnt. Dieser Glaube hat seine Rechtfertigung gefunden: eine im tiefsten ergriffene Zuhörerschaft, die sich von Abend zu Abend mehrte, folgte den Ausführungen Bubers, und hätte man es nicht schon vorher gewußt, diese drei Abende würden es gezeigt haben, daß Martin Buber imstande ist, die Menschen den Weg zur Wahrheit und Wirklichkeit der Bibel zu führen. Es sind vor allem die dem heutigen Menschen fast völlig unbegreiflichen Vorgänge der Schöpfung und der Offenbarung, die Buber verständlich zu machen bestrebt ist; Vorgänge, die vom rein begrifflichen Denken, der logischen Forschung niemals erhellt werden können. In jedem Menschen aber lebe die Erfahrung vom Erschaffen- KIELLEUTHNER ANZÜGE DIE FÜHRENDE QUALITÄTSMARKE HAUPTPREISLAGE M. 200—240 KEIN ANZUG ÜBER M. 280.—