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Das jüdische Echo · 1926-02-04 · 5 (4.2.1926) · p. Seite 76

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
14 (1927)
Issue
5 (4.2.1926)
Date
1926-02-04
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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76 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 5 jungen Chlotilde“, nennt seine individualistisch behandelten, historischen Abrisse „Novellen aus drei Jahrtausenden“. Eidlitz malt in großen Umrissen drei Epochen: Das biblische Zeitalter Davids, den Hellenismus, Sowjetrußland.. Das gleiche Thema zieht sich mit schön gestalteter Konsequenz durch diese drei Novellen: Kampf der Mächtigsten mit den Göttern — um die Götter. Diese Gewaltigen sind auf steilen Bahnen emporgestiegen, haben die letzten Sprossen menschlicher Möglichkeit erklommen und erschauern, so gewachsen, vor ihrer Kleinheit, gemessen an dem Gewaltigsten, dem Schicksal. König David, der Gottgeweihte, sendet Urias, um sich Bathsebas zu bemächtigen, in den Tod und stürzt daran; Philipp, der Griechenhasser, verspottet die Gottheit und bereitet lästernd sich selber einen prunkvollen Gottesdienst, aber der Speer des Meuchelmörders durchbohrt ihn; Wladimir, der Gewaltige, tritt in seiner Todesstunde vor sein Volk, aber man kennt ihn nicht, was er sieht, ist eine entfesselte rachsüchtige Masse, und der gewaltige Zar verröchelt in einem Winkel als Irgendwer. Das überaus lebendig geschriebene Buch vermittelt eine farbige wogende Schau. Die Ereignisse rasen. Eidlitz holt weit aus in seinen Berichten, er stellt das Einzelwesen mit großer Kunst vor die großen Ereignisse, so daß beides für sich bestehen bleibt, ohne sich zu verwischen: Die Glanzzeit der Davidschen Herrschaft — davor der König als Spieler in der Bathsebatragödie; der Verfall der griechischen Stämme und Philipps Rüstungen — davor der Knabe Alexander; Umsturz in Rußland — davor das klägliche Ende des letzten Zaren. Man hat von diesen historischen Novellen den Eindruck, daß sie den großen Zusammenhängen entfliehen, daß sie zeitlose Symbole der großen Geister sind.. Ganz anders in ihrer Art ist die Novelle „Der Spiegel des großen Kaisers“ von Arnold Zweig. Wir haben es hier mit einer stählernharten, in strengste Form gegossenen, sorgsam ausziselierten Dichtung zu tun. Zweigs Sprache ist ausgewogen wie nirgends vorher. Seine Sätze sind barock und prächtig gewachsen. In dieser Novelle hat der Dichter ein Brokat der Prosa geschaffen.. Das Thema ist ein ähnliches wie in den Novellen von Eidlitz. Auch hier ein „Gewaltiger“, der Staufenkaiser Friedrich II. Wir erleben das prächtige Hofleben in Palermo. Der mächtige Kaiser, der im Begriffe steht, Orient und Okzident in seiner Herrschaft zu vereinen, erfährt durch einen Zauberspiegel, daß nur ihm die Macht vergönnt sei, während sein Nachkomme auf dem Schafott enden würde. Friedrich aber trotzt dem Schicksal, er glaubt nur an seine Vernunft und folgt dem Ratschlag seines jüdischen Leibarztes Elieser „Gelobt sei der Lenker der Welt! Es ist geboten, nicht zu zögern, dem Unheil zu widerstehen.“ Friedrich bedarf eines Helfers. Der Staat muß an einem inneren Krankheitsherd leiden, wenn es wirklich so um ihn stehen soll. Darum läßt er den Maghebri, halb Moslem, halb Jude, zu sich rufen, damit er durch dessen Hilfe die „untere“ Seite der Welt erblicke. Dieser Maghebri führt den König zu den Elendstätten der leuchtenden Stadt Palermo: Er läßt ihn Falscherstuben und Nachtasyle, Aussätzige und Hungernde sehen; er führt ihn in die Hölle eines Schwefelbergwerks. Nun weiß der große König um die untere Seite der Welt. „Vielleicht galten die Gesetze der einfachen Vernunft noch nicht für die Bewegungen der großen Menschengebilde?“ fragt er sich. Der große König aber vertraut trotz allem auf seine Macht. An ihm liegt es, die Wunden zu schließen und das Glück zu verschenken. In diesem Bewußtsein verzeiht er auch dem Maghebri, als dieser ihm anbietet, auf die Zukunft des großen Kaisers zu trinken „wie sie uns verkündet ward“. Friedrich streicht diesen Tag aus seinem Leben, als hätte es ihn nie gegeben.. Unmöglich ist in diesem Zusammenhänge auf die einzelnen Feinheiten des Buches einzugehen, etwa auf die jüdischen Gestalten im Gegensatz zu den moslemischen, auf die kühne Vision des Weltkrieges, auf die Linda-Episode. Mit dieser historischen Novelle hat Arnold Zweig ein Werk geschaffen, das man den größten deutschen Prosaschöpfungen dieser Art — ich erinnere an Conrad Ferdinand Meyer — zur Seite stellen kann. -nn. Dr. h. c. Freiherr von Schönaich. Generalmajor a. D„ Palästina. Eine Fahrt ins gelobte Land. Halberstadt, H, Meyers Buchdruckerei, Abt. Verlag. 1926. Gebunden M, 2..75. General von Schönaich, der durch sein Verständnis für Pazifizierung und fortschrittliche Geistesrichtung schon genugsam „unliebsames Aufsehen“ bei den Nationalisten erregt hat, hat seinen Weg, der ihn von den „gegebenen“ Verhältnissen und Anschauungen mehr und mehr entfernt hat, weiter verfolgt. Da hat ihn, der als Landwirt im besonderen Maße praktische Erfahrungen und theoretisches Verständnis in sich vereinigt, auch das neue Werden in Palästina mächtig angezogen. In intensivem Studium hat er die neuartigen Probleme, die der Aufbau mit sich brachte, zu klären versucht, mit offenen Augen hat er das Bild des Juden im eigenen Lande und auf eigener Scholle in sich aufgenommen. Von all dem erzählt er frisch und anspruchslos, jedoch mit einer scharfen Beobachtungsgabe und plastischen. Darstellungskraft in einem kleinen Buche, dem auch hübsche Photographien vom neuen Leben beigefügt sind. Vor allen Dingen wird den Leser, der sich mit dem ungeschminkten Berichte Schönaichs befaßt, das fundierte Urteil des landwirtschaftlichen Sachverständigen interessieren. An Hand von Vergleichszahlen mit Kolonisationskarten in anderen Ländern, in denen bessere allgemein-wirtschaftliche, klimatische und personelle Verhältnisse maßgebend sind, wird demjenigen, der sich wirklich belehren lassen* will, klar werden, daß nicht nur bereits viel erreicht ist, sondern daß die eingeschlagenen Wege das erwünschte Ziel bestimmt erreichen lassen. Das gut ausgestattete Büchlein wird viele Freunde finden. Z’bi Das jüdische Palästina von Dr.. Fritz Loewenstein, herausgegeben von der Direktion des Keren Kajemeth Lejisrael und des Vereins Hajessod, Jerusalem. Preis 60 Pf. Die kleine, sehr gut ausgestattete Broschüre soll nicht etwa einen umfangreichen Reiseführer ersetzen, sondern auf all das hinweisen, was der Palästinareisende über die. moderne jüdische Tätigkeit in Palästina wissen muß,. Der erste Teil enthält informatorische Angaben über die Zionistische Bewegung, das Nationalheim und dessen Aufbau, der zweite enthält die wichtigsten Angaben über die Städte und die jüdischen Siedlungen sowie die besten Reisewege. Im Anhang gibt der Verfasser einige statistische Tabellen über die Einnahmen der beiden Fonds, Kolonisation, Einwanderung. Schulwesen usw.

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